Die geplante Übernahme von Evonik durch BASF ist vorerst ausgebremst. Der Essener Chemiekonzern hat ein Schreiben der BASF geprüft und anschließend entschieden, nicht in Verhandlungen einzutreten. Für den Ludwigshafener Chemiekonzern ist das ein empfindlicher Rückschlag bei seinem Versuch, den Wettbewerber für einen Zusammenschluss zu gewinnen.

Evonik erklärte, der Vorstand konzentriere sich weiterhin auf die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung des Unternehmens als eigenständiger Konzern. Einen vollständig verschlossenen Weg gibt es allerdings nicht: Das Unternehmen zeigte sich zu einem rein informativen und vertraulichen Austausch bereit, bei dem beide Seiten ihre Positionen erläutern könnten.

BASF hält Angebot und Argumente für ausreichend

Die BASF reagierte mit Unverständnis auf die Absage. Der Konzern aus Ludwigshafen hatte sein Werben wenige Tage zuvor noch verstärkt. Nach Angaben der BASF entsprächen 24 Euro je Evonik-Aktie einer Prämie von fast 40 Prozent gegenüber dem unbeeinflussten Schlusskurs. Gemeint ist damit der Kurs vor den ersten Medienberichten über das Interesse an einer Übernahme.

Zusätzlich verweist BASF auf umfangreiche Zusagen für Beschäftigte und Standorte. Deshalb sei nicht nachvollziehbar, warum der Evonik-Vorstand nicht zu Verhandlungen bereit sei. Die Gesprächsbereitschaft der Essener zu einem vertraulichen Informationsaustausch nehme man dennoch zur Kenntnis.

BASF-Chef Markus Kamieth hatte den möglichen Zusammenschluss zuvor als einen logischen und sinnvollen Schritt zum richtigen Zeitpunkt bezeichnet. Seine Begründung: Die Portfolios und Stärken beider Unternehmen ergänzten sich gut. Gemeinsam könne ein wettbewerbsfähigerer und widerstandsfähigerer globaler Chemiekonzern entstehen. Kamieth verwies dabei auch auf die beginnende Konsolidierung der europäischen Chemieindustrie.

RAG-Stiftung hält entscheidenden Anteil

Besondere Bedeutung kommt der RAG-Stiftung zu. Sie hält rund 43 Prozent der Evonik-Aktien. Die Stiftung finanziert die Folgekosten des deutschen Steinkohlebergbaus, der 2018 eingestellt wurde. Bei einer möglichen Übernahme wären daher sowohl ein für die Stiftung attraktiver Preis als auch politische Fragen wichtig.

Nach Angaben der Quelle betreffen die politischen Bedenken vor allem mögliche Folgen für Arbeitsplätze in der ohnehin kriselnden deutschen Chemieindustrie. Dem Kuratorium der Stiftung gehören 13 Mitglieder an, darunter überwiegend Politikerinnen und Politiker. Fünf Sitze sind automatisch mit bestimmten Ämtern verbunden: den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und dem Saarland, den Bundesministern für Wirtschaft und Finanzen sowie dem Vorsitzenden der IG BCE.

Das Kuratorium bestellt den Stiftungsvorstand und wird laut Stiftungs-Website regelmäßig über Entscheidungen von grundlegender Bedeutung informiert. Damit dürfte die Haltung der Stiftung für den weiteren Verlauf der Übernahmepläne eine wichtige Rolle spielen.

Zusagen für Beschäftigte und Standorte

Kamieth hatte in der vergangenen Woche in einer Videobotschaft versucht, Bedenken zu den Folgen eines Kaufs zu entkräften. BASF wolle bestehende Standortvereinbarungen übernehmen. Zudem sollten betriebsbedingte Kündigungen bis 2032 ausgeschlossen bleiben; Tarifverträge und Sozialpartnerschaft würden unangetastet bleiben.

Auch Essen und Nordrhein-Westfalen sollen nach den Plänen des BASF-Chefs wichtige Standorte bleiben. Vorgesehen seien mindestens ein Vorstandsressort sowie die Leitung von Geschäfts- und Funktionseinheiten. BASF wolle Nordrhein-Westfalen außerdem als Forschungs- und Entwicklungsstandort stärken und prüfen, welche gemeinsamen Aktivitäten von Essen aus geführt werden könnten.

Kamieth äußerte sich zudem zum geplanten Verkauf des Chemieparkbetreibers Syneqt durch Evonik. BASF glaube, die Chemieparks in Marl und Wesseling selbst weiter betreiben zu können. Ob aus dem informativen Austausch tatsächlich Verhandlungen entstehen, ist nach der Absage Evoniks offen.