In Ludwigshafen-Rheingönheim steht Pfarrer Wilhelm Caroli in diesem Jahr besonders im Mittelpunkt: Die katholische Pfarrei Hl. Katharina von Siena plant von August bis Dezember 2026 sechs Veranstaltungen zu seinem Gedenken. Anlass ist der hundertste Jahrestag seines Amtsantritts in der Gemeinde St. Joseph.

Caroli war von 1926 bis 1938 Pfarrer in Rheingönheim und trat früh als Gegner des Nationalsozialismus hervor. Wegen seines Einsatzes wurde er verfolgt, misshandelt, aus der Region verdrängt und später in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Dort starb er am 23. August 1942 an den Folgen von Entkräftung.

Sechs Veranstaltungen in Rheingönheim und Ludwigshafen

Den Auftakt bildet am Sonntag, 16. August 2026, um 11 Uhr ein Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Joseph. Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann feiert die Messe gemeinsam mit Dekanatskantor Georg Treuheit an der Orgel und dem Chor „Kanaan“. Danach ist unter der Empore ein Stehempfang vorgesehen.

Am Sonntag, 23. August, dem Todestag Carolis, folgt nach dem Sonntagsgottesdienst um 11 Uhr eine kurze Andacht. Am 30. September beginnt um 18 Uhr im Vortragssaal der Volkshochschule im Bürgerhof Ludwigshafen-Mitte ein Vortrag von Dr. Thomas Fandel, dem Leiter des Bistumsarchivs Speyer. Sein Thema lautet „NS-Gegner und KZ-Opfer: Pfarrer Wilhelm Caroli“.

Weitere Termine sind ein Orgelkonzert mit Bezirkskantor Georg Treuheit am Sonntag, 4. Oktober, um 17 Uhr sowie ein musikalischer Gedenkabend am Volkstrauertag, 15. November, ebenfalls um 17 Uhr. Der Posaunenchor Rheingönheim spielt unter der Leitung von Sönke Vogelsberg Instrumentalstücke; außerdem sind Gemeindelieder und Texte geplant.

Zum Abschluss findet am Samstag, 5. Dezember, um 18.30 Uhr eine Vorabendmesse statt. Sie wird von Domdekan em. Dr. Christoph Kohl zelebriert. Vorbereitet wurde die Veranstaltungsreihe von einem eigens gegründeten Arbeitskreis aus Gemeindemitgliedern und einem Historiker. Die Vorbereitung dauerte den Angaben zufolge rund anderthalb Jahre.

Vom Pfarrer in St. Joseph zum KZ-Häftling

Wilhelm Caroli wurde am 7. April 1895 in Saarlouis geboren und am 12. März 1921 in Speyer zum Priester geweiht. Im Dezember 1926 übernahm er seine erste Pfarrstelle in St. Joseph in Rheingönheim. Als Chefredakteur des Ludwigshafener Kirchenblatts positionierte er sich gegen die Nationalsozialisten; seine Predigten wurden deshalb beobachtet.

In der Nacht vom 26. auf den 27. Juni 1933 überfiel ein NSDAP-Schlägertrupp Caroli vor dem Pfarrhaus und schlug ihn bewusstlos. Am 8. Juli 1935 kam es zu einem von Nationalsozialisten organisierten Kirchensturm. Nach Angaben der Pfarrei forderten dabei zwischen 700 und 1000 NSDAP-nahe Menschen seine Ermordung. Die Gestapo erteilte Caroli anschließend einen Ortsverweis.

1937 erhielt er ein Aufenthaltsverbot für die Pfalz und das Saarland und wurde zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, weil er wiederholt gegen das Reichsflaggengesetz verstoßen hatte. Im Februar 1938 enthob ihn der Speyerer Bischof Ludwig Sebastian seines Amtes. Nach einer Predigt gegen die Euthanasie wurde Caroli im Oktober 1941 verhaftet. Im Februar 1942 kam er in das Konzentrationslager Dachau.

Erinnerung im Stadtteil

In Rheingönheim ist Caroli weiterhin sichtbar präsent. Die Straße vor der Kirche St. Joseph trägt seinen Namen, ein Caroli-Platz soll hinzukommen. Seine Urne wurde vor dreißig Jahren in einer Seitenkapelle der Kirche beigesetzt; sie heißt seither Wilhelm-Caroli-Kapelle. Seit 2005 erinnert außerdem ein Stolperstein vor der Kirche an den Geistlichen.