An der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen-Mundenheim fällt auch in dieser Woche viel Unterricht aus. In der zweiten Schulwoche waren am Montag 17 Lehrkräfte krankgemeldet – etwa ein Drittel des Kollegiums. Nach Angaben des SWR umfasst das Lehrerkollegium insgesamt 54 Personen. Bereits zum Schuljahresbeginn hatten sich zeitweise bis zu 15 Lehrkräfte an einem Tag krankgemeldet.

Drei Lehrkräfte schilderten dem SWR anonym, dass sich die Lage an der Schule in den vergangenen Monaten kaum verändert habe. Der Schulalltag sei weiterhin von Gewalt und Vandalismus geprägt. Die Lehrkräfte erklärten, sie wollten der Schule fernbleiben, solange der Schulleiter im Dienst bleibe und von Schulaufsicht und Bildungsministerium keine ausreichende Unterstützung komme.

Berichte über Gewalt, Alarme und Polizeieinsätze

Die Schule war bereits im vergangenen Jahr bundesweit in die Schlagzeilen geraten. In einem anonymen Brandbrief hatten Lehrkräfte im Oktober von Vandalismus und täglicher Gewalt berichtet. Genannt wurden unter anderem Amokalarme, Messerangriffe auf Lehrer, Reizgasattacken und falsche Feueralarme. Zeitweise sei die Polizei täglich auf dem Schulhof und im Gebäude gewesen.

Auch zuletzt habe es wieder einen falschen Feueralarm gegeben. Nach Angaben der interviewten Lehrkräfte rückte die Feuerwehr am vergangenen Freitag erneut aus. Sie berichteten außerdem von Beschimpfungen auf den Fluren, Rangeleien und körperlichen Auseinandersetzungen unter Schülern.

„Bis ich zu meiner Klasse gegangen bin, habe ich auf dem Schulflur und in anderen Klassen schon X-Beleidigungen gehört, wie „Halts Maul“ und Schlimmeres. Schüler schubsen sich, verhauen sich gegenseitig, nehmen sich gegenseitig in den Schwitzkasten. Ganz normaler Alltag bei uns“

Eine Lehrkraft sagte dem SWR, Schüler begingen täglich Straftaten. Sanktionen seien im Alltag kaum vollständig umzusetzen. Im Schnitt gebe es bis zu sieben Klassenkonferenzen pro Woche. Daran nähmen Fachlehrer, Eltern des betroffenen Schülers, der Schulelternbeirat und der Sozialarbeiter teil. Ziel sei es, einen Schüler für einige Tage vom Unterricht auszuschließen.

Nach Darstellung der Lehrkräfte lasse sich ein gewalttätiger Schüler davon nur selten beeindrucken. Viele freuten sich sogar darüber, der Schule offiziell fernbleiben zu dürfen. Auch das Interesse der Eltern an einem Schulausschluss sei demnach häufig gering.

Unterrichtsausfall durch Krankheit und Versetzungen

Zusätzlich zum hohen Krankenstand fehlen nach Angaben der Lehrkräfte zwei Vollzeitkräfte. Sie seien in den Ferien von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, kurz ADD, an andere Schulen versetzt worden. Die betroffenen Lehrkräfte hätten teilweise seit Jahrzehnten an der Karolina-Burger-Schule gearbeitet und die Schule nicht verlassen wollen.

Die Lehrkräfte vermuteten einen Zusammenhang mit Dienstaufsichtsbeschwerden gegen die Schulleitung. Die ADD in Trier wies den Begriff „Zwangsversetzung“ jedoch zurück. Eine Sprecherin erklärte, die Behörde versetze niemanden auf diese Weise. Als Landesbehörde habe sie aber grundsätzlich das Recht und die Möglichkeit, verbeamtete und angestellte Lehrkräfte entsprechend den dienstlichen Bedürfnissen an eine andere Schule in Rheinland-Pfalz zu versetzen. Warum die beiden Lehrkräfte versetzt werden sollen, erklärte die ADD laut SWR nicht.

Bei der Zahl der fehlenden Lehrkräfte gibt es unterschiedliche Angaben: Die Aufsichtsbehörde sprach für die Vorwoche von neun fehlenden Lehrkräften, während die interviewten Lehrkräfte für den Montag der zweiten Schulwoche 17 Krankmeldungen nannten.

Sonderstundenplan und weitere Unterstützung angekündigt

Der Unterricht war zu Beginn des Schuljahres nach einem Sonderstundenplan organisiert. Damit sollte den Schülerinnen und Schülern die Rückkehr nach den Ferien erleichtert werden. Außerdem gab es wegen der Hitze Kurzstunden. Nach Angaben der interviewten Lehrkräfte mussten Klassen zwischenzeitlich dennoch ganze Tage zu Hause bleiben.

Die ADD bestätigte den Sonderstundenplan und verwies zusätzlich auf die hitzebedingten Kurzstunden. Zugleich kündigte die zuständige Aufsichtsbehörde laut SWR bessere Unterstützung und eine bessere Ausstattung der Realschulen plus in Ludwigshafen an. Wie diese Unterstützung konkret aussehen soll, geht aus dem vorliegenden Bericht nicht hervor.

Für Schülerinnen und Schüler sowie ihre Familien bedeutet die angespannte Personalsituation zunächst, dass auch in der laufenden Woche mit Unterrichtsausfall gerechnet werden muss. Der SWR berichtet, dass der Schulstart trotz der Belastungen zunächst nach dem vorgesehenen Sonderstundenplan begonnen hatte.