Ludwigshafen – Bischof Karl-Heinz Wiesemann zieht sich aus seinem Amt zurück. Am Tag nach dem Bekanntwerden seiner Entscheidung sprach er offen über die Gründe: Ihm fehlen die Kräfte, die das Amt von ihm verlangt.

Die Offenheit über die eigene Belastungsgrenze ist der zentrale Punkt der Einordnung. Der Rücktritt wird nicht als Zeichen persönlicher Schwäche dargestellt. Vielmehr verdient es nach der Bewertung der DIE RHEINPFALZ Respekt, wenn ein Amtsinhaber anerkennt, dass seine Kräfte für die Aufgabe nicht mehr ausreichen.

Eine ungewöhnlich direkte Begründung

Ein Rücktritt, der ausdrücklich mit fehlender Kraft für das eigene Amt begründet wird, ist nach Einschätzung des Kommentars ungewöhnlich. Die Frage, wann es einen vergleichbaren Schritt zuletzt gegeben habe, führt dort zu Matthias Platzeck.

Platzeck legte 2006 sein Amt als SPD-Vorsitzender nieder. Als Grund wird in der Quelle genannt, dass er erkannt hatte, diese Aufgabe gehe über seine Kräfte. Der Vergleich stellt Wiesemanns Entscheidung in einen politischen und gesellschaftlichen Zusammenhang: Auch außerhalb der Kirche gab es bereits einen prominenten Fall, in dem die eigene Belastungsgrenze offen benannt wurde.

Rückzug ohne Beschönigung

Für die Einordnung in Ludwigshafen ist damit vor allem die Begründung relevant. Wiesemann tritt nicht zurück, weil die Entscheidung verschwiegen oder mit einer anderen Erklärung versehen wird, sondern weil er seine nachlassenden Kräfte für das Amt benennt. Der Kommentar bewertet genau diese Klarheit positiv.

Weitere Angaben zum weiteren Verfahren oder zu einem Nachfolger enthält das vorliegende Material nicht.