Die rheinland-pfälzische Linke steht vor einem Führungswechsel: Auf ihrem Parteitag in Ludwigshafen zeichnet sich die Rückkehr zu einer Doppelspitze ab. Parteichefin Rebecca Ruppert stellt sich zur Wiederwahl, für den zweiten Vorsitz kandidiert Judith Huber aus der Vorderpfalz. Ob die neue Führung tatsächlich gewählt wird, geht aus der vorliegenden Ankündigung noch nicht hervor.

Für die Partei kommt der Parteitag in einer schwierigen politischen Phase. Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März verpasste Die Linke erneut den Einzug in den Landtag und scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde. Als Spitzenkandidatin führte Ruppert die Partei laut SWR dennoch zu 4,4 Prozent.

Ruppert führt seit Juli 2025 allein

Die 37-jährige Rebecca Ruppert aus Rheinhessen arbeitet in der IT-Beratung. Vor zwei Jahren war sie gemeinsam mit Dave Koch an die Parteispitze gewählt worden. Koch trat später zurück. Seit Juli 2025 führt Ruppert den Landesverband allein. Judith Huber gehört bereits als Beisitzerin dem Landesvorstand an und soll nun für den zweiten Vorsitz kandidieren.

Der mögliche Wechsel zur Doppelspitze wäre damit auch eine Reaktion auf die bisherige Entwicklung an der Landesparteispitze. Der Titel der SWR-Meldung spricht von einer Rückkehr zur Doppelspitze, während der Text selbst zunächst nur von einer entsprechenden Kandidatur und einem sich abzeichnenden Modell berichtet.

Protest gegen Reformen bei Rente, Pflege und Gesundheit

Inhaltlich will die rheinland-pfälzische Linke den Parteitag nutzen, um ihren Widerstand gegen geplante Reformen der Bundesregierung zu bekräftigen. Die Partei kündigt Proteste gegen Vorhaben in den Bereichen Rente, Pflege und Gesundheit an. Für den 24. Oktober ruft sie zu einer zentralen Demonstration in Kaiserslautern auf.

„Die Ergebnisse der vergangenen Landtagswahlen zeigen deutlich, dass die Menschen genug von der Merz-Regierung mit ihrem Sozialraub haben.“

Das sagte Ruppert dem SWR im Vorfeld des Parteitags. Im Leitantrag des Landesvorstands werden nach Angaben des Senders außerdem Kürzungen beim Sozialstaat und steigende Rüstungsausgaben kritisiert. Die Linke richtet ihren Protest dabei auch gegen mögliche Einschnitte bei Renten sowie gegen Kürzungen bei der Unterstützung von Alleinerziehenden und anderen Menschen, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind.

„Um 'kriegstüchtig' zu werden, wird der Bevölkerung die Grundlage für ein gutes Leben geraubt.“

So wird der Leitantrag im Bericht wiedergegeben. Ruppert fordert zugleich, die Vermögen sehr reicher Menschen nicht unangetastet zu lassen.

Berlin-Wahl als Signal für den Landesverband

Zusätzlichen Rückenwind sieht Ruppert im Wahlsieg der Linken bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin. Die Partei erreichte dort laut SWR 25,6 Prozent und wurde stärkste Kraft. Ruppert wertet das Ergebnis als Beleg dafür, dass es eine politische Alternative zu einer Politik gebe, die Wohlhabende schone und bei der Mehrheit kürze.

„Es gibt eine Alternative zu der Politik, die die Reichen schont und bei der Mehrheit kürzt. Dieses Signal geht weit über Berlin und sogar über Deutschland hinaus.“

Auch die Antisemitismus-Debatte innerhalb der Berliner Linken sprach Ruppert an. Die Vorwürfe bezeichnete sie als gezielte Kampagne gegen mögliche Koalitionsverhandlungen. Zugleich betonte sie, dass die Partei gegen jeden Antisemitismus stehe und das Problem auch innerhalb der politischen Linken ernst nehmen müsse.