Ein Mensch bricht plötzlich zusammen, reagiert nicht mehr und atmet nicht normal: In dieser Situation kann schnelles Handeln in Ludwigshafen und Mannheim über Leben und Tod entscheiden. Die neue Initiative „LU-MA gegen den plötzlichen Herztod“ will deshalb über Wiederbelebung aufklären und das App-basierte Ersthelfernetzwerk KATRETTER ausbauen.

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand wird der Körper nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt. Besonders das Gehirn ist auf eine kontinuierliche Sauerstoffzufuhr angewiesen. Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit mit jeder Minute, in der keine Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Eine sofortige Herzdruckmassage kann die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken.

Herzstillstand erkennen und sofort handeln

Wer einen plötzlichen Zusammenbruch beobachtet oder eine bewusstlose Person findet, sollte zunächst prüfen, ob sie reagiert und normal atmet. Reagiert die Person nicht und ist keine normale Atmung feststellbar, muss unverzüglich gehandelt werden. Auch Schnappatmung oder Röcheln gelten laut den Informationen nicht als normale Atmung.

Die zentrale Abfolge lautet: Prüfen – Rufen – Drücken. Zuerst werden Bewusstsein und Atmung kontrolliert. Anschließend wird sofort über die 112 der Notruf abgesetzt – entweder selbst oder durch eine andere anwesende Person. Danach beginnt die Herzdruckmassage.

Dafür liegt die betroffene Person auf dem Rücken und möglichst auf einer festen Unterlage. Der Handballen kommt auf die Mitte des Brustkorbs, die zweite Hand darüber. Mit gestreckten Armen wird der Brustkorb etwa 100- bis 120-mal pro Minute ungefähr fünf bis sechs Zentimeter tief gedrückt. Die Herzdruckmassage soll möglichst ohne Unterbrechung fortgesetzt werden, bis professionelle Hilfe übernimmt oder wieder Lebenszeichen vorhanden sind. Sind mehrere Helfer vor Ort, können sie sich abwechseln.

Warum Nichtstun die größte Gefahr ist

Bei einer bewusstlosen Person ohne normale Atmung besteht nach den Angaben eine der größten Gefahren darin, aus Angst überhaupt nichts zu tun. Wer den Notruf wählt und sofort mit der Herzdruckmassage beginnt, kann die entscheidende Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte überbrücken.

„Bei vielen außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillständen liegt eine kardiale Ursache zugrunde“, erklärt Prof. Dr. Ibrahim Akin, Direktor der Sektion Invasive Kardiologie und Elektrophysiologie sowie stellvertretender Direktor der I. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim.

Auch ein öffentlich zugänglicher automatisierter externer Defibrillator, kurz AED, kann die Wiederbelebung unterstützen. Die Geräte analysieren den Herzrhythmus und geben Sprachanweisungen. Die Herzdruckmassage darf dafür jedoch nicht unnötig unterbrochen werden. Ist nur ein Ersthelfer vor Ort, sollte er die betroffene Person nicht verlassen, um einen AED zu suchen. Sind mehrere Helfer anwesend und befindet sich ein Gerät in unmittelbarer Nähe, kann eine Person den Defibrillator holen, während die andere weiterdrückt.

KATRETTER-Netzwerk soll in Ludwigshafen wachsen

Der Rettungsdienst und die Klinik bleiben bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand unverzichtbar. Zwischen dem Notruf und dem Eintreffen der Einsatzkräfte vergeht jedoch zwangsläufig Zeit. „Die professionelle Versorgung durch Rettungsdienst und Klinik bleibt unverzichtbar. Aber die ersten Minuten spielen sich häufig ab, bevor unsere Teams beim Patienten eintreffen können. Wenn Menschen in dieser Phase beherzt handeln und sofort mit der Herzdruckmassage beginnen, ist bereits ein ganz entscheidender Schritt getan“, sagt Dr. Fred Blaschke, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst.

Hier setzt die KATRETTER-App an: Wird ein entsprechender Notfall bei der Leitstelle gemeldet, können registrierte und geeignete Ersthelfer in der Nähe zusätzlich alarmiert werden. Sie können möglicherweise noch vor dem Rettungsdienst am Einsatzort eintreffen und mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.

Die Stiftung Institut für Herzinfarktforschung, das Klinikum Ludwigshafen und die Universitätsmedizin Mannheim haben die Initiative „LU-MA gegen den plötzlichen Herztod“ gestartet. Neben der Aufklärung der Bevölkerung steht der Ausbau des App-Netzwerks im Mittelpunkt. Das Projekt soll wissenschaftlich begleitet werden.

Die Botschaft der Kampagne richtet sich an alle Menschen in Ludwigshafen und Mannheim: nicht wegsehen, prüfen, 112 rufen, drücken und weitermachen, bis professionelle Hilfe übernimmt. Auch der Deutsche Rat für Wiederbelebung misst Ersthelfer-Apps Bedeutung bei, weil sie die Zeit bis zum Beginn einer Reanimation verkürzen können.