Der mögliche Einstieg von BASF bei Evonik nimmt eine neue Größenordnung an: Nach Informationen von Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX und Deutscher Presse-Agentur soll der Ludwigshafener Chemiekonzern sein Angebot auf etwa 24 Euro je Evonik-Aktie erhöht haben. Daraus ergibt sich eine Gesamtsumme von rund 11 Milliarden Euro. Beide Unternehmen wollten sich auf Anfrage nicht zu den aktuellen Entwicklungen äußern.

Für BASF in Ludwigshafen ist der Vorgang vor allem mit der Frage verbunden, welche Folgen eine mögliche Übernahme für Beschäftigte und Investitionen hätte. BASF-Betriebsratschef Sinischa Horvat sieht in den Plänen grundsätzlich Chancen für den Chemiestandort Deutschland. Entscheidend müsse aber sein, welche Perspektiven der Zusammenschluss den Unternehmen und ihren Beschäftigten eröffne.

RAG-Stiftung hält wichtigen Evonik-Anteil

Eine zentrale Rolle bei den Überlegungen spielt die RAG-Stiftung. Sie hält nach den vorliegenden Angaben etwa 43 Prozent der Evonik-Aktien und ist damit größte Anteilseignerin. Die Stiftung finanziert die Folgekosten des 2018 eingestellten deutschen Steinkohlebergbaus. Dafür nutzt sie verschiedene Kapitalanlagen, zu denen auch der bedeutende Evonik-Anteil gehört.

Ein höherer Kaufpreis könnte deshalb für die Stiftung attraktiv sein. Gleichzeitig gibt es politische Bedenken. Im Mittelpunkt steht insbesondere die Arbeitsplatzsicherheit in der deutschen Chemieindustrie. Das Kuratorium der RAG-Stiftung wird unter anderem von Politikern und Gewerkschaftsvertretern gebildet.

Beschäftigung und Standortvereinbarungen im Fokus

BASF-Chef Markus Kamieth stellte in einer Videobotschaft nach Angaben des Berichts mehrere Zusagen in den Mittelpunkt. Bestehende Standortvereinbarungen sollten übernommen werden. Betriebsbedingte Kündigungen seien bis 2032 ausgeschlossen. Außerdem sollten Tarifverträge und die Sozialpartnerschaft unangetastet bleiben.

Kamieth hob zudem die Bedeutung von Essen und Nordrhein-Westfalen als Standort hervor und kündigte weitere Investitionen in die Ausbildung junger Menschen an. Für Ludwigshafen ist aus Sicht des BASF-Betriebsrats besonders wichtig, dass die Jobsicherheit im Stammwerk gewährleistet bleibt und der Standort weitere Investitionen erhält.

Horvat fordert deshalb, die bestehende Standortvereinbarung durch eine mögliche Übernahme weder infrage zu stellen noch auszuhöhlen. Ob es zu einer Übernahme kommt, ist damit weiterhin offen. Die Reaktion des Kapitalmarkts fiel zunächst positiv aus: Der Evonik-Aktienkurs stieg am frühen Freitagnachmittag um gut drei Prozent auf 21,34 Euro. Zuvor war ein BASF-Angebot von 22,15 Euro je Aktie im Gespräch gewesen.