Der Friedenspark soll Ludwigshafen künftig dabei helfen, die zunehmende Hitze in der Innenstadt abzumildern. Im Zuge der neuen City West auf dem Freiareal rund um die Kohl-Allee soll sich die Parkfläche verdoppeln. Zusätzlich sind entlang der Kohl-Allee breite Grünstreifen, zwei Baumreihen mit insgesamt 920 Bäumen sowie eine mittige Straßenbegrünung geplant. Zusammen mit weiteren Pflanzungen ist von rund 1.000 Stadtbäumen die Rede.
Für die Bewohnerinnen und Bewohner der Ludwigshafener City geht es dabei nicht nur um mehr Grün. Die Planung folgt dem sogenannten Schwammstadtprinzip: Böden, Grünflächen, Baumgruben und Rückhaltebecken sollen Regen aufnehmen, speichern und bei Bedarf wieder abgeben. Dadurch sollen die Flächen bei sommerlicher Hitze kühlen und bei Starkregen das Kanalnetz entlasten.
Mehr Parkfläche und große Wurzelräume an der Kohl-Allee
Dicht bepflanzte Parks können sich deutlich von versiegelten Straßen und Plätzen unterscheiden. Nach den Angaben im Beitrag können die Temperaturen dort in Hitzesommern bis zu 10 Grad niedriger liegen als auf versiegelten Flächen. Der Friedenspark wird deshalb als zentraler Baustein für ein besseres Stadtklima in der City beschrieben.
Eine wichtige Voraussetzung für die geplanten Bäume ist ausreichend Platz unter der Oberfläche. Der Bereich Klima und Umwelt der Stadt Ludwigshafen erklärt, dass ein großer Wurzelraum entscheidend für das Wachstum von Stadtbäumen ist. Unter der Kohl-Allee soll dieser Raum durch ein unterirdisches Skelettbodensubstrat deutlich vergrößert werden. So sollen die Bäume mehr Bodenvolumen und die Möglichkeit zu tieferer Verwurzelung erhalten.
Der Hintergrund: Stadtbäume stehen in dicht bebauten Bereichen unter Trockenheitsstress. Wenn ihnen Wasser und Nährstoffe fehlen, wachsen sie weniger großkronig. Große Baumkronen sind jedoch wichtig, weil sie Schatten spenden und über die Verdunstung von Wasser zur Kühlung beitragen. Der Beitrag verweist darauf, dass ein Baum etwa 20 Jahre braucht, um zu wachsen.
Versickerungsbecken an der Rheinallee geplant
Ein weiterer Bestandteil der Planung liegt an der Rheinallee auf Höhe der Kurt-Schumacher-Brücke. Dort ist ein Versickerungsbecken vorgesehen, das Regenwasser von asphaltierten Flächen aufnehmen soll. Solche Becken filtern Schadstoffe. Das gereinigte Wasser kann anschließend in den Untergrund, in Grundwasserkörper oder in miteinander verbundene Baumgruben geleitet werden.
Die Umsetzung ist in Ludwigshafen allerdings nicht überall gleich einfach. Wo der Friedenspark unter der neuen Rampe auf die Westbrücke in Richtung Bahnhof wächst, befindet sich der frühere Standort der Chemiefabrik Benckiser. Dort gibt es Altlasten im Boden, weshalb Regenwasser nach den Angaben des Umweltbereichs nicht ohne Weiteres versickern kann. Große Teile des Friedensparks seien dagegen unbelastet und böten viele Möglichkeiten für Schwammstadt-Maßnahmen.
Auch die geologischen und wasserwirtschaftlichen Bedingungen spielen eine Rolle. Ludwigshafen liegt auf aufgeschüttetem Gelände etwa vier bis sechs Meter über der ehemaligen Rheinaue. Der Füllgrund habe unterschiedliche Qualitäten, was die Rückhaltung von Grundwasser erschweren könne. Wird Wasser bei Starkregen zu stark im Stadtgebiet gehalten, kann laut der im Beitrag erläuterten Einschätzung sogar die Überschwemmungsgefahr steigen.
Zisternen, Entsiegelung und klimaresiliente Baumarten
Als Ausgleich für längere Trockenphasen werden Zisternen genannt. Sie halten Wasser nach längeren Regenfällen zurück und ermöglichen später eine gepufferte Abgabe sowie die Bewässerung von Pflanzen. Auch private Zisternen spielen dabei eine Rolle: Im Neubau sind sie laut Beitrag inzwischen vorgeschrieben, im Bestand werden sie bereits genutzt.
Neben dem Friedenspark sollen weitere Maßnahmen in der City Wirkung entfalten. Über das Stadtentwicklungskonzept ISEK könnten zentrale Plätze entsiegelt werden. Der Bürgerhof soll mit Pflanzenkübeln verschattet werden. Für die Neubebauung entlang der Allee gibt es dem Beitrag zufolge bereits Vorgaben zum Anteil entsiegelter Flächen rund um die Gebäude und zur Größe von Gründächern.
Bei der Auswahl der Bäume richtet sich der Blick auf robuste Arten, die mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen. Genannt werden unter anderem Amberbaum, Japanischer Schnurbaum und Zelkovе. Ob diese Arten in 20 Jahren tatsächlich entlang der Kohl-Allee und im Friedenspark stehen werden, ist nach dem Beitrag noch offen. Sicher ist: Eine klimaangepasste Stadtlandschaft entlang einer 80 Meter breiten Bundesstraße bleibt für Ludwigshafen eine besondere planerische Herausforderung.
Wie schnell der Umbau umgesetzt werden kann, hängt schließlich auch von den verfügbaren Mitteln ab. Der Beitrag nennt dafür die Finanzierungsbereitschaft von Bund, Ländern und Kommunen als entscheidenden Faktor.