Die Innenstadt von Ludwigshafen soll wieder stärker zum Wohn- und Lebensort werden. Dafür hat die Stadt auf Grundlage des Innenstadtentwicklungskonzepts ISEK ein Maßnahmenpaket zusammengestellt. Geplant sind bauliche Verbesserungen, mehr Grün, neue Freizeitangebote und soziale Treffpunkte. Die Umsetzung wird allerdings schrittweise erfolgen, weil Fördermittel von Bund und Land nur begrenzt und jährlich abrufbar sind.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die City für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen attraktiver werden kann. Nach den Plänen sollen Orte entstehen, an denen Menschen verweilen können, ohne etwas konsumieren zu müssen. Gleichzeitig soll die Innenstadt baulich aufgewertet, Leerstand aktiviert und das Wohnen im Quartier angenehmer werden.
Mehr Grün und bessere Aufenthaltsorte
Ein sichtbares Projekt ist die Umgestaltung des Kornmarkts. Der Platz soll mit Mitteln aus dem Förderprogramm ISEK entsiegelt werden. Auf dem Flachdach ist außerdem eine begrünte Dachterrasse vorgesehen, die das Zentrum neu beleben soll.
Auch am Kulturzentrum dasHaus sind Veränderungen geplant. Das Dach soll in eine Grünterrasse umgewandelt werden. Der Vorplatz soll entsiegelt und mit Bäumen bepflanzt werden. Weil eine vollständige Entsiegelung nicht überall möglich ist, nennt das Konzept zusätzlich mobiles Grün in Pflanzkübeln und Hochbeeten. Sitzmöbel und sogenannte Parklets könnten verkehrsberuhigte Straßen und Plätze beleben.
Die Stadt setzt dabei auf das Konzept der Superblöcke. Straßen und Plätze sollen weitgehend vom Autoverkehr entlastet werden. Frei werdende Flächen könnten zeitweise als Spiel- und Sportflächen oder als Pop-up-Orte genutzt werden. Nach Darstellung des ISEK sollen davon insbesondere Kinder, Jugendliche und Senioren profitieren, die sich konsumfreie Treffpunkte wünschen.
Parkräume könnten zu Radwegen und Aufenthaltsflächen umgewandelt werden. Der Autoverkehr soll dabei über den City-Ring geführt werden. Dazu zählen die Kohl-Allee, die Rheinufer-, Zollhof-, Wrede- und Heinigstraße; dieser Ring soll den gesamten Autoverkehr aufnehmen. Für Autofahrer stehen nach dem Konzept Parkhäuser am City-Ring zur Verfügung.
Sanierungen, Neubauten und ein Blick auf den Hauptbahnhof
Wohnen und Aufenthaltsqualität hängen für die Stadt eng zusammen. Für private Sanierungen und Fassadenaufwertungen an Gebäuden im Sanierungsgebiet können Fördermittel beantragt werden. Das Stadtplanungsamt berät zu diesen Zuschüssen. Fast der gesamte Kern der City zwischen den Hochstraßen ist als Sanierungsgebiet ausgewiesen.
Viele Gebäude stammen aus der Nachkriegszeit. Das ISEK sieht für einzelne Bestandsbauten energetische Sanierungen, mehr Grün in Innenhöfen sowie Begrünungen an Dächern und Fassaden vor. Auch Aufstockungen könnten Gebäude neu in Wert setzen. Zugleich geht die Stadt davon aus, dass manche Grundstücke langfristig neu entwickelt werden könnten. Nach Einschätzung des Stadtplanungsamts ist bei einzelnen privaten Gebäuden aus der Zeit des schnellen Wiederaufbaus auf Dauer kein Erhalt zu erwarten. Im ISEK wird deshalb ein Zeitraum von 20 bis 50 Jahren genannt, in dem Projektentwickler Grundstücke kaufen, Gebäude abreißen und neue Projekte errichten könnten.
Weitere Aufwertung soll vom Neubau entlang der Kohl-Allee ausgehen. Rund um den Ludwigshafener Hauptbahnhof haben sich nach Darstellung des Konzepts über Jahre städtebauliche Missstände entwickelt. Eine Machbarkeitsstudie soll prüfen, welche neuen Nutzungen dort möglich sind. Das Excelsior Hotel und eine angrenzende Autowerkstatt werden in diesem Zusammenhang als baulich problematisch beschrieben.
Die Stadt hält außerdem gezielten Grunderwerb für möglich, um städtebauliche Missstände zu beseitigen. Dafür könnten sogenannte Schlüsselimmobilien gekauft werden. Parallel laufen oder starten Sanierungen zentraler Gebäude: Die Arbeiten am Bürgermeister-Reichert-Haus sollen noch im Sommer 2026 abgeschlossen werden. Die Modernisierung von Volkshochschule und Musikschule ist langfristig vorgesehen.
Kultur, soziale Angebote und Beteiligung
Die Innenstadt soll nicht nur durch Bauarbeiten, sondern auch durch neue Nutzungen belebt werden. Vorgesehen sind unter anderem Galerien für regionale Künstler, Multi-Use-Spaces für zivilgesellschaftliche Gruppen sowie neue Feste und Veranstaltungen. Durch den Stadtumbau City West könnten am Flussufer Brachen frei werden. Das Konzept nennt dort eine Verlängerung der Erlebniszone, eine mögliche Ausweitung der Gastromeile und der Rheinpromenade sowie weitere Nutzungen am Rhein.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die soziale Infrastruktur. Volkshochschule, Musikschule und Stadtbibliotheken sollen den Zugang zum öffentlichen Leben für verschiedene soziale Gruppen sichern. Geplant sind Treffpunkte für Kinder und Jugendliche, Senioren und obdachlose Menschen sowie weitere soziale Angebote.
Als Leitbild dient eine Stadt, in der Begegnung, Teilhabe und gegenseitige Unterstützung stärker zum Alltag gehören. Ein Quartiersbüro soll künftig die Anliegen der Bewohner vor Ort aufnehmen. Quartiersmanager könnten als Verbindung zwischen Bewohnerschaft, Verwaltung und Politik arbeiten und gemeinsam mit den Menschen Ideen für das Viertel entwickeln.
Welche Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden, ist noch nicht für alle Maßnahmen entschieden. Das Paket wird laut Stadt immer wieder angepasst. Ausschlaggebend sind die verfügbaren Fördermittel und die weitere Entwicklung der Innenstadt.