Gaby Schumann lebt seit 53 Jahren in Ludwigshafen und kennt die Stadt aus langer persönlicher Erfahrung. Die ehemalige Münchnerin kam im Alter von 19 Jahren nach Ludwigshafen, nachdem sie ihren späteren Mann kennengelernt hatte. Heute wohnt sie in der Ebertsiedlung in Friesenheim – und widerspricht entschieden dem verbreiteten Bild einer Stadt, die vor allem mit Problemen verbunden wird.
Das Wochenblatt Reporter veröffentlichte das Porträt am 13. August 2026. Darin schildert Schumann, warum sie Ludwigshafen auch im Vergleich mit anderen Großstädten positiv bewertet. Sie war nach ihrer Rente viel unterwegs und besuchte unter anderem Paris, Dresden und Frankfurt. Aus diesen Eindrücken zieht sie den Schluss, dass viele Themen, die in Ludwigshafen besonders stark wahrgenommen werden, keineswegs nur dort vorkommen.
Parks, Rheinufer und besondere Stadtviertel
Zu den Stärken Ludwigshafens zählt Schumann die großen Grünanlagen. Sie nennt den Ebertpark, das Maudacher Bruch und die Parkinsel. Auch das Rheinufer, öffentliche Plätze und Straßenzüge mit besonderer Architektur gehören für sie zu den Orten mit Aufenthaltsqualität. Dabei verweist sie ausdrücklich auf Bereiche in Süd, Friesenheim und Nord.
„Das alles trifft überhaupt nicht zu. Wir haben so viele schöne, große Parks, den Ebertpark, das Maudacher Bruch, die Parkinsel.“
Schumann hält auch die Größe Ludwigshafens für einen Vorteil. Die Stadt verbinde unterschiedliche Lebensbereiche: In mehreren Stadtteilen, die früher Vororte waren, könne man ruhig und vergleichsweise grün wohnen, ohne weit vom Zentrum entfernt zu sein. Als Beispiel nennt sie Oggersheim. Dort habe sie mit ihrem Mann zunächst am Ortsrand gelebt und die Verbindung aus Ruhe, Erholung und Nähe zum städtischen Leben erlebt.
Zum Konzept einer Stadt der kurzen Wege gehört für sie der öffentliche Nahverkehr. Nach ihrer Einschätzung sind die Stadtteile gut erreichbar. Den Mannheimer Hauptbahnhof erreicht sie nach eigener Aussage in etwa 20 Minuten; dort bestehen Anschlüsse an den ICE-Fernverkehr. Für Schumann ist diese Verbindung ein wichtiger Teil der Alltagstauglichkeit Ludwigshafens.
Wohnkosten und berufliche Verbindung zur Stadt
Auch die Kosten für Wohnen und Lebenshaltung prägen Schumanns Blick auf Ludwigshafen. Als sie aus München kam, fielen ihr nach eigener Darstellung die niedrigeren Preise für Miete, Kultur und Gastronomie auf. Für ihre Wohnung zahlt sie nach eigenen Angaben 700 Euro warm. Für eine vergleichbare Wohnung in München wären es ihrer Einschätzung nach 1.800 Euro. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG halte die Mietpreise niedrig, sagt sie.
Schumann ist zudem beruflich mit wichtigen Bereichen der Stadt verbunden. Sie arbeitete als Industriekauffrau bei BASF und später bei der städtischen Verkehrsüberwachung. Ihre positive Einschätzung bezieht sich deshalb nicht nur auf einzelne Orte, sondern auch auf Erfahrungen aus mehreren Jahrzehnten in Ludwigshafen.
Die Ebertsiedlung als grüner Wohnort
In der Ebertsiedlung wohnt Schumann mit Blick auf einen grünen Innenhof. Sie beschreibt das Wohngefühl als besonders angenehm und hebt das Verhältnis unter den Nachbarn hervor. Der Kontakt sei locker und typisch nachbarschaftlich. Gerade aus diesem alltäglichen Miteinander entstünden nach ihrer Einschätzung Respekt, Wohnidentität und Netzwerke im Quartier.
Die denkmalgeschützte Wohnsiedlung stammt aus der Zeit des Neuen Bauens. Zum Ebertpark hin öffnet sie sich mit einem Halbrund. Die Anlage ist klar gegliedert und schmucklos gestaltet. Fensterbänder, senkrechte Fenster zur Belichtung der Treppenhäuser und markante Ecktürme prägen das Erscheinungsbild. Durch die Siedlung verläuft die Ebertstraße als zentrale Allee. Pfeiler an den Seiteneingängen erinnern an den Monumentalstil; die Türme besitzen Fenster mit Eckknick.
