Der Tod des aus Ludwigshafen stammenden Zugbegleiters Serkan Çalar hat bei der DB Regio Rhein-Neckar eine neue Sicherheitsdebatte ausgelöst. Der 36-Jährige war Anfang Februar nach einer Fahrscheinkontrolle in einem Regionalzug nahe Landstuhl niedergeschlagen worden und starb zwei Tage später an seinen Verletzungen.
Çalars Dienstort war Mannheim. Dort soll am Freitag am Hauptbahnhof eine Gedenktafel für den Bahnmitarbeiter enthüllt werden. Zugleich fordert der Betriebsrat eine konkrete Änderung im Arbeitsalltag: Zugbegleiter sollen in Regionalzügen künftig nicht mehr allein, sondern grundsätzlich in Zweier-Teams unterwegs sein.
Betriebsrat will Einzelbesetzungen ablehnen
Der Betriebsratsvorsitzende der DB Regio Rhein-Neckar und EVG-Mitglied Thorsten Weske setzt auf eine sogenannte Tandemlösung. Diese wird nach Angaben des Berichts testweise bereits in Rheinland-Pfalz eingesetzt. Nach Weskes Einschätzung hat sie das Sicherheitsgefühl der Beschäftigten deutlich verbessert.
Sollte die flächendeckende Einführung bei der DB Regio Rhein-Neckar ausbleiben, will Weske ab Januar Dienstpläne ablehnen, in denen Kundenbetreuer im Nahverkehr allein eingeplant sind. Für die Beschäftigten wäre das eine direkte Veränderung der Einsatzplanung; für die Bahn könnte die Forderung Auswirkungen auf die Organisation des Regionalverkehrs haben.
Mehr Übergriffe, zusätzliche Schutzmaßnahmen
Der Fall aus dem Raum Landstuhl hat bundesweit die Frage verschärft, wie Bahnmitarbeiter bei Kundenkontakten geschützt werden können. Nach Angaben der Deutschen Bahn gab es allein in der ersten Hälfte des Jahres 2026 rund 1.000 Übergriffe. Das waren zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 22 Bahnmitarbeiter wurden schwer verletzt.
Als weitere Schutzmaßnahme können Beschäftigte mit Kundenkontakt bei der Deutschen Bahn Bodycams tragen. Mehr als 90 Prozent der Mitarbeitenden bei DB Regio haben laut Bericht bereits eine Schulung dafür erhalten. Ab dem 5. Oktober soll zudem getestet werden, ob die Geräte auch Ton aufzeichnen.
Weske unterstützt Bodycams und Tonaufnahmen, weist aber darauf hin, dass sie nicht immer abschreckend oder deeskalierend wirken. Kundenbetreuer müssen deshalb an Deeskalationsschulungen teilnehmen. Seit Juli sind laut Bahn außerdem einige Beschäftigte mit Schutzwesten unterwegs.
Alkoholverbot an Bahnhöfen geplant
Bis zum 15. Oktober soll bundesweit ein Alkoholverbot an Bahnhöfen umgesetzt werden. Modellprojekte hätten nach Angaben der Deutschen Bahn gezeigt, dass dadurch Konflikte und Auseinandersetzungen zurückgehen können. Ob ein solches Verbot auch für Regionalzüge gilt, ist dem Bericht zufolge noch offen. Am Mannheimer Hauptbahnhof besteht bereits ein Alkoholverbot.
Weske bezweifelt jedoch, dass ein Alkoholverbot allein die Sicherheit in Zügen gewährleistet. Während an Bahnhöfen Sicherheitsdienste und Bundespolizei eingesetzt werden, seien Zugbegleiter in den Regionalzügen auf sich allein gestellt.
Unterstützung kommt für die Sicherheitsdebatte auch aus der Bundespolitik. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat härtere Strafen für Angriffe auf Beschäftigte von Bahnunternehmen, Feuerwehrleute, Gerichtsvollzieher und medizinisches Personal angekündigt. Vorgesehen sind mindestens sechs Monate Freiheitsstrafe, in besonders schweren Fällen mindestens ein Jahr.