Wie spricht man mit einem Kind über den Tod? Für viele Erwachsene ist diese Frage schwer zu beantworten. Ein Kurs des Bistums Speyer beschäftigt sich damit, wie Eltern und andere Bezugspersonen Kindern bei Trauer und Verlust beistehen können. Auch Dietmar Breininger, der sich ehrenamtlich als ambulanter Sterbebegleiter beim Hospiz Elias in Ludwigshafen engagiert, nimmt an dem Kurs teil.

Im Priesterseminar in Speyer stehen dafür Schuhe auf dem Boden: kleine Kinderschuhe, größere Schuhe von Erwachsenen und Hausschuhe älterer Menschen. Sie symbolisieren verschiedene Generationen und den Kreislauf des Lebens. Der Kurs trägt den Titel „Wie sag ichs meinem Kind?“ und wird von Marie-Christin Mayer und Thomas Stephan geleitet.

Kinder wechseln zwischen Trauer und Alltag

Kinder trauern häufig anders als Erwachsene. Marie-Christin Mayer aus der Hospiz- und Trauerseelsorge des Bistums Speyer beschreibt sie als „Pfützenspringer“: In einem Moment sind sie traurig, im nächsten möchten sie wieder spielen. Dieses Verhalten ist kein Zeichen dafür, dass ein Kind den Verlust nicht ernst nimmt. Es zeigt vielmehr, dass Kinder mit Trauer anders umgehen können als Erwachsene.

Mit zunehmendem Alter verändert sich das Verständnis. Zwischen sieben und neun Jahren begreifen Kinder laut Mayer, dass der Tod endgültig ist und ein verstorbener Mensch nicht zurückkommt. Bis zur Pubertät stellen sie oft noch viele Fragen. Jugendliche ziehen sich bei Trauer dagegen eher zurück.

Wenn ein Kind nach dem Tod fragt, kann es bereits eigene Vorstellungen haben. Erwachsene sollten deshalb zunächst nachfragen, was das Kind selbst glaubt oder antworten würde. So lässt sich erkennen, welche Gedanken und Unsicherheiten tatsächlich dahinterstehen.

Ehrlich antworten und Bilder vermeiden

Im Kurs geht es darum, Kindern ehrlich zu antworten und nicht auszuweichen. Bilder können zusätzliche Missverständnisse schaffen. Wer etwa sagt, ein verstorbener Mensch sei jetzt „im Himmel“, muss möglicherweise erklären, warum man ihn beim Fliegen mit dem Flugzeug nicht sehen kann.

Thomas Stephan rät Erwachsenen, sich beim Fragenstellen etwas von Kindern abzuschauen und offen zu bleiben. Seine Botschaft: „Einfach so authentisch sein wie die Kinder. Ehrlich sein wie die Kinder. Dinge auch anzusprechen. Mutig sein. Nicht verstellt, nicht so verkopft sein“.

Auch Dietmar Breininger erlebt, dass oft die Erwachsenen selbst besonders viele Gedanken daran verwenden, wie sie den Tod erklären sollen. Das eigentliche Problem liege häufig bei ihnen, sagt er. Für Kinder sei dagegen entscheidend, dass ihre Fragen ernst genommen werden.

Trauer betrifft nicht nur den Tod

Trauer kann bei Kindern auch durch eine Trennung der Eltern, Mobbing oder den Verlust von Freundschaften entstehen. Erwachsene sollten Kinder mit diesen Gefühlen nicht allein lassen und schwierige Themen nicht vermeiden, nur weil sie ihnen zu kompliziert oder unangemessen erscheinen.

Zur Unterstützung gehört außerdem, die eigene Traurigkeit zeigen zu dürfen. So erfahren Kinder, dass Gefühle nicht beschämend sind. „Für Kinder ist das Wichtigste, dass sie die Erlaubnis von uns Erwachsenen bekommen, traurig zu sein und zu sehen, dass auch wir traurig sind“, sagt Marie-Christin Mayer. Das kann Kindern helfen, ihre eigenen Gefühle zuzulassen.