Die Flächen, die nach dem Rückbau der Hochstraße Nord frei werden, könnten Ludwigshafen städtebaulich deutlich verändern. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Ludwigshafen-Vorderpfalz sieht darin eine besondere Chance für die Stadt. Zugleich warnt der Verband davor, dass wichtige Ziele des Rahmenplans „Zukunftsquartiere Helmut-Kohl-Allee“ zu unverbindlich bleiben.
Der Rahmenplan wird vom VCD grundsätzlich als wichtiger Schritt für die Stadtentwicklung bewertet. Positiv hebt der Verkehrsclub mehrere Ansätze hervor: Der Friedenspark soll vergrößert und aufgewertet werden, Fuß- und Radverkehr sollen stärker berücksichtigt werden. Außerdem ist ein Mix aus Wohnen, Arbeiten und Geschäften vorgesehen. Ergänzt werden soll das Konzept durch sogenannte Mobility Hubs, an denen verschiedene Verkehrsangebote gebündelt werden können.
Aus Sicht des VCD reicht es allerdings nicht aus, diese Ziele lediglich im Rahmenplan zu nennen. Für Grünflächen, Klimaanpassung und Mobilität brauche es klare, überprüfbare und später verbindlich umsetzbare Vorgaben. Der Verband verbindet seine Forderungen mit der Erwartung, dass die frei werdenden Flächen nicht nach den Mustern der bisherigen Stadtplanung entwickelt werden.
VCD fordert dauerhaften Schutz für den Friedenspark
Besonders kritisch sieht der Verkehrsclub die mögliche weitere Bebauung entlang der künftigen Helmut-Kohl-Allee. Der Friedenspark wird im Rahmenplan nach Angaben des VCD selbst als wichtiger Bestandteil des Klimamanagements der Innenstadt beschrieben. Trotzdem fehle bislang eine verbindliche Festlegung, welche Größe der bestehende und der erweiterte Park dauerhaft haben sollen.
Der VCD fordert deshalb eine eindeutig abgegrenzte und zahlenmäßig festgelegte Mindestfläche. Innerhalb dieses Bereichs müsse eine spätere Bebauung ausgeschlossen werden. Nach Ansicht des Verkehrsclubs darf der Park nicht als Flächenreserve für spätere Bauprojekte behandelt werden. Das sei vor allem mit Blick auf zunehmende Hitzeperioden von Bedeutung.
„Ludwigshafen braucht angesichts zunehmender Hitzeperioden nicht weniger, sondern deutlich mehr Grün. Der Friedenspark darf deshalb keine Reservefläche für spätere Bebauung sein“, so Buchholz.
Auch die Freifläche entlang der Verbindung zwischen Europaplatz und Friedenspark beschäftigt den VCD. Nach den Vorstellungen des Rahmenplans könnte dieser heute vorhandene Freiraum teilweise bebaut werden. Der Verkehrsclub befürchtet, dass dadurch zusätzliche Flächen verdichtet und versiegelt werden. Eine solche Entwicklung widerspreche aus seiner Sicht dem Anspruch, zukunftsfähige Quartiere zu schaffen.
Mehr als Begriffe: Vorgaben für Hitze und Starkregen
Der VCD begrüßt, dass der Rahmenplan Grün-Blau-Netze, Frischluftkorridore und ein Regenwassermanagement vorsieht. Nach Auffassung des Verbands müssen diese Elemente jedoch durch konkrete Standards ergänzt werden. Genannt werden verbindliche Vorgaben für Entsiegelung, Begrünung, Baumpflanzungen, Versickerung und die Rückhaltung von Niederschlagswasser.
Damit soll die Planung nicht nur auf dem Papier grün wirken, sondern auch bei extremen Wetterlagen funktionieren. Für den VCD bedeutet klimaangepasste Stadtentwicklung, dass die neuen Quartiere sowohl mit hohen Temperaturen als auch mit Starkregen umgehen können. Der Verband verwendet dafür das Leitbild der Schwammstadt: Regenwasser soll möglichst vor Ort aufgenommen, gespeichert und genutzt oder kontrolliert versickert werden.
„Ein Zukunftsquartier muss auch bei 40 Grad und Starkregen funktionieren. Dafür brauchen wir eine echte Schwammstadt und nicht nur schöne Begriffe im Erläuterungsbericht“, sagt VCD-Vorstandsmitglied Dieter Netter.
Nach Ansicht des VCD sollten deshalb messbare Anforderungen festgelegt werden, bevor die weitere Planung fortschreitet. Dazu zählen aus Sicht des Verbands nicht nur zusätzliche Bäume und begrünte Bereiche, sondern auch ausreichend unversiegelte Flächen und funktionsfähige Wege für Frischluft sowie Regenwasser.
