An der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen soll Videoüberwachung künftig helfen, Gewalt, Sachbeschädigungen und mutwillig ausgelöste Feueralarme einzudämmen. Lehrkräfte hatten die Kameras Ende Mai 2025 in einem Brandbrief an die Schulaufsichtsbehörde gefordert. Geplant ist die Überwachung bestimmter Bereiche im Schulgebäude und auf dem Pausenhof. Ob die Kameras auch während des Unterrichts eingeschaltet werden dürfen, ist allerdings noch offen.
Schwere Vorfälle an der Schule
Hinter der Forderung stehen laut dem Bericht wiederholte Schlägereien im Schulgebäude und auf dem Schulhof. Außerdem seien Waffen, etwa Messer, mitgebracht worden. Hinzu kommen erhebliche Schäden am Gebäude und in Klassenräumen. Die Lehrkräfte beschrieben Wände mit fußballgroßen Löchern, frisch gestrichene Flächen, die sofort wieder beschmiert worden seien, sowie zerstörte Tische, Stühle und Schränke.
Ein Teil der Probleme betrifft auch den Feueralarm. Seit einigen Wochen überwacht bereits eine Kamera den Feueralarmknopf. Nach Angaben von Lehrkräften wurde der Knopf seither nicht mehr unerlaubt gedrückt. Zuvor habe der Alarm den Unterricht teilweise mehrfach am Tag unterbrochen. Feuerwehr und Polizei seien wiederholt ohne tatsächlichen Notfall zur Schule gerufen worden. Nach Angaben der Stadt Ludwigshafen verursacht jeder dieser Einsätze Kosten von mehr als 1.000 Euro.
Datenschutz setzt enge Grenzen
Eine Videoüberwachung während der Schulzeit ist in Rheinland-Pfalz nicht grundsätzlich erlaubt. Der Landesbeauftragte für den Datenschutz erklärte auf Anfrage, die Voraussetzungen müssten in einer besonderen Gefährdungslage im Einzelfall geprüft werden. Nach den Informationen des Landes sind Kameras während des laufenden Schulbetriebs in der Regel unzulässig, weil normalerweise ausreichend aufsichtspflichtige Personen auf dem Schulgelände sind.
Eine Ausnahme kann demnach möglich sein, wenn eine besondere Gefährdungslage besteht und die Überwachung erforderlich ist. Wie viele Schulen im Land bereits Kameras einsetzen, konnte der Landesdatenschutz dem Bericht zufolge nicht angeben.
Ein Beispiel aus Ludwigshafen gibt es im Ernst-Reuter-Schulzentrum in Gartenstadt. Dort wurde die Videoüberwachung im Frühjahr 2026 stufenweise eingeführt. An der Grundschule begann sie zuerst. Nach einer schweren Verwüstung der Mensa im Januar 2026 und einer schweren Brandstiftung an Ostern 2026 wurde sie auch an der Realschule plus eingerichtet. Die Kameras laufen dort ausdrücklich nur außerhalb der Unterrichtszeiten und zunächst ein Jahr auf Probe.
Neue Leitung und zusätzliches Personal geplant
Die Kameras sind nicht die einzige geplante Veränderung an der Karolina-Burger-Realschule plus. Nach den Herbstferien soll eine neue Schulleitung beginnen. Darüber informierten die Schulaufsichtsbehörde und das Bildungsministerium die Schule. Bildungsministerin Dr. Ute Eiling-Hütig kündigte außerdem vor dem Bildungsausschuss des Landtags weitere personelle Unterstützung an.
Nach Angaben der Schulaufsichtsbehörde fehlen derzeit krankheitsbedingt weiterhin acht Lehrkräfte. Schülerinnen und Schüler berichten deshalb von anhaltendem Unterrichtsausfall. Zusätzlich soll eine Förderschulkraft eingestellt werden. Auch eine seit Jahren unbesetzte halbe Stelle in der Schulsozialarbeit soll nach Angaben aus dem Schulumfeld und von der Bildungsministerin besetzt werden.
Die bisherigen Maßnahmen haben die Lage laut dem Bericht noch nicht dauerhaft beruhigt. Zwar habe es in Abschlussklassen zeitweise Team-Teaching gegeben, bei dem eine Lehrkraft gemeinsam mit einer pädagogischen Kraft unterrichtete. Trotzdem werde weiterhin von sehr lautem Unterricht und Prügeleien im Klassenzimmer und auf dem Schulhof berichtet.
Damit bleibt für die Schule in Ludwigshafen noch viel zu tun. Die Bildungsministerin hatte Anfang September den Wunsch geäußert, dass die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen am Ende des Schuljahres sagen können: „Es war doch schön an der Karolina.“ Ob Videoüberwachung, neue Leitung und zusätzliches Personal dieses Ziel erreichen, soll sich in den kommenden Monaten zeigen.