Das Rekordniedrigwasser im Rhein gefährdet in Ludwigshafen die Versorgung der Industrie und setzt die Binnenschifffahrt massiv unter Druck. Seit Wochen führt der Fluss ungewöhnlich wenig Wasser; am unteren Mittelrhein fahren Binnenschiffe nach Angaben des Wochenblatts kaum noch oder nur mit einem Bruchteil ihrer üblichen Ladung. Auch in Ludwigshafen ist deshalb nur wenig Schiffsverkehr zu sehen.

Die Folgen reichen über den Fluss hinaus: Transportunternehmen müssen verstärkt auf Schiene und Lastwagen ausweichen, um Lieferketten aufrechtzuerhalten. Für Industriekunden wie BASF entstehen dadurch zusätzliche Kosten. Hohe Kraftstoffpreise verschärfen die Situation zusätzlich. Zugleich könnte die steigende Nachfrage im Straßengüterverkehr die Spritpreise weiter erhöhen.

Rhein-Schifffahrt mit deutlich weniger Ladung

Die aktuelle Lage erinnert an das Dürrejahr 2023, in dem Unternehmen ebenfalls alternative Transportwege nutzen mussten. Besonders problematisch ist der niedrige Wasserstand für die Versorgung großer Produktionsstandorte. Wenn Schiffe weniger Tiefgang nutzen können, müssen sie ihre Ladung reduzieren oder häufiger fahren. Reichen diese Möglichkeiten nicht aus, werden zusätzliche Transporte per Bahn und Lkw notwendig.

Industrie- und Schifffahrtsverbände drängen deshalb auf schnellere Planungsverfahren für die Rheinvertiefung. Vorgesehen ist eine sogenannte Abladeoptimierung: An Engstellen soll der Fluss vertieft werden. Nach den Plänen könnten an einzelnen Stellen Felsen abgefräst und Spurrillen geschaffen werden, damit sich dort weniger Sedimente ablagern. Schiffe sollen dadurch wieder mehr Tiefgang erreichen und größere Mengen transportieren können.

Der rheinland-pfälzische Verkehrsstaatssekretär Markus Wolf sprach sich laut Bericht dafür aus, die seit Jahren verzögerten Maßnahmen rasch umzusetzen. Die Projekte seien lange durch Planungsverfahren ausgebremst und zuletzt wegen Streitigkeiten um Sondervermögen zurückgestellt worden.

„Der Rhein ist nicht nur ein Fluss, sondern eine zentrale Verkehrsachse. Er verbindet Häfen, Produktionsstandorte und Transportketten weit über Rheinland-Pfalz hinaus. Wenn Niedrigwasser die Binnenschifffahrt einschränkt, gerät ein wichtiger Teil unseres Verkehrssystems unter Druck“

Wolf betonte demnach außerdem, dass Niedrigwasser künftig regelmäßig auftreten werde. Die Abladeoptimierung am Mittelrhein dürfe deshalb nicht weiter verschoben werden. Jede Tonne, die über den Rhein transportiert werden könne, müsse nicht zusätzlich über Straße oder Schiene bewegt werden.

Sorge um BASF und Arbeitsplätze in Ludwigshafen

Auch aus Ludwigshafen kommt die Forderung nach schnellen Gegenmaßnahmen. Die SPD sieht laut Wochenblatt Arbeitsplätze bei BASF gefährdet. Christian Schreider, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion und verkehrspolitischer Sprecher, forderte eine nationale Taskforce aus Regierungen, Wirtschaft und Kommunen. Sie solle bereits entwickelte Konzepte des Karlsruher Instituts für Technologie schneller umsetzen.

„Dass das extreme Niedrigwasser den Rhein in diesem Jahr schon so früh im Hochsommer trockenfallen lässt, ist eine riesige Herausforderung für die Wirtschaft und vor allem auch eine Bedrohung für tausende Arbeitsplätze in unserer Stadt“

Als notwendig nennt Schreider den Ausbau kritischer Fahrrinnen, zusätzliche Lagerkapazitäten in Häfen und priorisierte Schienenwege. Damit solle die Rohstoffversorgung der BASF gesichert und Produktionsausfälle verhindert werden.

Im Bericht wird außerdem Frank Meier als ehemaliger BASF-Betriebsrat zitiert. Er verweist auf die Bedeutung des Rheins für das Werk und auf die Erfahrungen aus dem Jahr 2018:

„Als langjähriger BASF-Betriebsrat weiß ich genau, dass uns ein langanhaltendes Niedrigwasser wie im Jahr 2018 empfindlich treffen kann. Es drohen dann Produktionsdrosselungen“

Im weiteren Verlauf des Beitrags wird eine zusätzliche Forderung erneut Schreider zugeschrieben. Demnach soll der Bund die 2025 gestrichenen Mittel für die Optimierung der Rhein-Fahrrinne sofort wieder freigeben. Der bereits geplante Ausbauabschnitt könne dann gebaut werden. Die Finanzierung dürfe gerade angesichts des Infrastruktur-Sondervermögens nicht daran scheitern, die Logistik und damit Arbeitsplätze am Industriestandort Ludwigshafen abzusichern.

Trockenheit betrifft Flüsse, Landschaften und Städte

Die Debatte über das Niedrigwasser geht im Bericht über den Güterverkehr hinaus. Die frühere Bundesumweltministerin Steffi Lemke erklärte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk, Deutschland werde „systematisch entwässert“. Sie forderte, Wasser stärker im Boden zu halten, Auen und Schwemmgebiete zu renaturieren und die Versickerung ins Grundwasser zu verbessern.

Dafür müssten nach ihrer Darstellung Rohrsysteme zurückgebaut, industrielle Wasserentnahmen reguliert und Städte nach dem Schwammstadtprinzip umgestaltet werden. Der Beitrag verweist zudem auf ausgetrocknete Flüsse in Spanien und dortige Einschränkungen bei der Wasserversorgung. In Deutschland führen die Flüsse dem Bericht zufolge dank Alpenquellen und Gletschern weiterhin Wasser; zugleich könnten sich die Folgen der Trockenheit weiter verschärfen.

Ein sichtbares Zeichen des niedrigen Pegels liefert derzeit auch Ludwigshafen: Das Fundament der Adenauer-Brücke wird laut Bildunterschrift von Möwen für ein Sonnenbad genutzt.