An der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen eskaliert der Konflikt zwischen Kollegium, Schulleitung und Schulaufsicht. Eine Woche nach Beginn des Schuljahres haben das Bildungsministerium und die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier am Montag mitgeteilt, dass die Schulleitung ausgetauscht wird. Am selben Tag waren 17 Lehrkräfte krankgemeldet – etwa ein Drittel des insgesamt 54 Personen umfassenden Kollegiums.
Die Hintergründe und die konkreten Folgen der Personalentscheidung bleiben jedoch teilweise offen. In ihrer gemeinsamen Mitteilung erklärten Ministerium und ADD, die Situation habe sich nach einem Polizeieinsatz im Frühjahr 2026 zwar deutlich beruhigt. Eine nachhaltige personelle Stabilisierung der Schule sei aber nicht erreicht worden. Das Land will deshalb die weitere Entwicklung der Schule selbst stärker steuern.
Direktor geht, konkrete Maßnahmen bleiben offen
Welche Person die Schulleitung künftig übernimmt und wie der Wechsel organisatorisch umgesetzt wird, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor. Land und ADD kündigten eine „engmaschige Begleitung“ sowie Supervisions- und Unterstützungsmaßnahmen an. Wie diese Hilfe im Schulalltag aussehen soll, blieb zunächst unklar.
Die Karolina-Burger-Realschule plus war bereits im vergangenen Schuljahr wiederholt Schauplatz von Einsätzen und Störungen. Genannt werden Amokalarme, Messerangriffe auf Lehrer, Reizgasattacken und falsche Feueralarme. Zeitweise war die Polizei laut Bericht täglich auf dem Schulhof und im Schulgebäude präsent. Nach Angaben des Bildungsministeriums wurde diese tägliche Präsenz inzwischen verringert.
Auch kurz nach dem Start des neuen Schuljahres kam es erneut zu einem Fehlalarm. Am vergangenen Freitag rückte deshalb wieder die Feuerwehr an. Der Vorfall steht nach den Recherchen des SWR exemplarisch für die Probleme, die das Kollegium weiterhin im täglichen Betrieb sieht.
Lehrkräfte berichten von Gewalt und Überforderung
Mehrere Lehrkräfte, mit denen der SWR zu Beginn des Schuljahres sprach, wollten anonym bleiben. Sie schilderten, dass sich an den Zuständen nur wenig geändert habe. Auf den Fluren und in Klassen komme es demnach regelmäßig zu Beleidigungen, Schubsereien und körperlichen Auseinandersetzungen unter Schülern.
„Bis ich zu meiner Klasse gegangen bin, habe ich auf dem Schulflur und in anderen Klassen schon x Beleidigungen gehört, wie Halts Maul und Schlimmeres. Schüler schubsen sich, verhauen sich gegenseitig, nehmen sich gegenseitig in den Schwitzkasten. Ganz normaler Alltag bei uns“
Die Lehrkraft beschreibt damit nach eigener Darstellung einen Alltag, in dem Konflikte und Gewalt einen großen Teil der Arbeit bestimmen. Der Bericht nennt außerdem Vandalismus und tägliche Straftaten als Vorwürfe aus dem Kollegium. Eine unabhängige Bestätigung jeder einzelnen Schilderung liegt in den bereitgestellten Angaben nicht vor.
Nach Angaben der Lehrkräfte werden Schüler jede Woche für mehrere Tage vom Unterricht ausgeschlossen. Im Durchschnitt gebe es bis zu sieben Klassenkonferenzen pro Woche. Daran nähmen Fachlehrkräfte, Eltern des betroffenen Schülers, der Schulelternbeirat und ein Sozialarbeiter teil, bevor ein mehrtägiger Schulausschluss ausgesprochen werden könne.
Die Wirkung dieser Maßnahmen werde von den Lehrkräften als begrenzt beschrieben. Viele gewalttätige Schüler ließen sich davon kaum beeindrucken. Einige würden den Ausschluss sogar begrüßen, weil sie dann offiziell nicht zur Schule kommen müssten. Auch das Interesse mancher Eltern an den Ausschlüssen sei nach Darstellung der Befragten gering.
Protest durch Krankmeldungen und Streit über Versetzungen
Ein Teil des Kollegiums reagierte auf die Situation mit Krankmeldungen. Bereits zum Schuljahresbeginn hätten sich zeitweise bis zu 15 Lehrkräfte an einem Tag krankgemeldet. Am Montag der zweiten Schulwoche waren es laut Bericht 17. Drei Lehrkräfte erklärten gegenüber dem SWR, sie wollten der Schule fernbleiben, solange der bisherige Schulleiter im Dienst bleibe und es keine wirksame Unterstützung durch Schulaufsicht und Ministerium gebe.
„So lange der Schulleiter im Dienst bleibt und es seitens der Schulaufsichtsbehörde und des Bildungsministeriums keine wirkliche Unterstützung gibt, bleiben wir der Schule fern“
Zusätzlichen Streit gibt es um zwei Vollzeitkräfte, die an eine andere Schule versetzt wurden. Lehrkräfte bezeichneten den Vorgang als „Zwangsversetzung“ und erklärten, die beiden Kollegen seien seit Jahrzehnten an der Karolina-Burger-Realschule plus tätig gewesen und hätten die Schule nicht verlassen wollen. Sie vermuteten außerdem, die Versetzungen könnten mit Beschwerden gegen die Schulleitung zusammenhängen.
Die ADD weist den Begriff zurück. Eine Sprecherin erklärte, die Behörde versetze niemanden „zwangsweise“. Zugleich habe das Land grundsätzlich die Möglichkeit, verbeamtete und angestellte Lehrkräfte aus dienstlichen Gründen an eine andere Schule in Rheinland-Pfalz zu versetzen. Warum die beiden Lehrkräfte konkret versetzt werden sollen, wurde laut Bericht nicht erklärt.
Ob die Versetzungen und der Protest zu den aktuellen Entscheidungen von ADD und Bildungsministerium beigetragen haben, ist damit nicht geklärt. Für Schülerinnen und Schüler, Eltern und das verbleibende Kollegium bleibt zunächst entscheidend, wie schnell die angekündigte Unterstützung greift und wie der Unterricht trotz der hohen Zahl an Krankmeldungen organisiert wird.