Wer in Ludwigshafen oder der Vorderpfalz derzeit eine ungewöhnlich große Fangschrecke entdeckt, muss nicht sofort erschrecken: Gottesanbeterinnen breiten sich in der Region weiter aus. Nach Angaben der NABU-Gruppe in Landau wurden in Rheinland-Pfalz in diesem Jahr bislang 688 Tiere gemeldet. Im vergangenen Jahr waren es 49 Meldungen.
Der starke Anstieg bedeutet nach Einschätzung des Naturschutzbundes nicht, dass die Tiere plötzlich gefährlicher geworden sind. Gottesanbeterinnen mögen Wärme und breiten sich nach Angaben des NABU im Zuge des Klimawandels in Deutschland weiter aus. Auch wenn die Tiere auffällig groß wirken können, stellen sie für Menschen keine Gefahr dar.
Warum die Tiere jetzt besonders auffallen
Im August sind Gottesanbeterinnen vor allem auf Partnersuche. Außerdem haben die Weibchen zu dieser Zeit bereits eine beachtliche Größe erreicht: Sie können bis zu acht Zentimeter lang werden. Die Männchen bleiben etwas kleiner.
Ihren Namen verdanken die Tieren ihrer typischen Körperhaltung. Die Fangbeine sind häufig angewinkelt und erinnern dadurch an betende Hände. Auf der Speisekarte stehen vor allem kleinere Insekten. Bekannt sind die Tiere außerdem für ihr außergewöhnliches Paarungsverhalten: Nach der Paarung kann das Weibchen das Männchen verspeisen. Dieses Verhalten wird als sexueller Kannibalismus bezeichnet.
Trotz ihrer Größe sind Gottesanbeterinnen nicht leicht zu finden. Sie bewegen sich langsam, sind gut getarnt und kommen in einem breiten Spektrum von Grün- und Brauntönen vor. Im Freien können sie dadurch leicht zwischen Pflanzen und trockener Vegetation verborgen bleiben.
Gottesanbeterin in der Wohnung: So sollten Bewohner handeln
Besonders deutlich wird das Tier, wenn es an einer weißen Wand oder Tapete sitzt. Für diesen Fall rät der NABU, Ruhe zu bewahren. Die Gottesanbeterin besitzt keinen Giftstachel und kann nicht beißen.
Bewohner können ein Blatt Papier verwenden und das Tier darauf krabbeln lassen. Alternativ lässt sich vorsichtig ein großes Glas über die Fangschrecke stülpen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht verletzt wird. Anschließend kann man sie zunächst in Ruhe betrachten und danach an einem geschützten Ort vorsichtig wieder aussetzen.
Eine Sichtung kann außerdem für die Forschung hilfreich sein. Der Naturschutzbund bittet darum, Gottesanbeterinnen möglichst über nabu-naturgucker.de zu melden – wenn möglich mit einem Foto. Über das Meldesystem dokumentiert der NABU, wie sich die Art im Land ausbreitet.