Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses können wenige Minuten über das Überleben und die späteren Folgen entscheiden. Genau diese Zeitspanne zwischen dem Notruf und dem Eintreffen des professionellen Rettungsdienstes steht im Mittelpunkt einer neuen gemeinsamen Kampagne in Ludwigshafen und Mannheim. Die Initiative „LU-MA gegen den plötzlichen Herztod“ wurde am Mittwoch, 9. September 2026, bei einer Pressekonferenz im Klinikum Ludwigshafen vorgestellt.
Beteiligt sind das Klinikum Ludwigshafen, die Universitätsmedizin Mannheim und die Stiftung Institut für Herzinfarktforschung (IHF). Die Kampagne soll die Bevölkerung für sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen sensibilisieren. Gleichzeitig wollen die Partner weitere qualifizierte freiwillige Ersthelfer für das bereits bestehende App-System KATRETTER gewinnen.
KATRETTER soll die Zeit bis zum Rettungsdienst überbrücken
Über die KATRETTER-App können registrierte und entsprechend geeignete Helferinnen und Helfer alarmiert werden, wenn sich in ihrer unmittelbaren Nähe ein gemeldeter Herz-Kreislauf-Stillstand ereignet. Sie können sich zum Einsatzort begeben und dort im Idealfall bereits mit lebensrettenden Maßnahmen beginnen, während Rettungsdienst und Notarzt noch unterwegs sind.
Das System ersetzt die professionelle Notfallversorgung ausdrücklich nicht. Sein Zweck besteht darin, die kritische Lücke bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte zu verkürzen. Je dichter das Netz der registrierten Ersthelfer ist, desto größer ist nach Angaben der Initiatoren die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine qualifizierte Person in der Nähe eines Notfalls befindet.
„Beim Herz-Kreislauf-Stillstand ist Zeit der entscheidende Faktor. Je früher mit einer Reanimation begonnen wird, desto größer ist die Chance, einen Menschen mit gutem neurologischem Ergebnis zu retten. Mit unserem Projekt wollen wir deshalb dort ansetzen, wo wir besonders viel erreichen können: bei der schnellen Hilfe durch Menschen, die bereits in unmittelbarer Nähe sind“, erklärt Prof. Dr. Uwe Zeymer, Vorstand der Stiftung Institut für Herzinfarktforschung und Studienleiter.
Auch Dr. Fred Blaschke, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, betont die Bedeutung der ersten Minuten. „Die professionelle Versorgung durch Rettungsdienst und Klinik bleibt unverzichtbar. Aber die ersten Minuten spielen sich häufig ab, bevor unsere Teams beim Patienten eintreffen können. Wenn Menschen in dieser Phase beherzt handeln und sofort mit der Herzdruckmassage beginnen, ist bereits ein ganz entscheidender Schritt getan“, sagt er.
Frühe Wiederbelebung ist Teil der Rettungskette
Welche Bedeutung ein schneller Beginn der Reanimation für die weitere Behandlung hat, erläuterte bei der Vorstellung auch Prof. Dr. Ralf Zahn, Direktor der Medizinischen Klinik B des Klinikums Ludwigshafen. Nach seinen Angaben müssen Gehirn und andere Organe möglichst früh wieder mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Die Möglichkeiten der modernen Notfall-, Intensiv- und Herzmedizin allein reichen demnach nicht aus, wenn nach einem Herzstillstand wertvolle Zeit verstreicht.
Die Kampagne setzt deshalb nicht nur auf die digitale Alarmierung, sondern auch auf Aufklärung über Laienreanimation. Die Initiatoren wollen Hemmschwellen abbauen und Menschen dazu ermutigen, im Notfall sofort zu handeln. Dr. Björn Kemler von der Klinik für Anästhesiologie, Operative Intensiv- und Schmerzmedizin der Universitätsmedizin Mannheim und Notarztstandortleiter der UMM formuliert es so: „Reanimation ist keine Aufgabe, die erst mit dem Rettungsdienst beginnt. Jeder und jede kann im Ernstfall zum Lebensretter werden. Unser Ziel ist es, Hemmschwellen abzubauen und Menschen zu ermutigen, im Notfall sofort zu handeln.“
Die medizinischen und rettungsdienstlichen Strukturen beider Städte werden dabei miteinander verbunden. Prof. Dr. Ibrahim Akin, Direktor der Sektion Invasive Kardiologie und Elektrophysiologie sowie stellvertretender Direktor der I. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim, weist darauf hin, dass bei vielen außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillständen eine kardiale Ursache zugrunde liegt. Aufklärung, digitale Alarmierung und professionelle Notfallmedizin sollen daher als zusammenhängende Versorgungskette wirken.
System in Ludwigshafen und der Region seit 2023 aktiv
Die aktuelle Initiative ist kein Neustart. KATRETTER wird in Ludwigshafen und der Umgebung bereits seit 2023 eingesetzt. Der offizielle Start erfolgte damals im Dienstbereich des Rhein-Pfalz-Kreises und der Integrierten Leitstelle Ludwigshafen. Die Aktivierung fand auf dem Gelände der Feuerwache 1 in Ludwigshafen statt.
Zum damaligen Start erstreckte sich das System über ein Gebiet mit mehr als 620.000 Einwohnern. Neben Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis waren Frankenthal, Speyer, Neustadt an der Weinstraße und der Landkreis Bad Dürkheim eingebunden. Rund 300 qualifizierte freiwillige Ersthelfer hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits registriert. Die Einführung zeigte damit von Beginn an eine Zusammenarbeit über Stadt- und Kreisgrenzen hinweg.
Die neue Kampagne soll dieses vorhandene Netzwerk bekannter machen und weiter verdichten. Denn die technische Möglichkeit, Helfer in der Nähe eines Notfalls zu alarmieren, ist nur dann besonders wirksam, wenn ausreichend geeignete Personen registriert und im jeweiligen Gebiet verfügbar sind. Konkrete Angaben dazu, wie sich Interessierte anmelden können, enthält die vorliegende Mitteilung allerdings nicht.
Wissenschaftliche Auswertung in drei Phasen
Die Informationskampagne ist zugleich Teil einer wissenschaftlichen Untersuchung. In einer ersten dreimonatigen Phase erfassten und werteten die Beteiligten Daten zu außerklinischen Reanimationen in Ludwigshafen und Mannheim aus. Mit dem Start der nun ebenfalls dreimonatigen Interventionsphase rücken die verstärkte Information der Bevölkerung, die Bedeutung der Laienreanimation und der Ausbau des Ersthelfernetzwerks in den Mittelpunkt.
Nach dieser Interventionsphase sollen erneut drei Monate lang Daten zu außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillständen erhoben werden. Die Auswertung erfolgt anhand anonymisierter Daten. Untersucht werden soll insbesondere, ob sich die Zahl erfolgreich durchgeführter Reanimationen verändert und in welchem Umfang Laien bereits frühzeitig mit der Wiederbelebung begonnen haben.
Damit verbindet die Initiative drei Bausteine: mehr Wissen über Wiederbelebung, eine digitale Alarmierung qualifizierter freiwilliger Ersthelfer und die anschließende professionelle Behandlung durch Rettungsdienst und Klinik. Für Menschen mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand kann entscheidend sein, was unmittelbar vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte geschieht.