Das Übernahmeangebot der Ludwigshafener BASF an Evonik ist beim Essener Spezialchemiekonzern auf deutliche Kritik gestoßen. Finanzchef Michael Rauch bezeichnete den Zeitpunkt der Veröffentlichung als „wirklich merkwürdig“ und erklärte, Evonik sei stark genug, seine Entwicklung selbst weiter voranzutreiben.
Die BASF hatte ihre Übernahmepläne öffentlich gemacht, kurz nachdem Evonik mitgeteilt hatte, dass Vorstandschef Christian Kullmann krankheitsbedingt vorübergehend ausfällt. Rauch äußerte sich anschließend in einem Video auf dem Netzwerkportal LinkedIn. Die Stellungnahme wurde auf Englisch gehalten.
Evonik will eigenständig bleiben
Rauch stellte Evonik als starkes Unternehmen und weltweit führenden Anbieter in der Spezialchemie dar. Dass der Konzern deshalb für andere Unternehmen interessant sei, könne er nachvollziehen. Zugleich betonte der Finanzchef, Evonik sei „groß genug“ und „stark“ und werde derzeit weiter gestärkt.
Bereits in der vergangenen Woche hatte Evonik erklärt, nach den bislang vorliegenden Informationen nicht mit BASF über eine Übernahme verhandeln zu wollen. Der Vorstand konzentriere sich auf die Weiterentwicklung des Unternehmens als eigenständiger Konzern.
Ausgeschlossen ist ein Kontakt zwischen beiden Unternehmen jedoch nicht vollständig: Evonik zeigte sich offen für einen rein informativen und vertraulichen Austausch mit BASF über die jeweiligen Positionen.
Quartalszahlen verbessern Ausblick
Die Äußerungen fielen zeitgleich mit der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal. Evonik meldete einen deutlichen Anstieg des operativen Gewinns und blickt deshalb etwas optimistischer auf das Gesamtjahr. Das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) soll nun in der oberen Hälfte der angehobenen Spanne von 2,0 bis 2,2 Milliarden Euro liegen.
Auch BASF ging nach Angaben des Berichts besser als erwartet aus dem dritten Quartal hervor. Der Ludwigshafener Konzern hob deshalb sein Ziel für 2026 erneut an. Welche konkreten nächsten Schritte BASF und Evonik im Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot unternehmen, bleibt nach den vorliegenden Informationen offen.