Ein Abend über Liebe, Demütigung und gesellschaftliche Doppelmoral erwartet das Publikum am Samstag, 14. November 2026, auf den Pfalzbau Bühnen in Ludwigshafen: Jens Harzer bringt Oscar Wildes „De Profundis“ im Rahmen einer Werkschau auf die Bühne. Beginn der Vorstellung ist um 19.30 Uhr.

Wildes Brief als konzentrierter Bühnenabend

„De Profundis“ entstand als Brief, den Oscar Wilde im Zuchthaus verfasste. Darin richtet sich der Schriftsteller wütend und zugleich nachdenklich an seinen Geliebten Alfred Douglas. Der Text gilt als einer der längsten und bedeutendsten Liebesbriefe der englischen Literatur.

Wilde rechnet darin mit seinem früheren Liebhaber und mit der aus seiner Sicht verlogenen Sexualmoral des 19. Jahrhunderts ab. Zugleich blickt er schonungslos auf ein Leben zurück, das er selbst als oberflächlich und hedonistisch empfand. Der wegen Unzucht tief gefallene Autor beschreibt in dem Dokument sein Leiden und die brutale Demütigung, die mit seinem Niedergang verbunden sind.

Jens Harzer hat sich die Rolle intensiv angeeignet. Für seine Darstellung ist er beim diesjährigen FAUST-Preis nominiert; außerdem trägt er den Iffland-Ring. Regie führt Oliver Reese, der den Text konsequent auf seine Essenz konzentriert.

Dunkle Bühne, beklemmende Atmosphäre

Die Inszenierung arbeitet mit einer ansonsten dunklen Bühne. Harzer tritt im dunklen Anzug und mit Krawatte auf und spielt in einem engen Kubus. Das Bühnenbild von Hansjörg Hartung soll die Enge des Eingesperrtseins und die Isolation sichtbar machen, während die Kostüme von Elina Schnizler stammen.

Die Aufführung setzt auf körperlich und emotional eindringliche Bilder: Harzer kehrt das Innerste seiner Figur nach außen, ringt mit seiner gebrochenen Stimme um jedes Wort, beißt sich die Pulsadern auf und zerquetscht einen Apfel an einem Stuhl. So wird das Publikum unmittelbar in den tragischen Niedergang des einstigen Lebemanns hineingezogen.

Nach der Premiere wurde die Leistung des Schauspielers besonders gefeiert. Der „Tagesspiegel“ fasste seine Einschätzung mit den Worten „Ein Triumph!“ zusammen.

Musik nach der Vorstellung

Im Anschluss an die Vorstellung beginnt gegen 21.30 Uhr im Gläsernen Foyer die Duke Ellington-Lounge. Olaf Taranczewski am Klavier und Jean Philippe Wadle am Kontrabass gestalten den musikalischen Ausklang. Der Eintritt zur Lounge ist frei.

Für die Vorstellung gelten Preise von 52, 43, 35 und 27 Euro. Karten und weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 0621/504 2558.