Die Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen kommt nicht zur Ruhe. Wiederholte Feueralarme, ein falscher Amokalarm, Unterrichtsausfälle und ein schwer belastetes Verhältnis zwischen Teilen des Kollegiums und der Schulleitung sorgen weiter für Unruhe. Die Elternvertretung fordert, dass die Auseinandersetzungen nicht länger zulasten der Schülerinnen und Schüler gehen.
„Die Differenzen zwischen Lehrerkollegium und Schulleitung dürfen nicht weiter auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werden“, sagt Mara Seigfried dem SWR. Sie ist Sprecherin des sechsköpfigen Schulelternbeirates. Ihre Tochter besucht die 7. Klasse der Schule, die seit einem falschen Amokalarm im Oktober 2025 und einem Brandbrief von Lehrkräften bundesweit Aufmerksamkeit erhalten hat.
Unterricht fällt aus, Eltern beschreiben große Unruhe
Die aktuelle Situation sei von mehreren Problemen gleichzeitig geprägt, berichtet Seigfried. Genannt werden der angekündigte Austausch der Schulleitung, krankgemeldete Lehrer und die starke mediale Aufmerksamkeit. „Es ist gerade viel Unruhe. Natürlich wegen des angekündigten Austauschs der Schulleitung, wegen der krankgemeldeten Lehrer. Es fällt sehr viel Unterricht aus - und auch wegen der medialen Präsenz“, sagt die Elternsprecherin.
Zum Beginn des neuen Schuljahres hatten sich laut dem Bericht rund ein Drittel der Lehrkräfte krankgemeldet. Mehrere Lehrkräfte erklärten dem SWR, viele Kolleginnen und Kollegen könnten aus ihrer Sicht „nicht mehr“ und blieben deshalb zu Hause. Einige Lehrer machen für die Lage den Schulleiter verantwortlich und werfen ihm vor, das Kollegium „gespalten“ zu haben.
Im Raum stehen außerdem Berichte über Gewalt auf Gängen und im Schulhof. Die Karolina-Burger-Realschule plus war deshalb auch Thema im Bildungsausschuss des Landtags. Der SWR sprach nach eigenen Angaben persönlich mit mehreren Lehrkräften über die Zustände an der Ludwigshafener Schule.
Elternbeirat stellt sich hinter den aktuellen Schulleiter
Die Elternvertretung bewertet die Rolle von Schulleiter Oliver Kästel anders als die kritischen Lehrkräfte. Es sei nicht der richtige Weg, ihn auszutauschen, sagt Seigfried. Der Schulelternbeirat habe eine gute Kommunikation mit Kästel und unterstütze sich gegenseitig. Seine Bemühungen für die Schule wolle sie „absolut nicht infrage stellen“.
Auch Carsten Stobbe vom Regionalelternbeirat Rheinhessen/Pfalz kann die heftige Kritik einzelner Lehrkräfte nach eigener Aussage nicht nachvollziehen. Kästel habe „neuen Wind“ in die Schule gebracht. Gleichzeitig habe er Verständnis dafür, dass das Bildungsministerium einen Neuanfang plane und die Schulleitung neu aufstellen wolle. „Wenn ich einen Neuanfang haben möchte, dann muss ich eben auch die neuen Besen hineinbringen“, sagte Stobbe dem SWR.
Seigfried fordert von der Aufsichts- und Bildungsbehörde ein entschlosseneres Vorgehen. Die ADD und das Bildungsministerium müssten „einfach mal eine klare Kante ziehen“. Nach ihren Angaben würden Unterstützungsmaßnahmen von „gewissen Personen komplett blockiert“. Auf Nachfrage habe sie damit Lehrkräfte der Schule gemeint. Zugleich verlangt der Elternbeirat konsequenteres Handeln gegenüber Schülerinnen und Schülern, die Schulregeln missachten, sowie gegenüber Lehrkräften.
Task-Force und Maßnahmenpaket angekündigt
Der Regionalelternbeirat Rheinhessen/Pfalz hat in einer Stellungnahme mehrere Ziele formuliert. Dazu gehören ein sicherer und geregelter Schulalltag, Unterstützung für Schulleitung, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler, eine stärkere Schulsozialarbeit sowie multiprofessionelle Teams. Außerdem sollen Vertrauen und Zusammenarbeit an der Schule wiederhergestellt werden.
Ein vom Bildungsministerium mehrfach angekündigtes Maßnahmenpaket war nach Angaben einer Sprecherin noch nicht fertig. Es soll neben personellen Veränderungen, auch in der Schulleitung, Supervisions- und Unterstützungsangebote für das gesamte Kollegium enthalten.
Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU) hat dafür eine Task-Force eingesetzt. Ihr gehören Mitarbeiter des Pädagogischen Landesinstituts, der Schulaufsicht und des Bildungsministeriums an. Das Pädagogische Landesinstitut unterstützt laut Bericht Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern unter anderem bei Gewalt und Mobbing an Schulen.
Wie das Maßnahmenpaket konkret aussehen soll, will die Ministerin am Donnerstag, 3. September, im Bildungsausschuss des Landtags erläutern. In den kommenden Wochen wird sich damit zeigen, welche personellen und pädagogischen Schritte tatsächlich umgesetzt werden und ob sie den Schulalltag an der „Karolina“ stabilisieren.
Auch Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) hat sich zu den Vorfällen geäußert. „Messer, Schlägereien, Falschalarme und Bedrohungen haben an unseren Schulen keinen Platz. Bei Gewalt und Bedrohungen gilt für uns eine klare Null-Toleranz-Linie.“ Schülerinnen und Schüler müssten sicher und verlässlich lernen können, Lehrkräfte gut arbeiten. Gemeint war auch ein Kurzbesuch der Bildungsministerin an der Schule im Mai. Dieser habe die Lage bislang nicht beruhigt.