Ludwigshafen will seine Innenstadt umfassend aufwerten und Leerstände künftig nicht nur mit neuen Geschäften bekämpfen. Das Innenstadtentwicklungskonzept ISEK bündelt dafür Maßnahmen aus den Bereichen Handel, Verkehr, Gebäudemodernisierung, Grünflächen, Gastronomie, Kultur und Quartiersentwicklung. Ziel ist eine City, die wieder als attraktives und lebenswertes Wohnquartier funktioniert und Menschen aus Ludwigshafen sowie aus der Region anzieht.

Das Konzept ist nach Angaben des Berichts bereits ausgearbeitet. Auch die Kosten für die einzelnen Schritte wurden veranschlagt. Ursprünglich sollte ISEK bis 2031 umgesetzt werden. Inzwischen zeichnet sich jedoch ab, dass dieser Zeitplan nicht gehalten werden kann. Für das gesamte Maßnahmenpaket stehen nach Angaben der Stadt nicht ausreichend Fördergelder in angemessener Höhe zur Verfügung. Deshalb sollen zunächst jene Vorhaben ausgewählt werden, die besonders praktikabel erscheinen. Die Umsetzung wird sich dadurch voraussichtlich über den ursprünglich vorgesehenen Zeitraum hinaus verlängern.

Bismarckstraße und Ludwigstraße mit unterschiedlichen Schwerpunkten

Eine zentrale Rolle spielt die Stärkung des Einzelhandels in der Bismarckstraße und der Ludwigstraße. Gleichzeitig sieht das ISEK Verkehrsberuhigung, Entsiegelung, die Entwicklung von Quartieren und die Aufwertung von Gebäuden vor. Häuser und Fassaden aus der Zeit des Wirtschaftswunders sollen modernisiert werden. Private Eigentümer können für solche Maßnahmen staatliche Fördermittel erhalten. Damit verbindet die Stadt die bauliche Erneuerung mit dem Versuch, die Aufenthalts- und Wohnqualität in der Innenstadt zu verbessern.

In der Ludwigstraße sieht das Amt für Stadtplanung und Stadtentwicklung vor allem die Möglichkeit, hochwertigen Einzelhandel zumindest zeitweise zurückzugewinnen. In den vergangenen Jahren sei dies an verschiedenen Orten bereits gelungen. Ein Teil des hochwertigen Angebots, das im Rathaus-Center weichen musste, konnte in der südlichen Ludwigstraße gehalten werden. Dort soll der Schwerpunkt weiterhin auf neuen Ansiedlungen liegen. Die Stadt setzt damit auf eine gezielte Entwicklung einzelner Handelslagen statt auf eine gleichmäßige Verteilung aller Nutzungen.

Die Bismarckstraße soll zunächst einen anderen Charakter bekommen. Sie ist als lebendiger Nachbarschaftsboulevard vorgesehen. Begrünung, neue Plätze und eine höhere Aufenthaltsqualität sollen das Quartier für Anwohner und Besucher attraktiver machen. Zugleich könnten zusätzliche Besucher die Nahversorgung stärken und dazu beitragen, Handel, Wohnen und weitere Nutzungen stärker zu mischen. Ziel ist ein dauerhaft breites Angebot, das nicht allein von einzelnen Geschäften abhängig ist.

Rheingalerie, Kohl-Allee und Palatineo als Entwicklungsbausteine

Auch die Rheingalerie ist in den Überlegungen zur Innenstadtentwicklung berücksichtigt. Durch eine Umgestaltung am Platz der Deutschen Einheit könnte sie stärker mit der City verbunden werden. Hochwertiger Einzelhandel soll nach den Plänen zunächst vor allem in Neubauten entstehen. Als mögliche Flächen nennt der Bericht Baulücken, Bereiche entlang der Kohl-Allee und Areale, die nach dem Abriss von Altbestand frei werden.

Für das Palatineo wird mit einem weiteren wichtigen Schritt gerechnet: Noch im Jahr 2026 sollen dort voraussichtlich die Bagger anrücken. Der geplante Neubau soll sowohl Handel als auch Gastronomie anziehen. Die zeitliche Angabe ist allerdings nicht als verbindlicher Fertigstellungstermin beschrieben. Sie steht unter dem Vorbehalt der weiteren Realisierung und ist deshalb von der allgemeinen Verzögerung des ISEK-Zeitplans zu unterscheiden.

