Ludwigshafen. Nach elf Jahren mit einer offenen Baugrube am Berliner Platz wächst die Hoffnung auf ein Ende des Stillstands. Die Bürgerinitiative „Wir vom Berliner Platz“ begrüßt den bevorstehenden Baustart am Palatineo. Das Projekt könne die Stadtmitte aufwerten und beleben, erklärt die Initiative. Zugleich drängt sie darauf, die Begrünung des Platzes von Anfang an fest in die Stadtentwicklung einzubeziehen.
Geplant ist unter anderem, dass das neue Rathaus in den oberen sechs Etagen des Palatineo untergebracht wird. Die Bürgerinitiative bewertet diesen Punkt besonders positiv, weil der Bürgerservice dadurch wieder stärker ins Zentrum rücken soll. Der Berliner Platz ist nach Angaben der Initiative außerdem ein wichtiger Knotenpunkt für Busse und die Innenstadt. Täglich passieren ihn mehr als 40.000 Menschen.
Hoffnung auf neue Impulse für Handel und Innenstadt
Für den örtlichen Handel sieht die Initiative im Bauvorhaben große Chancen. „Die Vorteile für den Handel liegen auf der Hand. Der Berliner Platz ist Impulsgeber für die Innenstadt“, sagt Jürgen Hundemer, Sprecher der Bürgerinitiative.
Der Platz erfüllt schon heute mehrere Funktionen: Er ist Veranstaltungsfläche, Verkehrsknotenpunkt, Standort für Gastronomie und Aufenthaltsort für Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste der Stadt. Nach Ansicht der Initiative könnten Gastronomie im Palatineo und eine attraktive Gestaltung dazu beitragen, dass Menschen länger am Berliner Platz bleiben. Das würde aus ihrer Sicht mehr Leben in die Innenstadt bringen.
Kritik äußert die Gruppe jedoch daran, dass im Eingangsbereich des Palatineo bislang kein Restaurant und kein Café vorgesehen ist. Dort arbeiteten künftig beziehungsweise bereits viele Beschäftigte, zudem herrsche an dem Standort eine hohe Publikumsfrequenz. „Für einen Gastronomiebetrieb sprechen schon allein die hohe Anzahl der Beschäftigten der Verwaltung und die starke Frequenz“, sagt Hundemer. Auch der Projektentwickler Unmüssig sehe diese Argumente grundsätzlich genauso, heißt es in dem Beitrag.
Initiative fordert eigenes Begrünungskonzept
Die Bürgerinitiative hält die Begrünung des Berliner Platzes für eine dringende Aufgabe. Sie fordert, den Platz in die Pläne zur klimagerechten Umgestaltung der Innenstadt aufzunehmen und die dafür nötigen Maßnahmen finanziell einzuplanen. Für den Berliner Platz solle ein eigenes Begrünungskonzept entstehen, das direkt mit dem Bau des Palatineo umgesetzt wird.
Nach Einschätzung der Initiative könnte sich auch das bereits geplante Fassadengrün positiv auswirken. Es könne Raumklima, Stadtluft und Wohlbefinden verbessern. Die Gruppe verbindet damit zugleich den Anspruch, dass sich das neue Bauvorhaben beim Klimaschutz als Vorreiter in Ludwigshafen positioniert.
Als Beispiele für eine klimaangepasste Gestaltung nennt die Initiative den Theaterplatz und den Klüberplatz. Dort lasse sich aus ihrer Sicht erkennen, wie Klimaschutz, Stadtgestaltung und Nutzung verbunden werden könnten. Veranstaltungen und Außengastronomie hätten auf grüneren und hitzefesteren Plätzen ihren Platz.
Offener Dialog über die Zukunft des Platzes
Langfristig soll sich der Berliner Platz nach dem Wunsch der Bürgerinitiative zu einem lebendigen und klimaresistenten Mittelpunkt der Innenstadt entwickeln, an dem Menschen gerne verweilen. Dabei müsse der Platz verschiedene Anforderungen gleichzeitig erfüllen: Aufenthalt, Begegnung, Mobilität und Veranstaltungen.
„In die von der Stadt schon im März des Jahres vorgestellten Pläne zur klimagerechten Umgestaltung zentraler innerstädtischer Plätze muss jetzt zwingend auch der Berliner Platz eingepreist werden“, teilt Hundemer mit.
Die Initiative „Wir vom Berliner Platz“ spricht sich dafür aus, Verwaltung, Politik, Anlieger, Gastronomen und die Stadtgesellschaft frühzeitig in einen offenen Austausch über die künftige Gestaltung einzubeziehen. Sie will den weiteren Prozess begleiten. Der bevorstehende Baustart am Palatineo wird damit zwar als wichtiger Schritt gesehen – für die Initiative ist aber ebenso entscheidend, wie der Berliner Platz anschließend gestaltet und im Alltag genutzt werden kann.