Der Rhein-Pfalz-Kreis baut sein neues Verwaltungsgebäude nicht in Ludwigshafen, sondern in Schifferstadt. Nach mehr als zehn Jahren Diskussion stimmten in der jüngsten Sitzung des Kreistags 44 von 50 Mitgliedern für den Neubau. Der Umzug der gesamten Kreisverwaltung vom derzeitigen Standort am Europaplatz in Ludwigshafen ist für Anfang 2030 geplant.

Für Ludwigshafen bedeutet die Entscheidung, dass die Kreisverwaltung ihren bisherigen Standort in der Stadt aufgeben wird. Der Kreis will das Gebäude möglichst verkaufen und damit einen Teil der Baukosten finanzieren. Landrat Volker Knörr geht davon aus, dass der Standort künftig besonders attraktiv sein könnte: Wenn die Arbeiten an der Hochstraße Nord und der Bau der neuen Helmut-Kohl-Allee voraussichtlich 2032 abgeschlossen sind, werde sich das Gebäude in einer „Premiumlage“ befinden.

Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Bereitschaftspolizei

Das neue Kreishaus soll auf einem Teilgrundstück der ehemaligen Bereitschaftspolizei in Schifferstadt entstehen. Vorgesehen sind knapp 12.000 Quadratmeter nutzbare Fläche. Das Gebäude soll von allen Seiten gut zugänglich und barrierefrei sein. Der Entwurf sieht einen fünfgeschossigen Gebäudeteil an der Vorderseite vor, der nach hinten treppenartig auf zwei Geschosse abfällt.

Zusätzlich ist ein Parkhaus mit 185 Stellplätzen geplant. Damit sollen Beschäftigte und Besucher der künftigen Kreisverwaltung nicht auf die städtischen Parkplätze ausweichen müssen. Nach dem aktuellen Zeitplan beginnt die ortsansässige Firma Heberger noch im Jahr 2026 mit den ersten Arbeiten. Die Bauphase soll drei Jahre dauern.

80,9 Millionen Euro für den neuen Sitz

Die Auftragssumme beträgt 80,9 Millionen Euro. Davon sollen 38 Millionen Euro aus einem Sondervermögen des Landes kommen. Eine weitere Million Euro ist über einen Kredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau vorgesehen. Den verbleibenden Betrag muss der Rhein-Pfalz-Kreis selbst finanzieren.

Mit dem Neubau will der Kreis vor allem die Platzprobleme am bisherigen Standort lösen. Außerdem soll das Gebäude energetisch auf dem neuesten Stand sein. Eine Sanierung des Verwaltungsgebäudes am Europaplatz in Ludwigshafen wurde zwar als Alternative geprüft, nach Angaben des Landrats aber verworfen. Ein Gutachterbüro sei zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Sanierung vor Ort den Kreis pro Quadratmeter knapp 1.100 Euro mehr kosten würde als ein Neubau.

„Ich bin hoch zufrieden“, sagte Landrat Volker Knörr nach der Entscheidung. Eine Verwaltung müsse modern und effizient aufgestellt sein, deshalb sei der Neubau der richtige Weg. Mit Blick auf die hohe finanzielle Belastung erklärte er außerdem: „Es ist eine große Kraftanstrengung, die wir hier vollbringen. Aber ich muss ganz klar sagen: Es gibt keine Alternative.“

Investorensuche endete ohne Ergebnis

Der nun beschlossene Weg ist nicht die ursprüngliche Planung. Zunächst sollte ein Investor den Neubau in Schifferstadt finanzieren. Der Rhein-Pfalz-Kreis hätte das Gebäude anschließend gemietet. Diese Pläne scheiterten Anfang 2026, weil sich nach Angaben des Berichts keine Geldgeber fanden.

Damit endet eine jahrelange Suche nach einer Lösung für den Verwaltungssitz. Bereits seit 2013 wurde über eine Sanierung oder einen Neubau nachgedacht. Nun soll der Kreis das Projekt selbst finanzieren und den neuen Standort in Schifferstadt errichten. Für Bürgerinnen und Bürger sowie Beschäftigte bedeutet das nach dem geplanten Umzug Anfang 2030 einen Wechsel des Sitzes der Kreisverwaltung von Ludwigshafen nach Schifferstadt.