Die extreme Hitze setzt Obstbauern in der Pfalz massiv unter Druck. Äpfel schrumpeln, werden schwarz und faulen, Pflaumen reifen innerhalb weniger Tage über und Kirschen sind teilweise nicht mehr verkäuflich. Gleichzeitig verdrängt billige Importware die regionalen Produkte in den Supermärkten. Für die Betriebe geht es nach eigener Einschätzung zunehmend um ihre wirtschaftliche Existenz.
Die Entwicklung ist auch für Verbraucherinnen und Verbraucher in Ludwigshafen relevant: Die betroffenen Höfe beliefern den regionalen Markt, während die Branche vor steigenden Produktionskosten und einer unsicheren Zukunft steht. Stand des Berichts ist der 7. August 2026, 17:20 Uhr.
Brandbrief an Bundestag und Landtage
Die Bundesfachgruppe Obstbau hat sich während der extremen Hitzeperiode mit einem Brandbrief an den Deutschen Bundestag und die Landtage gewandt. Ihre zentrale Frage lautet: „Wollen wir in Deutschland überhaupt noch heimisches Obst?“ Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd hat den Brief mitunterzeichnet.
Sprecherin Andrea Schneider beschreibt die Stimmung unter den Obstbauern als seit Langem angespannt. Gestiegene Benzinpreise und der hohe Mindestlohn hätten die Belastung weiter verschärft. Die Bundesfachgruppe fordert deshalb einen geringeren Mindestlohn für landwirtschaftliche Saisonarbeitskräfte. Damit soll die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte gegenüber Obst aus dem Ausland verbessert werden.
Schäden bei Äpfeln, Kirschen und Pflaumen
Besonders deutlich zeigen sich die Folgen auf dem Familienbetrieb von Markus Puder in Laumersheim im Kreis Bad Dürkheim. Puder führt den Hof seit 35 Jahren und baut derzeit auf 65 Hektar Äpfel an. Künftig will er die Fläche nach eigenen Angaben um die Hälfte reduzieren.
Die anhaltende Trockenheit und Sonne beschädigen die Apfelbäume. Puder versucht, die Ernte mit zusätzlicher Bewässerung zu retten. Trotzdem seien bereits etwa zehn Prozent seiner Apfelernte geschädigt. Die Bewässerung verursacht für den Betrieb zusätzliche Kosten von 6.000 Euro pro Woche.
„Ich mache das seit 35 Jahren und so ein extremes Jahr habe ich nicht in Erinnerung.“
Auch die Süßkirschenernte auf einem Hektar Fläche wurde stark getroffen. Nach einer zunächst guten Ernte im Mai konnten die Kirschen nach einer Hitzeperiode mit Temperaturen von mehr als 40 Grad im Juni nicht mehr verkauft werden. Die Hälfte der Ernte musste Puder wegwerfen: fünf Tonnen mit einem Schaden von mindestens 20.000 Euro. Dunkle Früchte können sich bei 40 Grad auf 50 bis 60 Grad aufheizen.
Als nächstes Sorgenobst nennt der Landwirt die Pflaume. Die Früchte wurden durch die Hitze sehr schnell reif. Dadurch schrumpfte das Erntefenster von sonst etwa zwei Wochen auf vier bis fünf Tage. Ein Teil der Pflaumen wurde zu weich und konnte nicht mehr geerntet werden.
Weniger Anbau und ausbleibende Investitionen
Auch Tobias Wicke aus Hochstadt in der Nähe von Landau berichtet von erheblichen Schäden. Je nach Apfelsorte habe es in dieser Saison bereits bis zu 50 Prozent Ernteausfall gegeben. Gemeinsam mit seiner Frau will Wicke den Betrieb auslaufen lassen.
Geplante Investitionen, etwa in Hagelschutz, wurden in diesem Jahr nicht umgesetzt. Wicke verweist außerdem darauf, dass in Deutschland immer mehr Pflanzenschutzmittel nicht zugelassen würden. Wegen Klimawandel und Hitze gebe es insbesondere beim Steinobst mehr Schädlinge, die sich aus seiner Sicht anders nur schwer bekämpfen ließen.
„Es gibt kein Jahr mehr, bei dem alles gut läuft“
Zusammen mit den gestiegenen Produktionskosten lohne sich der Obstbau für Wicke nicht mehr. Ganz aufgegeben hat er seine berufliche Perspektive jedoch nicht: Gemeinsam mit seiner Frau investierte er in ein Tiny House, das sie in der Pfalz vermieten. Seine Haltung: Sich zu ärgern, bringe nichts.
Die Obstbauern fordern nun politische Entscheidungen, die heimisches Obst konkurrenzfähiger machen. Für die Betriebe in der Pfalz bleibt zugleich die Frage offen, wie sie mit häufigeren Hitze- und Trockenperioden, steigenden Kosten und Schädlingsdruck umgehen können.