Ludwigshafen reagiert auf zunehmende Hitze in der Innenstadt: Ab September beginnt die Stadt mit der Umgestaltung von vier öffentlichen Plätzen. Wo heute viel Pflaster und wenig Schatten dominieren, sollen entsiegelte Flächen, Bäume, Begrünung, Trinkbrunnen und neue Verschattung für kühlere Aufenthaltsorte sorgen. Für Theaterplatz, Hans-Klüber-Platz, Karl-Kornmann-Platz und Bürgerhof sind insgesamt rund 3,8 Millionen Euro vorgesehen.
Oberbürgermeister Prof. Dr. Klaus Blettner begründet das Programm mit dem Klimastress in der Stadt. Ziel sei es, Ludwigshafen widerstandsfähiger gegen Hitze zu machen und den Menschen auch an sehr heißen Tagen sichere und angenehme Aufenthaltsmöglichkeiten zu bieten. Grundlage ist das Klimaanpassungskonzept, das der Stadtrat im Juni 2025 einstimmig beschlossen hat.
Vier Plätze, vier unterschiedliche Lösungen
Auf dem Theaterplatz werden rund 400 Quadratmeter Fläche von Steinen befreit. Der Randbereich wird bepflanzt. In der Mitte sollen der technisch modernisierte Brunnen an der Pfalzsäule und eine überdachte Verschattung mit Sitzmöglichkeiten für Abkühlung sorgen. Zusätzlich ist ein Trinkwasserbrunnen geplant.
Auch der Hans-Klüber-Platz erhält rund 400 Quadratmeter entsiegelte Fläche. Dort sind 20 Bäume und dauerhafte Staudenbeete vorgesehen. Der hack-museumsgARTen des Wilhelm-Hack-Museums ist bereits seit mehr als zehn Jahren eine grüne Oase und ein Begegnungsort. Künftig soll ein Regenwassersystem die Bewässerung unterstützen: Dachflächenwasser wird in einer unterirdischen Zisterne gesammelt und vor Ort genutzt. Wie auf dem Theaterplatz ist auch hier ein Trinkbrunnen geplant.
Der Karl-Kornmann-Platz am Kulturzentrum „dasHaus“ soll ebenfalls schattiger und kühler werden, seine Funktion als Veranstaltungsort aber behalten. Deshalb konzentriert sich die Begrünung vor allem auf die Randbereiche und die Gebäudefassade. Geplant sind außerdem Sitz- und Begegnungsbereiche sowie ein Trinkwasserbrunnen.
Für den Bürgerhof hat die Stadt eine besondere Konstruktion entwickelt. Unter dem Platz liegt eine Tiefgarage, deshalb kann der Untergrund nur begrenzt belastet werden und tief wurzelnde Bäume sind dort nicht möglich. Stattdessen soll ein Edelstahl-Raumnetz auf hohen Stahlträgerbögen ein grünes Dach bilden. Die Träger stehen in etwa vier Meter hohen, skulpturalen Stahlvasen. Diese enthalten Bewässerungstechnik, einen Wassertank und Baumsubstrat. Bäume und Kletterpflanzen sollen in die Netze wachsen und natürlichen Schatten spenden. Eine integrierte Photovoltaikanlage liefert Energie für die Beleuchtung.
Arbeiten sollen bis Jahresende weitgehend abgeschlossen sein
Bau- und Umweltdezernent Alexander Thewalt sagt, für jeden Ort sei eine eigene Planung entwickelt worden. Die Stadt habe dabei unter anderem das Wilhelm-Hack-Museum, die Gärtnerinnen und Gärtner des Hackgartens, das Umwelt- und Klimadezernat sowie weitere Beteiligte einbezogen. Die Maßnahmen an den vier Plätzen werden nach Angaben der Stadt zu 100 Prozent über das Kommunale Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation (KIPKI) gefördert. Der größte Teil der Arbeiten soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.
Weitere Aufwertungen sind ebenfalls vorgesehen. Der Friedrich-Wilhelm-Wagner-Platz soll perspektivisch im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) verbessert werden. Der Innenhof des Bürgermeister-Reichert-Hauses soll eine Sanierung, Wasserspiele, Bepflanzung, neues Mobiliar und einen Trinkbrunnen erhalten.
Auch Schulen, Hemshof und Maudacher Bruch im Programm
Im Hemshof steht der Spielplatz an der Welser-/Blücherstraße kurz vor der Fertigstellung. Dort wurden Bäume, ein Trinkwasserbrunnen und neue Spielgeräte vorgesehen. Nach der bereits umgestalteten Schulhoffläche im Schulzentrum Mundenheim sollen die Schulhöfe der Albert-Schweitzer-Schule, der Erich-Kästner-Schule und der Langgewannschule aufgewertet werden.
In den kommenden Jahren sollen außerdem an der Niederfeldschule, der Hochfeldschule, der Lessingschule, der Grundschule in der Pfingstweide, der Goethe-Mozart-Schule und der Rupprechtschule Flächen entsiegelt und Bäume gepflanzt werden. Die Stadt hat zudem mit den Planungen für die Wiedervernässung des Maudacher Bruchs begonnen. Das Niedermoor mitten in Ludwigshafen soll wiederhergestellt werden und sich positiv auf Klima und Wasserhaushalt auswirken.
Unter dem Titel „Ludwigsbäume“ will die Stadt in den kommenden Jahren 1,37 Millionen Euro in die Entsiegelung und in klimaresiliente Bäume investieren. Standorte wurden für die Nördliche Innenstadt, die Südliche Innenstadt und Ruchheim bereits gemeinsam mit den Ortsbeiräten abgestimmt. Zusätzlich sollen in den Außenbereichen Streuobstwiesen, Hecken und Sträucher entstehen. Für diese Maßnahmen stehen nach Angaben der Stadt mit Bundesmitteln insgesamt rund 4,5 Millionen Euro für Klimaanpassung und Klimaschutz zur Verfügung.
Die Stadtverwaltung betont, dass Ludwigshafen nicht kurzfristig vollständig hitzefest werden könne. Mit den jetzt geplanten Maßnahmen sollen jedoch die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass öffentliche Orte auch in zehn oder zwanzig Jahren lebenswert bleiben. Klimaanpassung und Hitzeschutz seien dabei eine gemeinsame Aufgabe von Verwaltung, Bürgerschaft und Unternehmen.