Nach dem Tod einer Frau in einer Mannheimer Bar ruft das Feministische Bündnis Mannheim für Mittwoch um 18 Uhr zu einer Mahnwache auf dem Marktplatz auf. Die Veranstaltung soll der Getöteten gedenken und zugleich die Debatte über Femizide und Gewalt gegen Frauen öffentlich weiterführen.
Die Frau war vergangene Woche in einer Bar in der Mannheimer Innenstadt tot aufgefunden worden, nachdem dort ein Brand gelöscht worden war. Ein 25-jähriger Mann wurde als mutmaßlicher Täter festgenommen. Nach Angaben der Polizei kannten sich der Mann und die Frau nicht. Weitere Einzelheiten zu dem Fall sind laut dem Bericht noch unklar.
Reden, Kerzen und ein Gedenken
Für die Mahnwache sind Reden zum Gedenken an die Getötete und zum Thema Femizide geplant. Außerdem sollen Kerzen niedergelegt werden. Das Bündnis erklärt, es wolle nicht bis zum Beginn eines möglichen Prozesses warten, um Gewalt gegen Frauen erneut öffentlich zu thematisieren.
„Das ist bereits der dritte Femizid in der Region innerhalb kurzer Zeit“, heißt es vonseiten des Feministischen Bündnisses. Als weitere Fälle nennt die Organisation die Tötung einer 37-jährigen Frau durch ihren Ehemann im November des vergangenen Jahres in Ludwigshafen sowie die Ermordung einer 19-Jährigen im Käfertaler Wald im März dieses Jahres.
Im Ludwigshafener Fall endete das Verfahren Anfang August vor dem Landgericht Frankenthal mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Im Fall der im Käfertaler Wald getöteten Frau beginnt am Mittwoch vor dem Landgericht Mannheim der Prozess gegen einen 17-jährigen mutmaßlichen Täter.
Was mit dem Begriff Femizid gemeint ist
Das Feministische Bündnis bezeichnet den aktuellen Fall als „extreme Gräueltat“. Nach seiner Einschätzung gehe es dabei um den Versuch eines Mannes, Kontrolle über eine Frau auszuüben und sich über sie zu stellen. Das Bündnis betont zugleich, dass Gewalt gegen Frauen nicht erst mit einer Tötung beginnt.
Als Femizid wird die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts bezeichnet, wenn die Tat durch hierarchische Geschlechterverhältnisse motiviert ist. Die Bundeszentrale für politische Bildung weist darauf hin, dass der Begriff die strukturelle Dimension von Gewalt betonen soll, es aber keine einheitliche Definition gibt.
Gewalt gegen Frauen kann dem Bericht zufolge psychisch, körperlich, sexualisiert oder wirtschaftlich sein. Das Feministische Bündnis fasst die Problematik als strukturelles und gesamtgesellschaftliches Thema auf. Als mögliche Ursache nennt es vermeintliche Besitzansprüche von Ex-Partnern, Partnern, Vätern oder Brüdern gegenüber Frauen und Mädchen.
Regionale Organisationen beteiligen sich
Das Bündnis Mannheim organisiert nach eigenen Angaben jedes Jahr zentrale Gedenk- und Aktionstage zum Internationalen Frauentag am 8. März sowie zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November. Ihm gehören 14 Organisationen an, darunter das Queere Zentrum Mannheim, der Migrantinnenverein Rhein-Neckar, der Internationale Jugendverein und die DGB-Jugend.
Der Bericht verweist außerdem auf Zahlen des Bundeskriminalamts, wonach im Jahr 2024 in Deutschland 132 Frauen durch ihren aktuellen oder früheren Partner getötet wurden. Im Bundeslagebild sei zudem ein Anstieg frauenfeindlicher Straftaten gegenüber dem Vorjahr sichtbar. Demnach erlebten fast 188.000 Frauen häusliche Gewalt, rund 54.000 Frauen wurden Opfer einer Sexualstraftat.
Die Mahnwache beginnt am Mittwoch um 18 Uhr auf dem Mannheimer Marktplatz. Sie ist damit auch für Menschen aus Ludwigshafen relevant, da das Bündnis ausdrücklich den Fall aus der Nachbarstadt in den regionalen Zusammenhang der Veranstaltung einordnet.