Auf der Parkinsel in Ludwigshafen ist der Rhein Ende September kaum wiederzuerkennen. Die Vegetation am Ufer ist vertrocknet, das Kiesbett wirkt deutlich breiter als sonst – an manchen Stellen tauchen sogar kleine Sandinseln auf. Wo normalerweise Wasser steht, liegt der Flussgrund offen. Für viele Anwohner und Spaziergänger ist dieser Anblick nicht nur ungewöhnlich, sondern beunruhigend.

Am Pegel Kaub, dem wichtigsten Messpunkt für den Wasserstand des Rheins am Mittelrhein, wurde für Ludwigshafen ein Stand von einem Zentimeter gemeldet. Am Sonntag sank der Pegel zeitweise sogar auf minus zwei Zentimeter. Der Wert liegt damit deutlich unter dem bisherigen Extrem von 2018: Damals wurden 25 Zentimeter gemessen.

Parkinsel: Anwohner sorgen sich um die Zukunft

Menschen, die seit Jahrzehnten auf der Parkinsel spazieren gehen, schwimmen oder mit ihren Hunden unterwegs sind, sagen, eine solche Situation noch nie erlebt zu haben. Viele reagieren verunsichert. Ein Mann fasste seine Eindrücke mit den Worten zusammen: „Ich liebe die Sonne, aber das ist zu viel.“ Andere beschrieben die Lage als „deprimiert“, „geschockt“ oder „katastrophal“. Eine Frau sprach von „Angst um die Zukunft“.

Hinter der Sorge steht auch die Frage, welche Folgen der Klimawandel für die Region haben kann. Ein älterer Mann bezeichnete das Niedrigwasser als „Spiegelbild der Gesellschaft“ und forderte mehr Schutz für die Natur. Andere Passanten blicken vor allem auf die wirtschaftlichen Konsequenzen. Sie befürchten, dass Waren teurer werden könnten, wenn Transporte vom Wasser auf die Straße oder die Schiene verlagert werden müssen.

Rhein-Schifffahrt kommt an Grenzen

Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz ist die Binnenschifffahrt bei einem Pegelstand von weniger als 40 Zentimetern wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll möglich. Kohle, Grundstoffe für die chemische Industrie und Raffinerie-Produkte könnten derzeit nicht mehr in ausreichenden Mengen über den Rhein transportiert werden. Straße und Schiene könnten den Ausfall nur teilweise auffangen.

Die Größenordnung macht eine Sprecherin der IHK deutlich: „Ein Binnenschiff ersetzt bis zu 150 Lastwagen. Allein an dieser Größenordnung erkennt man, dass die Wasserstraße eine wirtschaftlich unersetzbare Verkehrsader ist.“ Die IHK rechnet deshalb allgemein mit steigenden Preisen und höheren Transportkosten.

Beim letzten extremen Niedrigwasser im Jahr 2018 belief sich der volkswirtschaftliche Schaden auf 2,4 Milliarden Euro. Seitdem haben Unternehmen unter anderem in Niedrigwasserschiffe investiert und sich besser vorbereitet. Weil die Pegel in diesem Jahr jedoch noch niedriger sind, erwartet die IHK erneut einen wirtschaftlichen Schaden in Milliardenhöhe. Selbst spezielle Schiffe für niedrige Wasserstände geraten inzwischen an ihre Grenzen.

Rheinfähre zwischen Altrip und Mannheim eingestellt

Betroffen sind auch Menschen, die regelmäßig zwischen Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg pendeln. Die Rheinfähre zwischen Altrip und Mannheim stellte ihren Betrieb am 24. September bis auf Weiteres ein. Ein Termin für die Wiederaufnahme war zunächst nicht bekannt. Die Verbindung gilt eigentlich als besonders für Niedrigwasser geeignet.

Auch insgesamt sind deutlich weniger Schiffe auf Deutschlands meistbefahrenem Fluss unterwegs. An der Schleuse in Iffezheim im baden-württembergischen Landkreis Rastatt zählte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oberrhein zuletzt 20 bis 30 Schiffe pro Tag. Üblicherweise sind es drei- bis viermal so viele.

Zwischen Mainz und Iffezheim wird nach Angaben des Amts unter anderem mit Baggern dafür gesorgt, dass eine Fahrrinne von mindestens 1,10 Metern erhalten bleibt. Trotzdem wird die Lage als gravierend eingeschätzt. Wie tief der Rhein bei Ludwigshafen genau ist, lässt sich laut Schifffahrtsamt nicht bestimmen.

Für Donnerstag war Regen angekündigt. Ob die erwarteten Niederschläge ausreichen, um die Situation nachhaltig zu verbessern, blieb offen. Zugleich verwies der Bericht auf ein weiteres Risiko: Bei möglichem Starkregen stellt sich die Frage, ob Keller trocken bleiben. Der Rhein zeigt damit derzeit die Gegensätze extremer Wetterlagen besonders deutlich.