Wenn sonntags um 20.15 Uhr der „Tatort“ beginnt, führt die Spur immer wieder nach Ludwigshafen. Seit dem 29. Oktober 1989 ermittelt Lena Odenthal, gespielt von Ulrike Folkerts, in der Chemiestadt am Rhein. Keine andere Ermittlerin der Reihe ist länger dabei – und kein anderes „Tatort“-Team kann laut dem Bericht auf eine ähnlich lange Besetzungsgeschichte verweisen.

Damit ist Ludwigshafen weit mehr als ein Drehort: Die Stadt wurde zur prägenden Kulisse und zum Markenzeichen des Südwest-Tatorts. Betonschluchten, BASF-Schornsteine und der Containerhafen vermitteln ein industrielles, echtes Milieu statt einer Postkartenidylle. Für Szenen werden auch reale Orte genutzt. Im Hafen etwa folgte Odenthal in einer Folge der Spur einer vermissten Kollegin.

Start mit „Die Neue“

Der erste Ludwigshafener Fall hieß „Die Neue“ und war zugleich der 224. „Tatort“ insgesamt. Darin jagte die damalige Nachwuchsermittlerin einen maskierten Serienvergewaltiger im Sittendezernat. Produziert wurde die Reihe zunächst vom Südwestfunk. Seit dessen Fusion im Jahr 1998 liegt sie beim SWR.

Folkerts erinnert sich an eine Zeit, in der weibliche Kommissarinnen im „Tatort“ eine Ausnahme waren. Sie sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie sei damals als dritte Frau vom SWR besetzt worden. Es habe zuvor „nur männliche Kommissare“ gegeben. Aus der jungen Ermittlerin ist über die Jahrzehnte eine feste Institution der Reihe geworden.

Odenthal, Kopper und Stern

Besonders stark prägte Andreas Hoppe den Ludwigshafener Tatort. Von 1996 bis Anfang 2018 spielte er 22 Jahre lang Mario Kopper an Odenthals Seite. Das Duo bezog seinen Reiz aus den Gegensätzen: Odenthal wurde als impulsiv beschrieben, Kopper als bodenständig. Laut Quelle starb Hoppe am 17. August 2026.

Bereits 2014 kam LKA-Ermittlerin Johanna Stern hinzu, gespielt von Lisa Bitter. Nach Koppers Abschied übernahm Stern dauerhaft den Platz an Odenthals Seite. Der Stil des Teams veränderte sich damit: Stern wurde als kühler beschrieben, während Odenthal die langjährige Konstante blieb.

Der „Häcksler“-Skandal und starke Quoten

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte 1991 die Folge „Tod im Häcksler“. Das Drehbuch schrieb Stefan Dähnert, Regie führte Nico Hofmann, der später UFA-Chef wurde. Der Fall gilt laut Bericht als einer der größten Skandale in der Geschichte der Reihe. Der SWR wiederholte den Film später und widmete ihm die Dokumentation „Die Geschichte des Häckslers“. Zum 30. Jubiläum wurde der Stoff erneut aufgegriffen.

Auch die Folge „Die Pfalz von oben“ stieß beim Publikum auf großes Interesse. Sie lief im November 2019 zum runden Geburtstag der Kommissarin und erreichte einen Marktanteil von 27,6 Prozent. Bei den 14- bis 49-Jährigen waren es 20,0 Prozent; laut Berichten schalteten fast zehn Millionen Menschen ein.

Ein Ende der Odenthal-Ära ist nach Angaben der Quelle nicht absehbar. Folkerts erklärte, sie wolle „die nächsten 20 Jahre noch arbeiten“. Für den späteren Abschied ihrer Figur hat sie demnach bereits Vorstellungen – einen dramatischen Abgang lehnt sie ab.