Heiligabend 1955 endete in Ludwigshafen ein Stück regionaler Verkehrsgeschichte: Der letzte Zug kam im Lokalbahnhof Ludwigshafen-Mundenheim an. Damit ging die Zeit der Schmalspur-Lokalbahnen zu Ende, die einst von Ludwigshafen aus in zehn Dörfer rund um die Stadt fuhren.
Langsam, günstig und beliebt
Ende des 19. Jahrhunderts und bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts konnten Fahrgäste mit den kleinen Bahnen für wenig Fahrgeld in die Umgebung gelangen. Die Verbindungen machten Ludwigshafen mit insgesamt zehn Dörfern erreichbar. Für viele Menschen waren die Fahrten nicht nur praktisch, sondern auch ein kleines Ausflugsvergnügen.
Das lag trotz – oder gerade wegen – des gemächlichen Tempos an der besonderen Atmosphäre. Die „Bähnchen“ erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von 15 Stundenkilometern. Sie verbanden damit günstige Mobilität mit einer Reiseerfahrung, die sich deutlich vom heutigen schnellen Pendeln unterschied.
Kuriose Namen, plötzliches Aus
In Erinnerung blieben auch die ungewöhnlichen Namen der Züge. Dazu gehörten der „Feuriger Elias“ und der „Zuckerrüben-Express“, die durch die Region dampften. Die Bezeichnungen erzählen von einer Zeit, in der Schmalspurbahnen zum Alltag und zugleich zum regionalen Erlebnis gehörten.
Mit der Ankunft des letzten Zuges in Mundenheim am 24. Dezember 1955 war dieses Kapitel beendet. Die einst beliebten „Bähnchen“ fuhren nicht mehr zwischen Ludwigshafen und den zehn Dörfern. Ihre Geschichte verweist auf ein früheres Verkehrsnetz, das die Stadt und ihr Umland mit einfachen, preiswerten Verbindungen zusammenhielt.