Besonders auffällig sind die parkähnlichen Innenhöfe. Einer der Höfe verfügt über einen Seerosenteich. Nach Angaben Schumanns wurde die Ebertsiedlung 2011 durch die GAG, die Eigentümerin der Anlage, für 35 Millionen Euro grundsaniert. Der Beitrag beschreibt die Siedlung als Ort, mit dem sich viele Ludwigshafener identifizieren – vor allem Bewohnerinnen und Bewohner, die dort seit vielen Jahren oder sogar seit Jahrzehnten leben.
Zur Wohnqualität gehören laut dem Beitrag gut ausgestattete Wohnungen und energetisch ertüchtigte Gebäude. Die energetische Ausstattung wird im Zusammenhang mit der Sanierung Anfang der 2000er-Jahre genannt. Hinzu kommen die unmittelbare Nähe zum Ebertpark, die Straßenbahnanbindung und die zentrale Lage innerhalb Friesenheims. Für die Bewohner bedeutet das: ruhiges und grünes Wohnen, ohne auf kurze Wege verzichten zu müssen.
„Andere Städte sind genauso zugebaut“
Schumann bestreitet nicht, dass Ludwigshafen mit Baustellen, Hitze, dicht bebauten Bereichen und dem Rückzug von Geschäften umgehen muss. Sie hält diese Themen jedoch nicht für ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt. Infrastruktur, die in den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden ist, müsse heute in vielen deutschen Städten saniert werden. Deshalb gebe es vielerorts Baustellen.
„Was in Ludwigshafen überbetont wird, gibt es überall.“
Als Vergleich nennt Schumann andere Städte. Auch Speyer habe mit Hitze zu kämpfen; der historische Stadtkern sei ebenfalls belastet. Über Karlsruhe erstrecke sich in zentralen Vierteln eine Hitzeglocke, obwohl Ludwigshafen mit Ebertpark, Maudacher Bruch und Parkinsel große Grünräume besitze. Den Rückzug des Einzelhandels beobachtet sie nicht nur in Ludwigshafen, sondern beispielsweise auch in Mannheim. Paris wiederum sei in Teilen stark vermüllt und müsse täglich vom Abfall von Touristen und Passanten gereinigt werden.
„Andere Städte sind genauso zugebaut und haben mit Hitze zu schaffen.“
Die im Beitrag beschriebene Debatte über das sogenannte Dauermeckern verbindet Schumann mit einer allgemein pessimistischen Grundstimmung. Sie empfiehlt stattdessen, stärker auf das zu achten, was im Alltag funktioniert. Annehmen und Dankbarkeit könnten Wege zu mehr Zufriedenheit und Glück sein. Die Menschen sollten sich bewusst machen, dass es ihnen vielfach besser gehe als in den Nachkriegsjahrzehnten.
Kultur, Veranstaltungen und ein persönliches Fazit
Zu den positiven Seiten der Stadt zählt Schumann auch das Kultur- und Freizeitleben. Sie nennt das Theater, gute Lokale und Veranstaltungen im Ebertpark. Dort finde unter anderem eine italienische Nacht statt. Das Turmrestaurant sei sehr gut besucht und der Park dadurch belebt. Im Beitrag wird außerdem ein Auftritt von Bülent in der Eberthalle im Herbst angekündigt.
Der Text ordnet die negative Wahrnehmung Ludwigshafens zudem in die Wirkung sozialer Medien ein. Nach der Darstellung des Beitrags verbreiten sich negative Nachrichten emotionaler, werden häufiger kommentiert und öfter geteilt. Dadurch könne sich der Blick auf eine Stadt zunehmend auf Missstände verengen. Der Beitrag thematisiert außerdem politische Akteure, automatisierte Kommentare und bots als mögliche Verstärker solcher Stimmungen. Diese Einschätzungen werden im Ausgangstext allgemein dargestellt und nicht mit konkreten Einzelfällen aus Ludwigshafen belegt.
Schumanns persönliches Urteil über ihre Wahlheimat bleibt dennoch eindeutig:
„Ich fühle mich seit 53 Jahren in Ludwigshafen sehr gut aufgehoben.“
Sie habe sich nach ihrem Umzug schnell wohlgefühlt, viele Menschen kennengelernt und immer wieder neue Bekanntschaften gemacht. Die Ebertsiedlung steht für sie beispielhaft für eine Stadt, die sich verändert, aber weiterhin grüne Räume, Nachbarschaft, Kultur und kurze Wege miteinander verbinden kann. Ihr Appell an die Bewohner lautet, die Vorteile der eigenen Stadt wieder stärker wahrzunehmen, statt Ludwigshafen ausschließlich über seine Probleme zu definieren.