Wenn ein Mensch plötzlich zusammenbricht und nicht mehr ansprechbar ist, entscheidet schnelle Hilfe über die weitere Entwicklung. In Ludwigshafen und Mannheim sollen deshalb mehr freiwillige Ersthelfer über die Katretter-App zu Einsätzen gerufen werden. Die Aktion „LU-MA gegen den plötzlichen Herztod“ will das bestehende Netzwerk ausbauen und die Zahl der Menschen erhöhen, die bereits vor dem Eintreffen von Notarzt oder Rettungsdienst mit der Wiederbelebung beginnen können.

Prof. Uwe Zeymer vom Klinikum Ludwigshafen begründet die Initiative mit der Bedeutung der ersten Minuten. Eine frühzeitige Reanimation sei ein wesentlicher Bestandteil, um die Überlebenschancen nach einem plötzlichen Herzstillstand zu verbessern. In Deutschland seien Ersthelfer am Einsatzort jedoch noch deutlich seltener aktiv als etwa in skandinavischen Ländern. Genau diese Quote soll im Rhein-Neckar-Raum steigen.

Was Ersthelfer bei einem Herzstillstand tun sollten

Wer beobachtet, dass jemand umfällt und nicht mehr reagiert, sollte sofort den Rettungsdienst verständigen. Wichtig sind dabei der genaue Ort und die Information, was passiert ist. Die Leitstelle alarmiert anschließend den Notarzt und in Ludwigshafen sowie Mannheim auch Katretter in der Nähe.

Gleichzeitig sollte die anwesende Person möglichst sofort mit der Wiederbelebung beginnen. Nach Angaben Zeymers sind die ersten Minuten entscheidend. In der ersten oder zweiten Minute wird das Herz und auch das Gehirn bereits nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Ab etwa der achten oder neunten Minute können bleibende Schäden am Gehirn eintreten. Eine Herzdruckmassage kann dabei die Arbeit des Herzens vorübergehend ersetzen, bis professionelle Hilfe eintrifft.

Viele Angehörige zögern laut Zeymer aus Sorge, etwas falsch zu machen oder dem Betroffenen zu schaden. Diese Angst sei unbegründet: Entscheidend sei, überhaupt sofort zu handeln. Die meisten plötzlichen Herzstillstände ereignen sich demnach nicht auf der Straße, sondern im privaten Umfeld. Mehr als 60 Prozent der Fälle passieren zu Hause oder in einem anderen privaten Bereich. Rund 15 Prozent entfallen auf den öffentlichen Raum, die übrigen Fälle beispielsweise auf den Arbeitsplatz oder andere Orte.

Wer sich bei Katretter anmelden kann

Die Katretter-App richtet sich an medizinisch vorgebildete Menschen, Beschäftigte und Angehörige der Feuerwehr, des Rettungsdienstes, von Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegediensten sowie an ausgebildete Ersthelfer. Voraussetzung ist ein Erste-Hilfe-Kurs, der alle zwei Jahre absolviert werden muss. Registrierte Helfer werden benachrichtigt, wenn in ihrer Umgebung eine Person reanimiert werden muss.

Das Netzwerk besteht in der Vorderpfalz seit drei Jahren. Nach der bisherigen Bilanz waren Katretter in mehr als der Hälfte der Fälle bereits im Einsatz; dabei kamen jeweils ein bis teilweise drei Ersthelfer vor Ort. Ob das Projekt die Überlebensrate schon messbar verbessert, lässt sich laut Zeymer derzeit noch nicht sagen. Ein wissenschaftliches Projekt soll dafür weitere Daten sammeln.

In Ludwigshafen fehlen noch viele Ersthelfer

Für Ludwigshafen nennt Zeymer ein deutliches Ausbaupotenzial: Auf rund 200.000 Einwohner kommen derzeit 90 Katretter. In der gesamten Vorder- und Südpfalz sind es etwa 800. Ziel der Aktion ist es, möglichst viele weitere Helfer zu gewinnen. Dadurch soll die Wahrscheinlichkeit steigen, dass bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand tatsächlich jemand in der Nähe ist und die entscheidende Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken kann.

Wie wirksam schnelles Eingreifen sein kann, zeigt ein von Zeymer geschilderter Fall aus dem Klinikum. Eine Mitarbeiterin bemerkte nachts, dass ihr Mann nicht mehr richtig atmete. Sie begann sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung und rief den Rettungsdienst. Nach einer halben Stunde Reanimationsmaßnahmen wurde der Mann ins Klinikum gebracht. Ursache war ein Herzinfarkt. Nach der Behandlung war er drei Tage später wieder wohlauf.