Eine bundesweite Online-Schulstunde gegen Cybermobbing ist am Donnerstag, 17. September 2026, im Media:TURM in Ludwigshafen aufgezeichnet worden. Nach Angaben von klicksafe und der Medienanstalt Rheinland-Pfalz nahmen 65.820 Schülerinnen und Schüler an der Veranstaltung teil. Damit setzte die Aktion ein deutliches Zeichen für mehr Respekt und Sicherheit im Netz.
Unter dem Motto „Online gemobbt. Real verletzt. Gemeinsam gegen Cybermobbing!“ schalteten sich 2.194 Schulklassen der Jahrgangsstufen fünf bis acht aus ganz Deutschland in das interaktive Streamingformat ein. Die Schülerinnen und Schüler sollten verstehen, wie digitale Anfeindungen entstehen, welche Folgen sie für Betroffene haben können und wie sie selbst helfen können.
Von verletzenden Kommentaren bis zur Mobbing-Spirale
Cybermobbing beginnt laut den Veranstaltern mitunter scheinbar harmlos: Ein peinliches Bild oder ein verletzender Kommentar kann sich jedoch schnell zu einer dauerhaften Belastung entwickeln. Fachleute erarbeiteten mit den teilnehmenden Klassen konkrete Strategien, um Cybermobbing zu erkennen, Betroffene zu unterstützen und zu einem respektvollen Umgang im Internet beizutragen.
Eine während der Schulstunde durchgeführte Umfrage zeigt zugleich, wie groß der Unterstützungsbedarf ist. Nur knapp die Hälfte der befragten Schülerinnen und Schüler wusste, wie sie Betroffenen helfen kann. Mehr als 20.000 Stimmen wurden live abgegeben. Die Veranstalter weisen allerdings darauf hin, dass die Befragung freiwillig und nicht repräsentativ für alle Schülerinnen und Schüler der entsprechenden Altersgruppe in Deutschland war.
Die Rekordbeteiligung verstehen klicksafe und seine Partner als Hinweis darauf, dass Aufklärung und Prävention früh ansetzen müssen. Kinder und Jugendliche benötigen demnach mehr Wissen über digitale Gewalt, mehr Handlungssicherheit und verlässliche Anlaufstellen, wenn sie selbst betroffen sind oder Mobbing beobachten.
Prominente Unterstützung und inklusive Übertragung
An der Schulstunde beteiligte sich auch Tony Eberhardt, Finalist von „Germany’s Next Topmodel“. Der Model, Speaker und Content Creator berichtete über eigene Mobbingerfahrungen. Nach Angaben der Veranstalter war er wegen seiner Hörbehinderung viele Jahre betroffen.
„Wenn meine Geschichte dazu beiträgt, dass auch nur ein Kind den Mut findet, darüber zu sprechen, eine Lehrkraft genauer hinsieht, Eltern früher handeln oder politische Veränderungen angestoßen werden, dann hat all das, was ich erlebt habe, heute einen Sinn.“
Erstmals wurde die klicksafe-Schulstunde in Kooperation mit der Aktion Mensch und Nummer gegen Kummer durchgeführt. Die Übertragung wurde außerdem in Deutsche Gebärdensprache übersetzt. Christina Marx von der Aktion Mensch verwies dabei besonders auf die Situation junger Menschen mit Beeinträchtigung.
„Cybermobbing ist ein Problem, das viel zu viele junge Menschen betrifft - noch einmal mehr aber junge Menschen mit Beeinträchtigung. Das dürfen wir als Gesellschaft nicht länger hinnehmen. Ein respektvolles Miteinander und eine gleichberechtigte Teilhabe müssen von Anfang an gelernt und gelebt werden.“
Auch die Nummer gegen Kummer war in die Veranstaltung eingebunden. Schülerinnen und Schüler sollten damit unmittelbar erfahren, dass sie sich Unterstützung holen und mit einer Vertrauensperson über Erlebtes oder Beobachtetes sprechen können. Das Angebot richtet sich auch an junge Menschen, die selbst andere verletzt oder beim Mobbing mitgemacht haben.
„Wenn man Cybermobbing erlebt oder mitbekommt, ist es gut, wenn man nicht alleine damit bleibt. Manchmal weiß man einfach nicht, was man tun oder wie man helfen soll. Aber auch wenn man selbst jemanden verletzt oder beim Mobbing mitgemacht hat, kann man etwas ändern und Verantwortung übernehmen. Ich finde, es ist wichtig, dass alle wissen: Man kann sich Hilfe holen und mit jemandem darüber reden.“
Unterrichtsmaterialien für Schulen
Mit der Online-Schulstunde soll das Thema nicht abgeschlossen sein. Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte erhalten ergänzende Materialien für den Unterricht und die pädagogische Praxis. Die Projekte zeigen, wie Mobbing frühzeitig erkannt, Zivilcourage entwickelt und ein respektvoller Umgang in der Klassengemeinschaft gefördert werden kann.
Die Materialien sollen außerdem die Medienkompetenz stärken. Sie sind nach Angaben von klicksafe in Einfacher Sprache verfasst und barrierefrei gestaltet. Dadurch sollen möglichst viele Schülerinnen und Schüler Zugang zu den Inhalten erhalten.
Die Veranstaltung ist Teil des Back-to-School-Aktionsmonats, der sich in diesem Jahr ebenfalls mit Cybermobbing beschäftigt. Weitere Informationen zur klicksafe-Schulstunde und zu den Begleitangeboten stellt klicksafe online bereit. Für betroffene Kinder und Jugendliche verweist die Initiative zudem auf die Beratung von Nummer gegen Kummer.