Der Regisseur Volker Schlöndorff ist beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet worden. Die Ehrung fand am Freitagabend im Rahmen einer Galavorführung seines Kinofilms Rückkehr nach Montauk aus dem Jahr 2017 statt. Veranstaltungsort war die Parkinsel, auf der das Festival des deutschen Films seine Vorführungen und Preisverleihungen ausrichtet.

Mit dem Ehrenpreis würdigt das Festival die langjährige Arbeit des Filmemachers. Schlöndorff ist 87 Jahre alt und hat nach Angaben des Festivals rund 40 Filme gedreht. Die Auszeichnung reiht sich damit in eine Laufbahn ein, die von frühen Erfolgen im deutschen Autorenkino bis zu international beachteten Produktionen reicht.

Schlöndorff spricht über seine Verbindung zum Festival

Schlöndorff nahm den Preis persönlich entgegen. Auf die erneute Auszeichnung reagierte er nach eigener Aussage nicht mit großer Aufregung, sondern mit einer Mischung aus Gelassenheit und Überraschung. „Wenn man so lange dabei ist, dann erschüttert einen ja nicht jeder Preis. Aber dass immer noch welche kommen, das ist das Überraschende...Und ich bin immer sehr gerne hier gewesen, weil man so zwanglos mit dem Publikum reden kann“, sagte der Regisseur bei der Verleihung.

Der gezeigte Film Rückkehr nach Montauk verbindet Schlöndorffs Arbeit mit seiner Beschäftigung mit Literatur. In dem Film ehrt er seinen Lieblingsautor Max Frisch. Schlöndorff hat Max Frisch außerdem mit der Verfilmung von Homo Faber aus dem Jahr 1991 in sein filmisches Werk einbezogen.

Festivalintendant Michael Kötz hatte Schlöndorff bereits vor der Preisverleihung als weiterhin sehr aktiven Künstler gewürdigt. In einer Mitteilung hieß es, der Regisseur habe es sich außerhalb Berlins zwischen einem Naturschutzgebiet mit See und dem Studio Babelsberg gemütlich gemacht, sich mit seinen 87 Jahren aber nicht zur Ruhe gesetzt. Kötz erklärte: „Wir freuen uns sehr, diesen hoch aktiven Altmeister der Siebten Kunst bei uns zu haben“.

Vom „Jungen Törless“ bis zur „Blechtrommel“

Volker Schlöndorff wurde 1939 in Wiesbaden geboren und verbrachte einen großen Teil seiner Jugend in Paris. Sein erstes Drehbuch schrieb er 1963 oder 1964. Als Vorlage diente Robert Musils Roman Die Verwirrungen des Zöglings Törleß. Ab 1965 verfilmte Schlöndorff den Stoff unter dem Titel Der junge Törless.

Der Film wurde in mehreren wichtigen Kategorien ausgezeichnet. Für Der junge Törless erhielt Schlöndorff den Deutschen Filmpreis in den Kategorien Drehbuch, Regie und bester Film. Hinzu kam der Kritikerpreis des Filmfestivals von Cannes. Der Film gilt als erster internationaler Erfolg des Neuen Deutschen Films.

Seinen internationalen Durchbruch schaffte Schlöndorff 1979 mit der Verfilmung von Günter Grass’ Roman Die Blechtrommel. Für den Film erhielt er in Cannes die Goldene Palme und in Los Angeles den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Damit wurde seine Arbeit sowohl bei einem bedeutenden europäischen Filmfestival als auch bei der Oscarverleihung gewürdigt.

Zu Schlöndorffs weiteren bekannten Arbeiten gehört neben Homo Faber der 2026 erschienene Film Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte. Für diesen Film schrieb er auch das Drehbuch. Seine künstlerische Arbeit beschränkt sich zudem nicht auf das Kino: Schlöndorff inszeniert nach Angaben des Berichts auch Opern und Bühnenwerke.

Weitere Auszeichnungen auf der Parkinsel

Der Ehrenpreis für Schlöndorff ist nicht die einzige Auszeichnung des diesjährigen Festivals. Bereits am vergangenen Samstag erhielt die Schauspielerin Annette Frier auf der Ludwigshafener Parkinsel den Preis für Schauspielkunst 2026. Frier wurde durch Filme und Serien wie Danni Lowinski und Ella Schön bekannt und ist außerdem am klassischen Theater tätig. Nach eigenen Angaben wollte sie bereits in der Grundschule Schauspielerin werden und studierte später an einer Schauspielschule.

Der Preis für Schauspielkunst wird traditionell an herausragende Persönlichkeiten der Schauspielkunst vergeben. Nach Darstellung der Festivalorganisatoren soll er die Bedeutung jener Künstlerinnen und Künstler hervorheben, die dem deutschen Film ein Gesicht geben und nicht nur für Glamour, sondern vor allem für ihre künstlerische Arbeit stehen.

Auch der Theater- und Fernsehschauspieler Christian Redl wurde in diesem Jahr mit dem Preis für Schauspielkunst geehrt. Der 78-Jährige hatte seinen Durchbruch mit dem Film Hammermörder aus dem Jahr 1990. Einem breiten Publikum ist er außerdem aus der Reihe Spreewaldkrimi bekannt.

Der dritte Preis für Schauspielkunst geht am Sonntag an Christian Berkel. Im Zusammenhang mit der Auszeichnung sollen seine aktuellen Filme Ein Nachthemd für Zwei und Block 10 gezeigt werden. Berkel wirkte in deutschen, französischen und amerikanischen Produktionen mit. Zu seinen Rollen gehören unter anderem der SS-Arzt Ernst-Günther Schenck in Der Untergang und der Continental-Manager Alfred Greven in Safe Conduct. Neben seiner Arbeit als Schauspieler ist Berkel seit einigen Jahren auch als Schriftsteller erfolgreich.

Festival läuft bis zum 6. September

Das Festival des deutschen Films in Ludwigshafen begann am 19. August und endet am 6. September. Für das Publikum bietet die laufende Festivalauflage damit noch bis zum Abschluss weitere Filmvorführungen und Veranstaltungen auf der Parkinsel.

Der Bericht verweist außerdem auf die große Reichweite früherer Festivalauflagen. Bei einer früheren Ausgabe wurden seit dem 21. August mehr als 125.000 Besucherinnen und Besucher auf der Parkinsel gezählt. Diese Zahl bezieht sich nicht eindeutig auf die aktuelle Ausgabe, zeigt aber die Bedeutung des Festivals für das Kulturleben in Ludwigshafen.