Ludwigshafens Innenstadt soll sich langfristig verändern. Das Innenstadtentwicklungskonzept ISEK sieht vor, aus der heute stark aufgeheizten City ein grüneres und wassersensibleres Quartier zu machen. Neben der baulichen Sanierung, der Reaktivierung von Leerständen und neuen Freizeitangeboten setzt das Konzept auf weniger versiegelte Flächen, mehr Bäume und bessere Aufenthaltsmöglichkeiten.
Die Stadt fasst den Grundsatz gegenüber dem Wochenblatt so zusammen: „Wo Entsiegelung möglich ist, wird dies auch umgesetzt“. Dieser Satz beschreibt allerdings kein kurzfristig umsetzbares Komplettprogramm. Die einzelnen Vorhaben sollen nach und nach realisiert werden, das Maßnahmenpaket wird regelmäßig angepasst. Wie schnell die Veränderungen sichtbar werden, hängt unter anderem davon ab, wie viele Fördermittel von Bund und Land im Rahmen des ISEK abgerufen werden können.
Schadstoffe begrenzen die Möglichkeiten
Eine wichtige Einschränkung ergibt sich aus der industriellen Vergangenheit der Innenstadt. Mit Giulini und Benckiser waren dort Chemiebetriebe angesiedelt. Bei Baugrunduntersuchungen für die Kohl-Allee wurden Reste der früheren Benckiserfabrik gefunden. Daraufhin waren umfassende Schadstoffsanierungen erforderlich. Entsiegelung ist deshalb nicht an jeder Stelle ohne Weiteres möglich.
Auch am Ernst-Kübler-Platz spielt die frühere Nutzung eine Rolle. Der Platz ist laut dem Beitrag weitestgehend von Schadstoffen saniert; dort befand sich der Standort von Giulini. Deshalb können dort Rasengittersteine zum Einsatz kommen. Sie sollen die bisher vollständige Versiegelung ersetzen und eine teilweise wasserdurchlässige Gestaltung ermöglichen.
Diese Plätze und Straßen sind betroffen
Der Ludwigsplatz soll seine Funktion als grüne Oase behalten. Am Ernst-Kübler-Platz und am Theaterplatz ist vorgesehen, die vollständige Versiegelung durch Rasengittersteine zu ersetzen. Für den Bürgerhof, den Kornmarkt, den Europaplatz und den Friedrich-Wagner-Platz plant die Stadt Teilentsiegelungen sowie die Pflanzung von Bäumen.
Auch der Berliner Platz soll entsiegelt werden. Gleichzeitig müssen dort die Eventflächen erhalten bleiben. Die Planung versucht damit, mehr Grün in den zentralen Platz zu bringen, ohne seine Bedeutung für Veranstaltungen aufzugeben.
Eine besonders umfangreiche Veränderung ist für den Friedenspark vorgesehen. Seine Fläche soll mehr als verdoppelt werden. Geplant ist ein urbaner Baumgarten. Der Park soll außerdem Teil des grünen Bandes „Ebertpark – Marienpark – Rheinufer“ bleiben. Kleinere Grünflächen entlang der Kohl-Allee sollen dazu beitragen, die einzelnen Stadtteile besser miteinander zu verbinden.
Im Sommer sollen Bäume und andere Pflanzungen für mehr Verschattung sorgen. Dadurch soll die Aufenthaltsqualität auf Plätzen und in Straßenräumen steigen. Als ergänzende Elemente nennt das Konzept Wasserspiele, Sitzmöbel, Märkte und Food-Courts. Sie sollen die zentralen Orte nicht nur kühlen und attraktiver machen, sondern auch zu einer stärkeren Belebung beitragen.
Bismarckstraße, Superblöcke und Platanenhain
Für die Bismarckstraße sieht das ISEK einen neuen Bodenbelag vor. Auf dem Nachbarschaftsboulevard sind Entsiegelung und Begrünung geplant. In den verkehrsberuhigten Straßenräumen im Zentrum, die als Superblöcke bezeichnet werden, sollen außerdem Pflanzkübel oder Hochbeete aufgestellt werden, wenn eine vollständige oder teilweise Entsiegelung nicht möglich ist.
Mobiles Grün hat dabei eine begrenzte Funktion. Kübel und Hochbeete können echtes Stadtgrün nicht ersetzen. Pflanzen, die direkt im Boden wachsen, erzielen stärkere Kühlungseffekte und können bei Starkregen mehr Wasser aufnehmen. Mobile Pflanzungen gelten deshalb vor allem als bessere Alternative zu vollständig betonierten oder gepflasterten Flächen, wenn bauliche oder schadstoffbedingte Gründe gegen einen Rückbau sprechen.
Der Kornmarkt und der Friedrich-Wilhelm-Wagner-Platz sollen besonders aufgewertet werden. Ein begehbares Gründach ist für das Kulturzentrum vorgesehen. Nach den Planungen könnte es das Gebäude und sein Umfeld attraktiver machen und zugleich der Gastronomie zugutekommen. Rund um den verdichteten Platanenhain soll außerdem weitere Fläche entsiegelt werden. Dort sind zusätzliches Stadtgrün und Sitzmöbel geplant.
Private Gebäude sollen ebenfalls grüner werden
Das Konzept beschränkt sich nicht auf öffentliche Plätze. Das rheinland-pfälzische Baurecht schreibt bei Neubauten Dachbegrünung vor. Im Bestand sollen im Sanierungsgebiet außerdem Dächer, Innenhöfe und Fassaden nachträglich begrünt werden.
Die Stadt will Eigentümer in den Superblöcken zu verschiedenen Maßnahmen anregen. Genannt werden Rankgitter, intensive Fassadenbegrünung, die Entsiegelung von Flächen und Dachgrün. Begrünte Gebäude können nach Darstellung des Beitrags das Raumklima verbessern und den Wert einer Immobilie steigern. Gleichzeitig ist die Umsetzung schwierig, weil die Eigentümerstruktur in der Innenstadt komplex ist. Die notwendige Kommunikation mit den Beteiligten ist deshalb aufwendig.
Der Bereich Stadtplanung berät Eigentümer zur energetischen Sanierung. Im Sanierungsgebiet können dafür Fördermittel zur Verfügung stehen. Nach Angaben des Beitrags gibt es inzwischen außerdem verschiedene Fördermöglichkeiten für Dach- und Fassadenbegrünung sowie für die Entsiegelung versiegelter Freiflächen, unter anderem über Länderprogramme, die KfW und das Bafa.
Viele Jahre bis zur sichtbaren Veränderung
Die geplanten Maßnahmen werden nicht gleichzeitig umgesetzt. Einzelne Vorhaben befinden sich nach dem Beitrag jeweils über mehrere Jahre hinweg in der Umsetzung. Das Maßnahmenpaket kann zudem abhängig von Finanzierung, Fördermitteln und den konkreten Bedingungen vor Ort verändert werden.
Bis die gesamte Innenstadt deutlich mehr Grün aufweist, dürften deshalb viele Jahre vergehen. Das ISEK verbindet dabei verschiedene Ansätze: öffentliche Plätze sollen entsiegelt und bepflanzt, Straßenräume verschattet, private Gebäude begrünt und unbebaute Flächen stärker für die Klimaanpassung genutzt werden. Wo Schadstoffe, Kosten oder Eigentumsfragen Grenzen setzen, kommen zunächst auch mobile Pflanzungen oder schrittweise Lösungen infrage.