Das Klinikum Ludwigshafen erlebt einen außergewöhnlichen Ansturm auf seine Ausbildungsplätze: In diesem Jahr gingen 4.200 Bewerbungen für 200 Stellen ein. Zusätzlich bewarben sich 800 Menschen um einen von 400 bis 500 Praktikumsplätzen. Besonders gefragt sind die Pflegeausbildungen.

Nach Angaben von Benny Neukamm, Gesamtschulleiter der Ausbildungen am Klinikum Ludwigshafen, hat es dort noch nie zuvor so hohe Bewerberzahlen gegeben. Nach der Corona-Pandemie habe es zunächst eine Flaute gegeben, weil junge Menschen davor zurückgeschreckt seien, einen Pflegeberuf zu ergreifen. Seit einigen Jahren erhalte das Klinikum jedoch deutlich mehr Bewerbungen, als es Plätze vergeben könne.

Pflege als sicherer Beruf in unsicheren Zeiten

Neukamm sieht einen wichtigen Grund in der aktuellen Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt. Pflege werde als krisensicherer Beruf wahrgenommen. Auch der Stellenabbau bei BASF und in Speyer verunsichere viele junge Menschen. Gleichzeitig bleibe der Bedarf bestehen: Kranke Menschen gebe es weiterhin.

Für die Beliebtheit des Klinikums nennt Neukamm außerdem die Ausbildungsbedingungen. Die Klassen seien vergleichsweise klein, die Betreuung persönlich. Das Klinikum wolle nicht nur Fachkräfte ausbilden, sondern auch die Persönlichkeiten der Auszubildenden entwickeln. Nach der dreijährigen Ausbildung entscheide sich zudem ein großer Teil für eine Weiterbildung. Dadurch könnten die jungen Fachkräfte später bessere Gehaltsklassen erreichen. Auch die Chancen auf eine Übernahme seien nach Einschätzung des Klinikums gut.

Praktikum führte Ludwigshafenerin in den OP

Eine von den Ausbildungsangeboten überzeugte junge Mitarbeiterin ist die 18-jährige Aimee Rothe aus Ludwigshafen. Sie befindet sich im ersten Ausbildungsjahr zur Operationstechnischen Assistenz. Bereits zwei Jahre zuvor hatte sie am Klinikum ein zweiwöchiges Schülerpraktikum absolviert.

Rothe berichtet, dass sie damals trotz der kurzen Praktikumsdauer intensiv unterstützt worden sei. Während des Praktikums habe sie viel über Operationen gelernt. Nach der Schule bewarb sie sich deshalb erneut am Klinikum. Schon beim Bewerbungsgespräch habe sie ein gutes Gefühl gehabt. Dass sie nun dort ausgebildet wird, erfüllt sie mit Stolz. Den Wunsch, Menschen zu helfen, habe sie bereits seit ihrer Kindheit.

Üben im Skills-OP-Raum

Ein besonderer Bestandteil der Ausbildung ist der sogenannte Skills-OP-Raum. Dort können die Auszubildenden Abläufe und Notfallsituationen unter möglichst realitätsnahen Bedingungen trainieren. Dazu gehören auch grundlegende Schritte wie die richtige Händedesinfektion und das korrekte Anziehen von Handschuhen, damit keine Keime übertragen werden.

Kursleiterin Patrycja Biundo begleitet eine Klasse mit insgesamt 14 jungen Menschen über die dreijährige Ausbildung. Nach ihrer Einschätzung ist der Skills-OP eine Besonderheit in der Region, weil andere Kliniken diese Möglichkeiten nicht hätten. Die Auszubildenden müssten sich bei den Übungen so verhalten wie in einem echten Notfall. Auch der Zugriff auf Medikamente werde in den Szenarien berücksichtigt.

Für Biundo gehört neben dem anspruchsvollen Training auch eine gute Atmosphäre zur Ausbildung. Der Skills-OP-Raum sei ein zusätzlicher Vorteil, über den sich die gute Nachricht offenbar verbreite. Für andere Ausbildungsstätten sieht Neukamm vor allem bei der Berufsorientierung Handlungsbedarf. Mehr begleitete Praktika könnten jungen Menschen helfen, einen Beruf auszuprobieren und sich anschließend gezielter zu bewerben.