Nach wiederholten Feueralarmen, Unterrichtsausfällen und Berichten über Reizgas und Gewalt soll an der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen ein umfassender Neustart beginnen. Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU) kündigte am 3. September 2026 an, dass der Schulleiter bereits Mitte des Monats an eine andere Schule abgeordnet werden soll. Die bisherige Konrektorin soll zunächst die Leitung übernehmen.

Auch zwei weitere Lehrkräfte müssen die Schule verlassen. Eine von ihnen gehört dem Schulleitungsteam an und soll versetzt werden. Bei der Vorstellung der Maßnahmen waren unter anderem der Leiter der Schulaufsicht, ADD-Chef Andreas Kruppert, und Bildungsstaatssekretärin Jenny Groß an der Schule. Parallel informierte Eiling-Hütig den Bildungsausschuss des Landtags.

Ministerium beantragt Auflösung des Personalrats

Der Eingriff betrifft nicht nur die Schulleitung. Das Bildungsministerium hat beim Verwaltungsgericht Mainz beantragt, den örtlichen Personalrat aufzulösen. Nach Darstellung der Ministerin habe die Personalvertretung gesetzliche Pflichten verletzt. Dazu gehöre etwa die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Dadurch sei der Schulfrieden gefährdet worden.

Eiling-Hütig bezeichnete die beantragte Auflösung als Ultima Ratio und sagte, dieser Schritt sei ihr nicht leichtgefallen. Zusätzlich gilt für Lehrkräfte nach Einzelfallprüfung künftig eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag. Hintergrund ist eine Situation zu Beginn des Schuljahres: Etwa ein Drittel der Lehrkräfte hatte sich krankgemeldet.

Mehr Unterstützung für auffällige Schüler und Abschlussklassen

Die Bildungsministerin widersprach der Darstellung, die gesamte Schülerschaft sei das Kernproblem. Sie verwies auf viele engagierte und positiv eingestellte Schülerinnen und Schüler. Zugleich gebe es wenige Jugendliche, die durch stark auffälliges Verhalten über die Stränge schlügen. Für diese Schüler seien Hilfen der Jugendhilfe vorgesehen; je nach Fall könnten auch Sanktionen folgen.

Die Schule soll drei weitere sozialpädagogische Fachkräfte bekommen. Beschäftigte der Schulaufsicht und des Pädagogischen Landesinstituts waren laut Ministerium bereits ab Donnerstag vor Ort. Außerdem werden laufende Projekte und Konzepte überarbeitet, darunter Angebote zur Berufsorientierung und zur Schulsozialarbeit. Lehrkräften soll Supervision angeboten werden.

Nach Einschätzung Eiling-Hütigs haben die bisherigen Unterstützungsangebote vor allem wegen der personellen Konstellation an der Schule nicht die gewünschte Wirkung erzielt. Dies sei nicht die Schuld einzelner Personen. Künftig müssten die Schülerinnen und Schüler wieder stärker im Mittelpunkt stehen, weil sie angesichts der öffentlichen Debatte zunehmend aus dem Blick geraten seien.

Besondere Sorgen in den Abschlussklassen

Für die Abschlussklassen kündigte das Ministerium besondere Unterstützung an. Schülerinnen und Schüler hätten wegen der negativen medialen Darstellung ihrer Schule Sorge geäußert, keinen Ausbildungsplatz zu finden. Je nach Größe sollen die Abschlussklassen zusätzliches Personal und Angebote zur Verbesserung der Deutschkenntnisse erhalten.

Die Ministerin formulierte als Ziel, dass die Schüler am Ende des Jahres trotz der aktuellen Krise sagen können: „Es war doch noch schön an der Karolina-Burger-Realschule.“ Damit verbindet das Ministerium den personellen Umbau mit der Hoffnung, den Schulalltag zu stabilisieren und den Blick wieder auf Bildung und Abschlüsse zu richten.

Streit über Sicherheitslage und politische Verantwortung

Eine Forderung nach mehr Sicherheitspersonal an der Schule wies Eiling-Hütig zurück. Der AfD-Abgeordnete Joachim Paul hatte von Schutzgelderpressungen gesprochen. Die Ministerin bezeichnete diese Darstellung als nicht verifizierte Gerüchte. Weder Polizei noch Schulaufsicht oder Schulleitung hätten entsprechende Vorwürfe bestätigt.

Die Grünen begrüßten die angekündigten Maßnahmen. Die bildungspolitische Sprecherin Katharina Binz kritisierte zugleich, die CDU habe selbst erheblich dazu beigetragen, dass Schulen in den vergangenen Monaten in die Schlagzeilen geraten seien. Im Landtag habe die CDU drei aktuelle Debatten beantragt und die Karolina-Burger-Realschule zum Wahlkampfthema gemacht.

Für die Ludwigshafener Schule stehen damit kurzfristig mehrere Veränderungen an: eine neue kommissarische Leitung, personelle Versetzungen, die gerichtliche Prüfung zur Auflösung des Personalrats, zusätzliche sozialpädagogische Kräfte sowie Hilfen für Abschlussklassen. Auslöser der Debatte waren laut Bericht wiederkehrende Feueralarme, Feuerwehreinsätze, Unterrichtsausfälle sowie Vorwürfe und Beschwerden rund um die Schule.