Traudl Nierlich ist 74 Jahre alt und hat in Ludwigshafen offenbar wenig Zeit für Langeweile: Jeden Dienstag gibt sie im Heinrich Pesch Haus ehrenamtlich Deutschunterricht für Geflüchtete, daneben engagiert sie sich in weiteren Projekten. Ein Alltag, der ihr Struktur gibt und dabei hilft, Einsamkeit zu vermeiden.
Gerade überlegt Nierlich, sich an einem neuen Angebot zu beteiligen. Das Projekt „Dasein zählt“ soll im Oktober im Heinrich Pesch Haus starten und Alleinerziehende sowie Familien mit kleinen Kindern unterstützen. Ob sie zusätzlich mitmachen kann, weiß die 74-Jährige noch nicht. Ihren Kalender füllt bereits ein umfangreiches Ehrenamt.
Deutschunterricht im Heinrich Pesch Haus
Der Deutschunterricht ist bewusst niedrigschwellig angelegt: Jeder, der möchte, kann kommen. Im Mittelpunkt steht die Konversation. Bei einem Termin saß Nierlich mit zwei Bulgarinnen und einer Ukrainerin zusammen. Gemeinsam übten sie, wie sich die Frauen auf Deutsch beschreiben und über ihre Familien sprechen können.
Die Teilnehmerinnen besuchen zusätzlich die offiziellen Deutschkurse. Nierlich vermittelt ihnen im Heinrich Pesch Haus vor allem Grundlagen und Gelegenheit, das Sprechen im Alltag zu üben. Außerdem unterrichtet sie nebenbei einen afghanischen Jungen.
Auch im „World Café“ der Stadt kommt Nierlich mit Menschen aus anderen Ländern ins Gespräch. Nach Angaben des SWR übernimmt sie praktisch jeden Tag eine ehrenamtliche Aufgabe. Das Engagement ist für sie nicht nur Hilfe für andere, sondern auch eine Möglichkeit, selbst in Kontakt zu bleiben.
Ehrenamt als Schutz vor Einsamkeit
Nierlich lebt in einem betreuten Wohnhaus. Ihr Mann starb vor sieben Jahren, einer ihrer Söhne bereits vor 20 Jahren; ihr anderer Sohn lebt mit seiner Familie in den USA. Ohne das betreute Wohnhaus wäre sie nach eigener Einschätzung allein. Das Ehrenamt gibt ihr deshalb eine feste Tagesstruktur und hilft ihr, sich weniger einsam zu fühlen.
Für Nierlich gehört Engagement schon fast ihr ganzes Leben dazu. Als ihre eigenen Kinder klein waren, konnte sie nicht arbeiten gehen, weil ihr Mann genug für die Familie verdiente. Stattdessen engagierte sie sich unter anderem beim Kinderschutzbund und bei der „Nummer gegen Kummer“.
Ihre Motivation beschreibt sie als etwas, das sie der Gesellschaft zurückgeben möchte. Zugleich interessiert sie sich für die Lebensgeschichten anderer Menschen. Gerade diese Begegnungen und unterschiedlichen Biografien empfindet sie als bereichernd.
Weitere Angebote in Ludwigshafen und der Pfalz
Auch andernorts entstehen Projekte, die Menschen zusammenbringen. In Landau vermittelt das „Türöffner“-Projekt Personen, die eine Beschäftigung suchen, an Menschen, die Unterstützung brauchen, etwa Rentnerinnen und Rentner. Nach drei Jahren gibt es dort 30 Tandems.
Die Sozialpädagogin Susanne Poerschke, die das Projekt nach Landau geholt hat, beobachtet nach dem Bericht eine zunehmende Einsamkeit in der Gesellschaft, auch bei jungen Menschen. Seit der Corona-Zeit sei das Einsamkeitsgefühl gewachsen. Häufig fehle Betroffenen jedoch die Idee, wo sie Hilfe oder Kontakte finden könnten.
In Ludwigshafen bestehen neben ehrenamtlichen Tätigkeiten auch Möglichkeiten für Begegnungen. Es gibt Seniorentreffs. In der Seniorenresidenz Maudach treffen sich Bewohnerinnen und Bewohner mit Besucherinnen und Besuchern jeden Mittwochnachmittag zum Bingo. Das Angebot sei besonders beliebt und helfe gegen Einsamkeit.
Der Bericht von SWR Aktuell wurde am 27. August 2026 um 7:29 Uhr veröffentlicht. Er zeigt an mehreren Beispielen aus der Pfalz, dass freiwilliges Engagement nicht nur Unterstützung organisiert, sondern auch neue soziale Verbindungen schaffen kann.