Ein preisgekröntes Historiendrama kommt nach Ludwigshafen: Das Festival des deutschen Films zeigt Paweł Pawlikowskis neuen Film Vaterland am 31. August um 15.15 Uhr im Zeltkino B auf der Parkinsel. Im Mittelpunkt stehen Thomas Mann und seine Tochter Erika Mann, die 1949 erstmals aus dem amerikanischen Exil nach Deutschland zurückkehren.
Die Reise führt von Frankfurt am Main bis nach Weimar. Anlass ist der 200. Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes. Für die beiden Rückkehrer wird die Fahrt durch ein Land, das vom Krieg zerstört ist, zur Begegnung mit einem schwierigen Neuanfang, moralischer Erschütterung und einer vielfach verdrängten Vergangenheit.
Film über Exil, Erinnerung und einen schwierigen Neuanfang
Vaterland ist dabei kein klassisches Biopic. Regisseur Paweł Pawlikowski richtet den Blick auf die innere Verfassung eines Landes im Übergang. Historische Begegnungen und private Konflikte verdichtet er zu einem stillen Roadmovie über Erinnerung, Exil und das Spannungsverhältnis zwischen Kunst und politischer Verantwortung.
Besonders wichtig sind die Gespräche zwischen Thomas und Erika Mann. In ihren Dialogen entfaltet der Film seine emotionale Wirkung und stellt zugleich Fragen, die über die konkrete Reise hinausreichen: Wem gehört kulturelle Erinnerung? Welche Verantwortung trägt Kunst in politisch angespannten Zeiten? Und wie kann man in eine Heimat zurückkehren, die in dieser Form nicht mehr existiert?
Mit dem Stoff bleibt Pawlikowski einem zentralen Motiv seiner bisherigen Arbeit treu: den Nachwirkungen europäischer Geschichte auf individuelle Lebensläufe. Vaterland blickt auf die frühen Jahre der Bundesrepublik und verbindet diese historische Perspektive mit persönlichen Spannungen innerhalb der Familie Mann.
Gespräch mit Drehbuchautor in Ludwigshafen erwartet
Für die Vorführung in Ludwigshafen wird auch Drehbuchautor Henk Handloegten erwartet. Er soll dem Publikum für Gespräche und Interviews zur Verfügung stehen. Damit bietet der Termin auf der Parkinsel nicht nur die Gelegenheit, den Film vor dem regulären Kinostart zu sehen, sondern auch einen möglichen Einblick in seine Entstehung.
Der Film ist das achte Spielfilmwerk des Regisseurs. Pawlikowski wurde durch Filme wie IDA und Cold War – Der Breitengrad der Liebe bekannt. Mit Vaterland widmet er sich erneut einer historischen Rückkehr, die von politischen und persönlichen Spannungen geprägt ist.
Premiere beim Festival, Kinostart im September
Seine Festivalreise hat der Film bereits mit einem wichtigen Erfolg begonnen. Nach der Weltpremiere im Wettbewerb der 79. Internationalen Filmfestspiele von Cannes erhielt Pawlikowski dort den Regiepreis. Der Wettbewerbspreis zählt zu den bedeutenden Auszeichnungen des Festivals.
Die Besetzung verbindet etablierte Namen des deutschen Films mit Schauspielern der Gegenwart. Zum Ensemble gehören Hanns Zischler, Sandra Hüller, August Diehl, Devid Striesow, Joachim Meyerhoff, Fritzi Haberlandt, Milan Peschel und Enno Trebs.
Wer die Vorführung beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen verpasst, muss nicht lange warten: Der bundesweite Kinostart ist für den 3. September im Verleih von Neue Visionen angekündigt.