An der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen spitzt sich der öffentliche Streit um die Schule weiter zu. Lehrkräfte, die zum Schuljahresbeginn anwesend waren, wenden sich gegen eine Versetzung von Schulleiter Kästel. Nach ihrer Darstellung bestanden Gewalt, Unterrichtsstörungen, Bedrohungen und Sachbeschädigungen bereits lange vor seiner Amtszeit. Zugleich räumen sie ein, dass unter Kästel Veränderungen teilweise zu schnell umgesetzt und nicht immer ausreichend erklärt worden seien.
Die Stellungnahme macht deutlich, dass die Einschätzungen innerhalb des Kollegiums auseinandergehen. Aus Sicht der Verfasser darf der Konflikt deshalb nicht auf die Frage reduziert werden, ob allein die aktuelle Schulleitung für die schwierige Lage verantwortlich ist. Im Mittelpunkt müsse vielmehr stehen, wie die Karolina-Burger-Realschule plus dauerhaft personell, pädagogisch und organisatorisch stabilisiert werden kann.
Probleme reichen nach Darstellung der Lehrkräfte weiter zurück
Die Schule wird in der Stellungnahme als großes Schulsystem mit einer teilweise besonders herausfordernden Schülerschaft beschrieben. Schwerwiegende Vorfälle habe es demnach bereits vor dem Amtsantritt von Kästel gegeben. Als Beispiel nennen die Lehrkräfte einen Toilettenbrand im Jahr 2021. Auch Bedrohungen, Zerstörungen und Erpressungen durch Schülerinnen und Schüler seien aus früheren Jahren bekannt gewesen.
Vor Kästels Amtszeit habe sich das schulische Leben nach Darstellung der Lehrkräfte im Wesentlichen auf den Unterricht konzentriert. Eine stärkere Öffnung nach außen und eine systematische Schulentwicklung seien nur wenig ausgeprägt gewesen. Das habe das Kollegium bei zusätzlichen Aufgaben entlastet. Gleichzeitig habe sich über Jahre eine Arbeitskultur entwickelt, in der neue Projekte, zusätzliche Verantwortung und Veränderungen etablierter Abläufe nur eine geringe Rolle spielten.
Viele neue Angebote – aber auch Kritik an der Umsetzung
Unter Kästel seien zahlreiche Bereiche neu aufgebaut, wiederbelebt oder erweitert worden. Dazu zählen die Lehrkräfte unter anderem den Wiederaufbau der Streitschlichtung, die Umsetzung des Startchancenprogramms, eine stärkere Berufsorientierung und den Aufbau beziehungsweise die Weiterentwicklung eines Krisenteams. Hinzu kamen ein Schulsanitätsdienst, die Ausbildung von Brandschutzhelferinnen und Brandschutzhelfern sowie eine neue Homepage.
Außerdem habe die Schule ihre Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern und Einrichtungen verstärkt. Genannt werden Hook Together, die Rapagogen, der Stadtteil Mundenheim, St. Josef im Bereich Pflege sowie Eltern, soziale Einrichtungen und die Berufsberatung. Die Kooperation mit den Rapagogen habe allerdings innerhalb des Kollegiums keine ausreichende Zustimmung gefunden.
Der grundsätzliche Ansatz, Schule nicht nur als Ort des Unterrichts zu verstehen, wird in der Stellungnahme als angesichts der sozialen und pädagogischen Herausforderungen sinnvoll beschrieben. Gleichzeitig habe die Geschwindigkeit der Veränderungen zu Konflikten geführt. Kästel habe in kurzer Zeit zahlreiche Vorhaben anstoßen wollen. Nicht alle Beschäftigten hätten sich dabei ausreichend einbezogen gefühlt. Zudem sei teilweise deutlich mehr selbstständiges und eigenverantwortliches Arbeiten erwartet worden als zuvor.
Die Verfasser halten deshalb fest, dass es bei Führung, Kommunikation und Umsetzung Fehler gegeben habe. Daraus lasse sich ihrer Ansicht nach aber nicht ableiten, dass die grundlegenden Probleme der Schule erst durch diese Fehler entstanden seien.
Lehrkräfte warnen vor Folgen für Schülerinnen und Schüler
Besonders belastend sei die Situation für die Lehrkräfte, die den Schulbetrieb derzeit aufrechterhalten. Trotz der personellen Schwierigkeiten werde versucht, möglichst viel Unterricht und schulischen Alltag anzubieten. Zusätzlich müssten organisatorische Aufgaben übernommen und kurzfristige Lösungen gefunden werden.
Nach Ansicht der Lehrkräfte geraten dabei die Schülerinnen und Schüler zu stark aus dem Blick. Die große Mehrheit der Jugendlichen habe mit den öffentlich bekannt gewordenen Vorfällen nichts zu tun. Dennoch müsse sie mit dem Ruf leben, eine bundesweit als besonders problematisch dargestellte Schule zu besuchen. Eine dauerhaft negative Wahrnehmung könne insbesondere für Jugendliche problematisch sein, die einen Schulabschluss erreichen und anschließend einen Ausbildungsplatz finden möchten.
Gefährdet seien zudem Angebote, die Schülerinnen und Schülern zusätzliche Perspektiven eröffnen sollen. Dazu zählen Berufsorientierung, Kooperationen mit Unternehmen und Einrichtungen, sozialpädagogische Projekte, Präventionsangebote und ein aktives Schulleben.
Gefordert wird langfristige Unterstützung
Ein alleiniger Wechsel von Personen werde die Probleme voraussichtlich nicht lösen, heißt es in der Stellungnahme. Vorgeschlagen werden eine engmaschige Begleitung durch Schulaufsicht und Schulträger, professionelle Supervision für Schulleitung und Kollegium sowie eine externe Moderation zur Aufarbeitung des verhärteten Konflikts.
Als weitere mögliche Schritte nennen die Lehrkräfte erfahrene Schulmanager oder zusätzliche Führungskräfte, eine Stärkung multiprofessioneller Teams, ausreichend Schulsozialarbeit und sozialpädagogische Unterstützung sowie zusätzliche Hilfe bei der Schul- und Organisationsentwicklung. Nötig seien außerdem klare Zuständigkeiten und ein langfristiger Entwicklungsprozess statt kurzfristiger Einzelmaßnahmen.
Die Stellungnahme stellt damit die Frage in den Mittelpunkt, welche dauerhaften Strukturen die Karolina-Burger-Realschule plus benötigt. Die erheblichen Probleme sollten weder verharmlost noch allein einer Person zugeschrieben werden, lautet die zentrale Botschaft. Entscheidend sei, dass die Schülerinnen und Schüler wieder die Unterstützung und Bildung erhalten, die ihnen zustehen.