Am Carl-Bosch-Gymnasium Ludwigshafen sind Smartphones seit Beginn des Schuljahres während des gesamten Schulalltags tabu. Die Geräte müssen ausgeschaltet in der Tasche bleiben – auch in den Pausen. Nach den ersten Wochen fällt die Bilanz überwiegend positiv aus: Nur noch selten müssen Schülerinnen und Schüler an die Regel erinnert werden.

Die Schule geht damit dem für Rheinland-Pfalz angekündigten landesweiten Verbot voraus. Ab Februar 2027 soll es eine gesetzliche Regelung zur privaten Handynutzung an Schulen geben. Bis zur elften Klasse sollen Handys dann verboten sein.

Weniger Bildschirmzeit und mehr Konzentration

Schulleiter Herr Nykiel beobachtet vor allem in den Hofpausen eine deutliche Veränderung. „Man sieht die Veränderung in der Pause, das Bild ist schon ein anderes. Davor waren die Kinder überwiegend am Handy in den Hofpausen, vor allem dann, wenn sie in den Fluren waren, oder wenn man als Lehrer in den Unterrichtsraum reingekommen ist, dann saßen die Kinder meistens am Handy.“

Wie stark die Regel die tägliche Nutzung beeinflussen kann, berichtet Luana aus der sechsten Klasse. Ihre Bildschirmzeit liege nun bei ein bis zwei Stunden am Tag; zuvor seien es bis zu zehn Stunden gewesen. Tamira nimmt vor allem eine bessere Konzentration wahr: „Ich bin mehr konzentriert, ich bin weniger hibbelig.“

Auch für Eymen ist der Unterschied deutlich. Er bleibt an langen Schultagen bis 16 Uhr in der Schule und sagt: „Jetzt ist es eine große Änderung in diesem Schuljahr, weil ich bis vier Uhr Schule habe.“

Mehr Gespräche und gemeinsames Spielen

In den Pausen werden Videos und YouTube-Shorts offenbar häufiger durch gemeinsame Aktivitäten ersetzt. Luana beschreibt den Wandel so: „Früher hat niemand miteinander gesprochen.“ Heute werde in ihrer Klasse mehr miteinander geredet und gespielt. Martin berichtet ebenfalls, dass seine Mittagspausen früher oft aus dem Ansehen von YouTube-Shorts bestanden. Nun seien die Pausen aktiver.

Lehrerin Janna Frei beobachtet mehr soziale Kontakte unter den Kindern. „Die Kinder haben endlich mehr Zeit für echte Beziehungen und weniger Gedaddel und weniger Reizüberflutungen durch die digitalen Medien.“ Die Schülerinnen und Schüler suchten sich demnach neue Beschäftigungen und seien auf dem Schulhof häufiger unterwegs.

Früher seien viele Bänke und Sitzmöglichkeiten von Kindern besetzt gewesen, die dort auf ihre Smartphones schauten. Tamira fasst ihre Erfahrung zusammen: „Heute laufen wir mehr rum, wir haben neue Freunde gefunden.“

Erfahrungen mit Blick auf 2027

Das Carl-Bosch-Gymnasium zeigt mit seiner früh eingeführten Regel, wie sich der Schulalltag ohne private Smartphone-Nutzung verändern kann. Für viele Schülerinnen und Schüler bedeutet weniger Handy nach den vorliegenden Erfahrungen nicht weniger Spaß, sondern mehr Gespräche, gemeinsames Spielen und neue Kontakte.

Mit der geplanten gesetzlichen Regelung ab Februar 2027 könnten solche Vorgaben künftig an weiteren Schulen in Rheinland-Pfalz gelten. Die Ludwigshafener Schule sammelt bis dahin bereits praktische Erfahrungen mit einer handyfreien Schulzeit – einschließlich der Pausen.