Handys sollen an Schulen in Rheinland-Pfalz künftig bis zur elften Klasse verboten sein. Eine Schule in Ludwigshafen geht laut SWR-Bericht bereits jetzt voran: Das Carl-Bosch-Gymnasium Ludwigshafen wird als Beispiel für eine Schule genannt, an der ein Handyverbot schon erprobt wird.

Welche konkreten Klassen betroffen sind, seit wann die Regel gilt und wie die Schule die Vorgabe im Detail umsetzt, geht aus dem vorliegenden Bericht allerdings nicht hervor. Auch Ergebnisse oder Stellungnahmen von Schülerinnen und Schülern des Ludwigshafener Gymnasiums werden darin nicht wiedergegeben.

Studie in Neustadt soll Folgen untersuchen

Im Mittelpunkt des Berichts steht ein wissenschaftliches Experiment der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU) in Landau. Dafür sollen fünf Klassen einer Schule in der Pfalz über zwei Jahre begleitet werden. Zwei dieser fünf Klassen dürfen während dieser Zeit kein Handy besitzen beziehungsweise nutzen – weder in der Schule noch zu Hause.

Als Versuchsschule wurde das Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium in Neustadt ausgewählt. Die Idee für handyfreie Klassen kam aus der Schule selbst und soll wissenschaftlich begleitet werden. Ein Ausgangspunkt war nach Angaben des Studienleiters Dr. Roland Gimmler die Beobachtung, dass Lehrkräfte sich stärker auf den Unterricht konzentrieren könnten, wenn sie nicht ständig Smartphones im Klassenraum kontrollieren müssten.

„Einer der Ausgangspunkte war, dass die Lehrer sich mehr aufs Unterrichten konzentrieren können als ständig im Kontrollmodus zu sein - wegen der Smartphones im Klassenzimmer“

Gimmler erwartet jedoch nicht automatisch, dass Klassen ohne Mobiltelefone am Ende konzentrierter oder aufmerksamer sind. Ein entsprechendes Ergebnis würde ihn nach eigener Aussage überraschen.

Konzentration, Cybermobbing und Lebenszufriedenheit

Die Forschenden wollen regelmäßig und anonymisiert Daten erheben. Untersucht werden soll unter anderem, wie sich die Konzentrationsfähigkeit entwickelt, ob Fälle von Cybermobbing auftreten und welchen Einfluss eine handyfreie Zone auf die Klassengemeinschaft hat.

Auch die Lebenszufriedenheit der Kinder gehört zu den offenen Fragen. Die ersten Befragungen von Kindern und Eltern sollen im September beginnen. Ob sich die Gruppen nach den zwei Jahren unterscheiden, soll die Untersuchung zeigen.

Der Studienleiter warnt zugleich vor einer einfachen Bewertung des Smartphones. Ein Handy könne im Unterricht ablenken oder stören, aber auch sinnvoll eingesetzt werden. Als Beispiel nennt der Bericht Schülerinnen und Schüler, die künstliche Intelligenz zur Vorbereitung auf das Abitur als Lernpartner nutzen.

„Am Ende hänge es davon ab, was man mit dem Handy macht“

Für Ludwigshafener Familien bleibt damit zunächst vor allem offen, welche Erfahrungen das Carl-Bosch-Gymnasium mit seinem früheren Versuch macht. Der SWR-Beitrag nennt dazu keine veröffentlichten Untersuchungsergebnisse. Die RPTU-Studie in Neustadt soll dagegen über zwei Jahre hinweg Daten liefern und die Folgen des vollständigen Handyverzichts genauer beleuchten.