Ein bedeutender deutscher Gegenwartsautor ist beim Filmfestival in Ludwigshafen zu Gast: Ingo Schulze stellt am 1. September seinen Roman „Das Wasser im August“ vor. Die Lesung beginnt um 19 Uhr im Gesprächszelt, der Eintritt ist frei. Bereits um 18.40 Uhr wird Schulze am roten Teppich erwartet.

Moderiert wird der Abend von Michael Kötz. Für Besucherinnen und Besucher des Festivals bietet die Veranstaltung damit nicht nur eine Lesung, sondern auch die Gelegenheit, den Schriftsteller vor dem Gespräch am roten Teppich zu erleben.

„Das Wasser im August“: Ein Roman über Erinnerung und Verrat

Schulzes Roman steht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis und wird demnächst mit dem Uwe-Johnson-Preis ausgezeichnet. Im Zentrum stehen das Entstehen von Literatur, Zuneigung und Verrat in der DDR sowie eine „versteckte“ Liebesgeschichte.

Die Handlung setzt bei einer Einladung ein: Ein Schriftsteller erhält Post von der Frau eines früheren Mitschülers und soll in Mecklenburg bei einer Geburtstagslesung auftreten. Die Begegnung ist durch einen Verrat aus Jugendtagen belastet. Außerdem bringt der Erzähler eine fast fertige Novelle mit, die in der Nähe und in einer anderen Zeit spielt.

Der Roman bewegt sich auf mehreren Erzählebenen. Es geht um einen Ausflug nach Mecklenburg, um Schwierigkeiten beim Schreiben und um die Verbindung von Erinnerung und Fiktion. In der Novelle begleitet Schulze den 16-jährigen Thomas, der Schriftsteller werden möchte und in einem Sommer der späten DDR zwischen Selbstzweifel und Euphorie schwankt.

Zu den poetischen Momenten gehört die Erkenntnis, dass das Wasser im August weicher sei als im Juli. Auch das Schwimmen wird im Roman zum Bild für Freiheit. Die ausführliche, zwischen Zeiten und Ebenen wechselnde Erzählweise macht das Buch laut der Besprechung zugleich schwer greifbar und faszinierend.

Leise Töne statt politischer Abrechnung

Ingo Schulze gilt seit „Simple Storys“ aus dem Jahr 1998 als erzählerischer Beobachter des ostdeutschen Nachwendegefühls. Seit drei Jahren ist er zudem Präsident der Akademie für Sprache und Dichtung.

„Das Wasser im August“ sei keine vordergründige politische Aufarbeitung und kein Buch mit erhobenem Zeigefinger. Stattdessen lasse der Roman Raum für die leisen Stimmen des Alltags. Schulze interessiert nach eigener Aussage, wie sich der Blick auf die Vergangenheit im Laufe der Jahre verändert. Mit wachsendem Abstand erhielten historische Prozesse noch einmal ein anderes Gewicht.

Der Roman ist im S. Fischer Verlag in Frankfurt erschienen. Die Ausgabe umfasst 313 Seiten und kostet 26 Euro. Bei der Veranstaltung in Ludwigshafen steht damit ein Werk im Mittelpunkt, das persönliche Beziehungen, literarisches Schreiben und DDR-Erinnerung miteinander verbindet.