Die Hauptweinlese 2026 hat in der Pfalz begonnen – so früh wie selten. Während rund um Neustadt bereits seit mehr als einer Woche gelesen wird, warten Winzerinnen und Winzer in der Südpfalz noch auf den richtigen Zeitpunkt. Der heiße und trockene Sommer bringt gesunde Trauben mit guter Qualität, verringert aber voraussichtlich die Erntemenge. Die Entwicklung ist auch für die Region Ludwigshafen und die Vorderpfalz relevant, deren Bewohnerinnen und Bewohner über das SWR-Studio Ludwigshafen mit Nachrichten aus der Pfalz versorgt werden.

Der SWR hat für seine Reportage Winzer in Weinbergen und Kellern besucht. Im Mittelpunkt stehen der frühe Lesestart, der Trockenstress durch den Hitzesommer und die Frage, wie die Betriebe mit einem schwächeren Weinkonsum umgehen.

Rund um Neustadt läuft die Lese bereits

Der erste Besuch führte nach Neustadt-Hambach zum Weingut Naegele. Dort war die Hauptweinlese am 26. August 2026 bereits seit über einer Woche im Gang. Eva Bonnet vom Weingut beschreibt den Start als ungewöhnlich früh. Seit mehreren Tagen werde rund um Neustadt gelesen.

Für die Qualität der Trauben hatte die Hitze zunächst positive Folgen. Nach Angaben der Winzerin waren die Reben besonders gesund: Fäulnis und Pilzkrankheiten seien nicht aufgetreten, außerdem habe es kaum Insektenfraß gegeben. Die Weinreben kämen allgemein gut mit den hohen Temperaturen zurecht.

Das fehlende Wasser wirkt sich jedoch auf die Größe der Trauben aus. Weil es im Sommer nur wenig geregnet hat, hatten die Reben zu wenig Wasser. Dadurch seien die Trauben kleiner, weshalb die Erntemenge geringer ausfallen werde. Bonnet fasst die widersprüchliche Lage als „Ein Jahrgang mit lachendem und weinendem Auge“ zusammen.

In der Südpfalz entscheidet der richtige Zeitpunkt

Auf dem Weg nach Landau machte das SWR-Team in Rhodt unter Rietburg Halt. Dort dauert es noch einige Tage bis zum Beginn der großen Hauptweinlese. Im Vergleich zu Neustadt habe es in der Gegend etwas mehr geregnet; die Trauben seien deshalb noch nicht vollständig bereit.

Felix Waldkirch begann zunächst mit der Ernte von Trauben für Traubensaft. Die ersten Trauben wurden gelesen und direkt auf dem Weingut verarbeitet. In Behältern mit Trockeneis werden sie gekühlt, damit sie nicht gären. Die Kelterung findet ebenfalls unmittelbar auf dem Weingut Waldkirch statt.

Mit der eigentlichen Hauptweinlese will Waldkirch erst in der folgenden Woche beginnen. Die aktuelle Phase sei kritisch, weil genau beobachtet werden müsse, wann die Trauben reif sind. Den richtigen Moment dürfe man nicht verpassen.

Gute Qualität trifft auf einen schwierigen Markt

Die Winzer freuen sich darauf, die Arbeit eines ganzen Jahres einzubringen. Die sehr gute Traubenqualität in diesem Jahr steht allerdings einer anhaltenden Absatzkrise gegenüber. Die Nachfrage nach Wein sinkt laut dem Bericht seit mehreren Jahren.

Zum Abschluss der Tour besuchte das SWR-Team Boris Kranz in Ilbesheim bei Landau. Kranz ist erster Vorsitzender des Pfalzwein e.V. Als Gründe für die Krise nennt er eine älter werdende „Haupttrinkerschaft“, die weniger Alkohol konsumieren könne oder wolle, sowie einen Gesundheitstrend, der Alkohol generell kritischer sehe. Kampagnen in Medien und Politik richteten sich nicht nur gegen hochprozentige Getränke, sondern träfen auch Wein als kulturelles Genussmittel.

„Wir haben eine gewisse Zurückhaltung, was Alkoholkonsum angeht.“

Neben dem Druck auf dem Inlandsmarkt erschwerten laut Kranz auch Zölle und weitere Handelshürden den Export. Trotzdem stehe die Pfalz im Vergleich weiterhin gut da. Die Region profitiere vom Tourismus und von der hohen Qualität ihrer Weine. Bei Verkostungen im In- und Ausland liege sie im Fokus und ziehe viele Besucherinnen und Besucher an.

Kranz bleibt deshalb trotz der Schwierigkeiten optimistisch. Wenn das Anbaugebiet attraktiv bleibe, die Qualität hochgehalten und professionell kommuniziert werde, könne die Pfalz auch künftig eine Rolle am Markt spielen. Langfristig dürften die Rebflächen nach seiner Einschätzung jedoch eher schrumpfen als wachsen.

Viele Betriebe suchen bereits nach zusätzlichen Standbeinen. In der Südpfalz experimentieren einige Winzer mit neuen Getränken, darunter alkoholfreie oder ungewöhnlich zusammengesetzte Produkte. Der Bericht verweist außerdem auf Sorgen über sinkende Verkaufspreise, steigende Produktionskosten und Initiativen für die Zukunft des deutschen Weinbaus.