Auf dem Hauptfriedhof Ludwigshafen hat das Grabfeld der „Herzenskinder“ eine neue Bedeutung bekommen: Seit Anfang 2026 werden dort neben totgeborenen Kindern auch Kinder nach einem Schwangerschaftsabbruch beigesetzt. Möglich macht das eine Änderung des rheinland-pfälzischen Bestattungsgesetzes aus dem Jahr 2025.
Die Gemeinschaftsruhestätte besteht seit 2006. Sie wurde für totgeborene Kinder eingerichtet, die keine eigene Beerdigung erhalten hatten. Familien sollten damit einen festen Ort bekommen, an dem sie Abschied nehmen und trauern können. Zuvor waren totgeborene Kinder mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm in Kliniken der Metropolregion Rhein-Neckar laut einer Information des katholischen Dekanats Ludwigshafen mit dem Klinikabfall entsorgt worden.
Wie das Grabfeld in Ludwigshafen entstand
Initiiert wurde das Projekt von der damaligen SPD-Stadträtin Helga Koch. Sie sammelte Spenden, gewann Unterstützung aus der Bürgerschaft und der Wirtschaft und setzte sich über Jahre für die Ruhestätte ein. Von Beginn an beteiligt war auch Helga Beisel aus Zeiskam, die die Selbsthilfegruppe „Leere Wiege“ gegründet hat.
Am 17. August 2006 weihte die Stadt die „Ruhestätte der totgeborenen Kinder“ auf dem Hauptfriedhof ein. Die Trauerfeier gestaltet Hede Metz seit vielen Jahren mit; derzeit organisiert sie die Termine gemeinsam mit Pastoralreferent Manfred Heitz. Seit 2025 gibt es außerdem einen runden Tisch, zu dem das Friedhofsamt alle Verantwortlichen der Feier einlädt.
Während der ökumenischen Zeremonie steht ein mit Herzchen und Bärchen geschmückter Sarg in der Trauerhalle. Angehörige können den Namen ihres Kindes in ein Buch eintragen. Die Namen werden während der Feier verlesen, jede Familie erhält eine Kerze. Auch eine Vertreterin des Islam beteiligt sich mit dem Lesen einer Sure und einem Gebet.
Nächste Beisetzung im November
Die Trauerfeier findet zweimal im Jahr statt: jeweils am zweiten Mittwoch im Mai und im November um 14 Uhr in der Trauerhalle des Hauptfriedhofs Ludwigshafen. Im Anschluss werden die Kinder beigesetzt. Für die Eltern ist die Bestattung kostenlos.
Die Zahl der Kinder bei den einzelnen Terminen variiert. Hede Metz berichtet von rund 60 Kindern bei einem Termin im Mai; bei manchen Feiern kommen fast 100 zusammen. Der Gemeinschaftssarg wird künftig auch die Urnen von Kindern aufnehmen, die nach einem Schwangerschaftsabbruch beigesetzt werden. Zuvor wurden diese Kinder verbrannt, nun müssen medizinische Einrichtungen sie würdig bestatten lassen.
Das Engagement für das Ludwigshafener Grabfeld hat über die Stadt hinaus Wirkung entfaltet. Helga Koch, die 2025 starb, trug 2014 zur Änderung des rheinland-pfälzischen Bestattungsgesetzes bei. Seitdem sind in der Metropolregion Rhein-Neckar fast 100 ähnliche Gemeinschaftsruhestätten entstanden.
Die nächste Beisetzung in Ludwigshafen ist für den zweiten Mittwoch im November um 14 Uhr angekündigt. Informationen über den Verein „Leere Wiege“ und seine Arbeit gibt es unter www.leere-wiege.com.