Aus gereinigtem Abwasser der BASF-Kläranlage bei Frankenthal soll künftig klimafreundliche Fernwärme entstehen. Die Stadt Frankenthal und die Stadtwerke Frankenthal haben dazu einen Vertrag geschlossen, in dem sie ihre Zusammenarbeit bei der Wärmeversorgung öffentlicher Gebäude festhalten. Beteiligt ist auch die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL). Für Ludwigshafen ist das Vorhaben deshalb relevant, weil der örtliche Energieversorger gemeinsam mit Frankenthal und BASF an dem Projekt arbeitet.

Vorgesehen ist, Schulen, Kindertagesstätten, Sporthallen, Verwaltungsgebäude und das Frankenthaler Rathaus künftig an das Fernwärmenetz anzuschließen. Nach Angaben der Stadt Frankenthal liegt der jährliche Wärmebedarf dieser Gebäude zusammen bei rund 9,75 Millionen Kilowattstunden. Welche Einrichtungen tatsächlich angeschlossen werden können, soll zunächst technisch und wirtschaftlich geprüft werden. Besonders infrage kommen Gebäude, deren Heizungen ohnehin veraltet sind.

Mehrere Schritte bis zur ersten Wärme

Damit die Wärme aus dem gereinigten Abwasser genutzt werden kann, muss zunächst eine Großwärmepumpe an der BASF-Kläranlage gebaut werden. Sie soll die im Abwasser enthaltene Wärme auf ein für die Heizung geeignetes Niveau bringen. Anschließend müssen Leitungen zwischen der Anlage und Frankenthal verlegt werden. Als weiterer Schritt folgt der Anschluss geeigneter Gebäude an das Fernwärmenetz.

Die Arbeiten an der Kläranlage sollen voraussichtlich 2027 beginnen. Parallel ist die Planung der Fernwärmeleitungen vorgesehen. Der Bau des Netzes soll im kommenden Jahr starten. Ziel der Projektpartner ist es, erste Straßen und Häuser in Frankenthal bis Ende 2029 an das Netz anzuschließen. Laut Stadt könnten voraussichtlich 2029 auch die ersten Haushalte mit Wärme aus dem gereinigten Abwasser versorgt werden.

Entscheidung über Investitionen steht noch aus

Wie viel in das Projekt investiert wird, soll bis zum Jahresende entschieden werden. Offen ist außerdem, wie teuer der Aufbau des Fernwärmenetzes wird und welchen Preis die Wärme später für Haushalte haben wird. Auch die Zahl der Bürgerinnen und Bürger, die bislang Interesse an einem Anschluss bekundet haben, ist noch nicht bekannt.

Wer sich für einen möglichen Anschluss interessiert, kann sich nach Angaben der Stadtwerke auf deren Internetseite eintragen. Dort ist außerdem dargestellt, welche Bereiche zuerst erschlossen werden könnten. Eine endgültige Festlegung der Anschlussgebiete gibt es damit noch nicht.

Große Kläranlage als Wärmequelle

Die BASF-Kläranlage liegt auf Frankenthaler Gemarkung. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um das größte Industrieklärwerk Deutschlands. Dort werden jährlich fast 100 Millionen Kubikmeter Produktionsabwässer der BASF behandelt. Weitere 20 Millionen Kubikmeter stammen aus Ludwigshafen und Frankenthal sowie aus Bobenheim-Roxheim.

Nach Unternehmensangaben könnte die Anlage insgesamt bis zu 18.000 Haushalte mit Fernwärme versorgen. Das jetzt geplante Projekt ist Teil der Zusammenarbeit zwischen den Stadtwerken Frankenthal, den Technischen Werken Ludwigshafen und BASF. Welche Rolle Ludwigshafen bei möglichen weiteren Anschlüssen oder Ausbaustufen spielen wird, geht aus den bisher vorliegenden Angaben nicht hervor.