Der überraschende Rücktritt des Speyerer Bischofs Karl-Heinz Wiesemann hat den Beirat der Betroffenen sexuellen Missbrauchs unmittelbar getroffen. Am Mittwoch gab Wiesemann bekannt, sein Amt niederzulegen. Zur selben Zeit saß der Beirat im Ordinariat zusammen. „Wir waren geschockt“, sagte ein Sprecher.

Für Bernd Held, der den Betroffenenbeirat im Bistum Speyer seit 2021 vertritt und selbst als Jugendlicher unter dem Dach der katholischen Kirche sexuell missbraucht wurde, steht trotz des Rücktritts die persönliche Wertschätzung für Wiesemann im Vordergrund. Er beschreibt den Bischof als empathischen und zugewandten Menschen.

Betroffene fühlten sich gehört und verstanden

Held zufolge begleitete Wiesemann viele Betroffene, die mit ihm über ihre Erfahrungen sprechen wollten. Gerade Menschen, die teilweise jahrzehntelang nicht gesehen worden seien, hätten sich beim Bischof abgeholt und verstanden gefühlt. Wiesemann habe nach Einschätzung Helds aufrichtig mitgelitten und dem Beirat stets ein offenes Ohr geboten.

Diese Haltung sei für Betroffene besonders wichtig gewesen. „Wir Betroffenen haben ganz sensible Antennen dafür, wem wir trauen können und wem nicht“, sagte Held. Nach seinen Angaben genießt die Aufarbeitung im Bistum Speyer deshalb einen guten Ruf. Der Beirat habe die Unterstützung des Bischofs bei seiner Arbeit wahrgenommen.

Sorge vor dem Nachfolger

Wiesemann begründete seinen Schritt auch mit seelischen Nöten und depressiven Phasen in seinem Leben. Held zeigte dafür Verständnis und verwies auf die langfristigen Folgen sexuellen Missbrauchs. „Viele leiden bis heute darunter. Wenn jemand Verständnis hat, dann wir“, sagte er.

Gleichzeitig blickt der Betroffenenbeirat mit Sorge auf die anstehende Nachfolge. Während einer früheren krankheitsbedingten Auszeit Wiesemanns sei unklar gewesen, ob er zurückkehren werde. Damals habe man befürchtet, einen Bischof vorgesetzt zu bekommen, der nicht an der Seite der Betroffenen stehe. „Wir hatten Angst, dass uns irgendein anderer Bischof vorgesetzt wird. Einer wie Wölki zum Beispiel. Das war eine Horrorvorstellung!“, sagte Held.

Für den künftigen Bischof formuliert der Beirat daher eine klare Erwartung: Die Unterstützung der Betroffenen und die Aufarbeitung im Bistum sollen fortgeführt werden. „Wir werden Bischof Wiesemann sehr vermissen!“, fasst Held die Anerkennung für den scheidenden Bischof zusammen.

Hintergrund zur Aufarbeitung im Bistum Speyer

Die Universität Mannheim hat den ersten Teil einer Studie zum sexuellen Missbrauch im Bistum Speyer vorgestellt. Dem Bericht zufolge waren insbesondere kirchliche Kinderheime und Internate Brennpunkte des Missbrauchs. Die Studie beschreibt außerdem ein System der Verleugnung und Verschleierung. Fälle wurden nach Darstellung des SWR durch die Presse und Betroffene öffentlich.

Der SWR veröffentlichte den Bericht am 21. August 2026 um 15:16 Uhr. Das Thema betrifft damit auch Leserinnen und Leser in Ludwigshafen, die Nachrichten aus der Pfalz verfolgen; konkrete neue Vorgänge in Ludwigshafen nennt die vorliegende Quelle jedoch nicht.