Ludwigshafen will seine Innenstadt wieder attraktiver machen und Leerstände zurückdrängen. Im Mittelpunkt des Innenstadtentwicklungskonzepts ISEK stehen die Bismarckstraße und die Ludwigstraße, außerdem Verkehrsberuhigung, mehr Grün, die Aufwertung von Gebäuden und eine neue Entwicklung der Quartiere. Das Ziel: Die City soll wieder ein attraktives und lebenswertes Wohnquartier werden.

Ursprünglich sollte das Maßnahmenpaket bis 2031 umgesetzt sein. Nun zeichnet sich nach Angaben des Beitrags ab, dass sich die Realisierung länger hinziehen wird. Der Grund: Für das gesamte Paket seien keine Fördermittel in ausreichender Höhe abrufbar. Deshalb will die Stadt zunächst besonders praktikable Vorhaben auswählen.

Mehr Handel in der Ludwigstraße, Nachbarschaft in der Bismarckstraße

Das Amt für Stadtplanung und Stadtentwicklung sieht vor allem in der Ludwigstraße Chancen, hochwertigen Einzelhandel zumindest zeitweise wieder anzusiedeln. Ein Teil des Handels, der im Rathaus-Center weichen musste, konnte nach Darstellung des Beitrags bereits in der südlichen Ludwigstraße gehalten werden. Dort soll der Schwerpunkt weiterhin auf neuen Ansiedlungen liegen.

Die Bismarckstraße soll dagegen zunächst zu einem lebendigen Nachbarschaftsboulevard werden. Begrünung und neue Plätze sollen die Wohn- und Aufenthaltsqualität verbessern. Zugleich könnten sie mehr Menschen in das Quartier bringen und damit die Nahversorgung stärken. Ziel ist ein dauerhaft breites Angebot.

Auch die Rheingalerie soll stärker in die Innenstadt eingebunden werden. Dafür ist eine Umgestaltung am Platz der Deutschen Einheit vorgesehen. Hochwertiger Einzelhandel soll nach den Plänen zunächst vor allem in Neubauten entstehen – etwa in Baulücken, entlang der Kohl-Allee oder nach dem Abriss älterer Gebäude. Für das Palatineo sollen voraussichtlich noch im Jahr 2026 die Bauarbeiten beginnen. Der Neubau soll sowohl Handel als auch Gastronomie anziehen.

Superblocks sollen Platz für Gastronomie und Grün schaffen

Ein weiterer Baustein sind verkehrsberuhigte Superblocks. In den frei werdenden Bereichen sollen Entsiegelung, mobiles Grün und Stadtmobiliar für eine attraktivere Umgebung sorgen. Gleichzeitig könnten Flächen für Außengastronomie genutzt werden.

Als mögliche Standorte nennt der Beitrag Parkplätze in den geplanten Superblocks an der Bahnhofstraße und am Ludwigsplatz. Die Bahnhofstraße ist demnach wegen bereits stark frequentierter Restaurants als Gastromeile vorgesehen. Durch weitere Ansiedlungen könnte sie sich entlang der Straße ausweiten. Dafür soll dort zusätzlich eine Spur des Autoverkehrs stillgelegt werden.

Die Maßnahmen sollen nicht nur dem Handel helfen. Ein begrünter Boulevard kann zunächst die Wohnqualität verbessern und zugleich die Durchmischung des Viertels fördern. Neue Plätze sollen die Besucherfrequenz erhöhen und dadurch Geschäfte der Nahversorgung in der Bismarckstraße sichern.

Leerstände auch für Kultur und Nachbarschaft öffnen

Das ISEK setzt nicht ausschließlich auf Geschäfte. In leer stehenden Räumen könnten auch regionale Kunst, Kunsthandwerk und Angebote aus der Musikbranche Platz finden. Vorgesehen sind zudem Multi-Use-Spaces, die von Nachbarschaften und zivilgesellschaftlich Engagierten genutzt werden könnten.

Als Beispiele nennt der Beitrag Repaircafés, Radwerkstätten und Community-Kitchens. Auch frei zugängliche Kunst- und Kulturveranstaltungen sollen Menschen aus Ludwigshafen und der Region in die Innenstadt locken. Denkbar seien außerdem interkulturelle Feste und Veranstaltungen, die neben den bisherigen Festivals und Festen neue identitätsstiftende Angebote schaffen.

Beim Leerstandsmanagement geht es damit auch um kreative Nutzungen durch Gründer, Kunstschaffende und Kunstgalerien. Sie könnten helfen, Abwärtsspiralen in betroffenen Bereichen zu stoppen. Dafür sei jedoch ein enger Austausch mit den Eigentümern notwendig.

„Generell gilt es, zusammen mit Eigentümern einen Weg zu finden, finanzielle Barrieren Nutzungen des Leerstands durch soziale und nicht-kommerzielle Träger zu senken“

heißt es im ISEK, das von Stadtplanung und Stadtentwicklung gemeinsam erarbeitet wurde. Für Ludwigshafens Innenstadt bedeutet das: Die Stadt will Handel und Gastronomie stärken, gleichzeitig aber auch Wohnen, Kultur, soziale Angebote und öffentliche Räume neu miteinander verbinden. Wann welche Projekte konkret umgesetzt werden, hängt angesichts der begrenzten Fördermittel von der Auswahl der zuerst realisierbaren Maßnahmen ab.