Mobility Hubs sollen mehr sein als Parkhäuser
Die geplanten Mobility Hubs bewertet der VCD grundsätzlich positiv. Der Verband warnt aber davor, die Einrichtungen lediglich als neu bezeichnete Parkhäuser zu planen. Sie müssten verschiedene umweltfreundliche Mobilitätsangebote tatsächlich miteinander verbinden.
Zu den vom VCD genannten Bestandteilen gehören Carsharing, das Teilen von Fahrrädern und Lastenrädern, sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sowie Ladeinfrastruktur. Zusätzlich müsse es eine direkte und barrierefreie Verbindung zum öffentlichen Verkehr geben. Ein Mobility Hub solle möglichst höchstens 100 bis 150 Meter von zentralen Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs entfernt liegen.
Auch die Verteilung solcher Angebote im Quartier ist für den Verkehrsclub entscheidend. Neben größeren Mobility Hubs fordert der VCD wohnortnahe Mobilitätspunkte, damit die Wege zu Sharing-Angeboten und zum öffentlichen Verkehr kurz bleiben. Die Einrichtungen sollen nach dem Verständnis des Verbands nicht nur dem Umstieg dienen, sondern den Alltag ohne eigenes Auto erleichtern.
Wohnbereiche weitgehend autofrei gestalten
Die im Rahmenplan vorgesehenen „verkehrsreduzierten Wohnstraßen“ gehen dem VCD nicht weit genug. Nach den Vorstellungen des Verkehrsclubs sollten Wohnhöfe und Wohnstraßen weitgehend autofrei gestaltet werden. Notwendige Stellplätze könnten an wenigen Mobilitäts- und Sammelstandorten gebündelt werden.
Damit verbindet der Verband eine grundsätzliche Neuverteilung des öffentlichen Raums. Die frei werdenden Flächen könnten zugunsten von Menschen, Bäumen, Fahrrädern und Grünflächen genutzt werden. Der VCD will vermeiden, dass mit den neuen Quartieren die Verkehrsprobleme der Vergangenheit fortgeschrieben werden.
Als übergeordnetes Leitbild schlägt der Verkehrsclub außerdem die „10-Minuten-Stadt“ vor. Wichtige Ziele des täglichen Lebens sollen demnach möglichst innerhalb von zehn Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sein. Dazu zählt der VCD den öffentlichen Verkehr, die Nahversorgung, soziale Infrastruktur, Grünflächen und Sharing-Angebote.
Auch die weitere Entwicklung des Straßenbahnnetzes müsse in der Planung berücksichtigt werden. Nach Ansicht des VCD sollten dafür mögliche Trassenkorridore und andere Entwicklungsmöglichkeiten offengehalten werden. So könnten spätere Erweiterungen des öffentlichen Verkehrs nicht durch heutige Bauentscheidungen erschwert oder verhindert werden.
VCD fordert Nachschärfung des Rahmenplans
In seiner zusammengefassten Forderung nennt der Verkehrsclub mehrere Punkte, die aus seiner Sicht verbindlich in die weitere Planung aufgenommen werden sollten: der dauerhafte Schutz des Friedensparks, Standards für Schwammstadt, Begrünung, Bäume und Entsiegelung, klar definierte und gut angebundene Mobility Hubs sowie wohnortnahe Mobilitätspunkte.
Außerdem verlangt der VCD autofreie oder zumindest deutlich autoreduzierte Wohnquartiere. Die Entwicklungsmöglichkeiten für Straßenbahn und Stadtbahn sollen gesichert werden. Übergeordnetes Ziel soll eine sozial gerechte, klimaresiliente und auf Fuß- sowie Radverkehr ausgerichtete 10-Minuten-Stadt sein.
Der VCD Ludwigshafen-Vorderpfalz wurde 1992 gegründet. Nach Angaben des Beitrags setzt sich der Kreisverband in Ludwigshafen, Frankenthal, Speyer und im Rhein-Pfalz-Kreis für umweltfreundliche, sichere und sozial gerechte Mobilität ein. Zu seinen Themen gehören Fuß- und Radverkehr, öffentlicher Verkehr, Carsharing und eine lebenswerte Stadtentwicklung.
Öffentlicher Mobilitätsstammtisch im September
Die weitere Diskussion über nachhaltige Mobilität kann beim nächsten öffentlichen Mobilitätsstammtisch des VCD fortgesetzt werden. Das Treffen ist für den 17. September 2026 um 19 Uhr in der Gaststätte des ASV in der Saarlandstraße 60 angekündigt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sollen sich über die E-Mail-Adresse [email protected] anmelden.
Eine Stellungnahme der Stadt Ludwigshafen oder anderer am Rahmenplan beteiligter Akteure ist im vorliegenden Beitrag nicht enthalten. Die hier dargestellten Forderungen und Bewertungen geben daher die Position des VCD Ludwigshafen-Vorderpfalz wieder.