Superblocks sollen Raum für Grün und Außengastronomie schaffen

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf verkehrsberuhigten Superblocks. Der Raum, der durch eine geringere Bedeutung des Autoverkehrs frei werden könnte, soll entsiegelt und mit mobilem Grün sowie zusätzlichem Mobiliar gestaltet werden. Dadurch sollen neue Aufenthaltsbereiche entstehen. Zugleich könnten Flächen, die bisher für Parkplätze benötigt werden, für Außengastronomie genutzt werden.

Das betrifft nach dem Bericht insbesondere die Bahnhofstraße und den Ludwigsplatz. Dort könnten überflüssig werdende Stellplätze in Bereiche für gastronomische Außenangebote umgewandelt werden. Die Bahnhofstraße gilt wegen ihrer bereits stark frequentierten Restaurants als möglicher Ausgangspunkt für eine Gastromeile. Weitere Ansiedlungen könnten die Entwicklung entlang der Straße fortsetzen. Zusätzlich ist vorgesehen, dort eine weitere Spur für den Autoverkehr stillzulegen.

Die geplante Umgestaltung soll damit mehrere Ziele verbinden: weniger versiegelte Flächen, mehr Grün, zusätzliche Plätze zum Verweilen und bessere Bedingungen für Gastronomiebetriebe. Für die Bismarckstraße steht dagegen zunächst die Funktion als Nachbarschaftsboulevard im Mittelpunkt. Beide Ansätze sollen letztlich dazu beitragen, die Innenstadt nicht nur zu einem Einkaufsort, sondern auch zu einem attraktiveren Wohn- und Aufenthaltsraum zu machen.

Leerstände sollen auch für Kunst und Nachbarschaft offenstehen

Das ISEK beschränkt sich ausdrücklich nicht auf klassische Geschäfte. Vorgesehen sind auch temporäre Pop-ups sowie Nutzungen durch regionale Kunst aus dem Kunsthandwerk und der Musikbranche. In leer stehenden Räumen könnten außerdem sogenannte Multi-Use-Spaces entstehen. Diese wären nicht dauerhaft nur einer kommerziellen Nutzung vorbehalten, sondern könnten von Nachbarschaften und zivilgesellschaftlich engagierten Menschen gemeinsam verwendet werden.

Als Beispiele nennt der Bericht Repaircafés, Fahrradwerkstätten und Gemeinschaftsküchen. Solche Angebote könnten Leerstände für soziale und praktische Zwecke öffnen und zugleich neue Kontakte im Quartier ermöglichen. Ergänzend sind frei zugängliche Kunst- und Kulturveranstaltungen vorgesehen. Sie sollen Menschen aus allen Stadtteilen und aus der gesamten Region in die Innenstadt bringen. Neben den bisherigen Festivals und Festen werden auch interkulturelle Veranstaltungen als mögliche Ergänzung genannt.

Nach den Vorstellungen des Konzepts können besondere Erlebnisse und kulturelle Angebote die Innenstadt unabhängig vom klassischen Einkauf beleben. Gründer, Kunstschaffende und Kunstgalerien könnten leer stehende Räume kreativ nutzen. Dadurch sollen negative Entwicklungen verhindert oder umgekehrt werden, bei denen zunehmender Leerstand weitere Geschäfte und Besucher fernhält.

Zusammenarbeit mit Eigentümern bleibt entscheidend

Für die Nutzung leer stehender Gebäude ist die Stadt auf die Eigentümer angewiesen. Das ISEK setzt deshalb auf einen intensiven Austausch, insbesondere wenn soziale oder nicht-kommerzielle Träger Räume nutzen sollen. Im Konzept heißt es:

„Generell gilt es, zusammen mit Eigentümern einen Weg zu finden, finanzielle Barrieren Nutzungen des Leerstands durch soziale und nicht-kommerzielle Träger zu senken“.

Wie schnell die Pläne sichtbar werden, hängt damit von mehreren Voraussetzungen ab: der Auswahl der priorisierten Projekte, der verfügbaren Förderung, der Zusammenarbeit mit privaten Eigentümern und der Umsetzung einzelner Bauvorhaben. Das Konzept und die Kostenschätzungen liegen nach dem Bericht vor. Sicher ist jedoch nicht mehr, dass das Gesamtpaket bis 2031 verwirklicht werden kann. Für Ludwigshafens Innenstadt bedeutet das: Die Richtung ist festgelegt, die konkrete Reihenfolge der Maßnahmen und der Zeitplan bleiben offen.