Weniger Verkehr im Quartier, mehr Platz für Menschen: In der Ludwigshafener Innenstadt sollen in den kommenden Jahren sogenannte Superblöcke entstehen. Das Konzept betrifft den Bereich innerhalb des City-Rings aus Helmut-Kohl-Allee, Rheinuferstraße, Zollhofstraße, Wredestraße und Heinigstraße und ist bereits im Innenstadtentwicklungskonzept sowie im Rahmenplan der City West vorgesehen.

Die Grundidee: Der Autoverkehr soll auf leistungsfähigen Straßen rund um die Blöcke gebündelt werden. Innerhalb der Quartiere gäbe es für Autos kein direktes Durchkommen mehr. Einbahnstraßen und Diagonalsperren würden den Verkehr auf Umwege lenken – über einzelne Durchfahrtsstraßen oder hufeisenförmige Routen. Anlieger und Gewerbetreibende sollen ihre Ziele weiterhin erreichen können, allerdings teilweise nur im Schritttempo.

Was sich für Verkehr und Parken ändern könnte

Im Inneren der Superblöcke wäre ein Netz verkehrsberuhigter Straßen vorgesehen. Fußgänger und Radfahrer hätten dort Vorrang. Radfahrer könnten die Achsen in beide Richtungen nutzen, während Autos in Einbahnstraßen geführt würden. Nach dem Vorbild anderer Städte könnte durch die geänderte Verkehrsführung zugleich mehr Platz zum Parken entstehen, etwa für quer zur Fahrbahn abgestellte Fahrzeuge.

Für Anwohner soll das Parken in Ludwigshafen trotz einer gezielten Parkraumbewirtschaftung weiterhin in Tiefgaragen möglich sein. Das geht aus der Darstellung des Konzepts hervor. Wie die Regelungen im Einzelnen aussehen und wann welche Maßnahmen umgesetzt werden, wird in dem Beitrag jedoch nicht ausgeführt.

Ein wichtiger Teil der Planung ist die Bismarckstraße. Sie soll sich Radfahrern und Fußgängern teilen und zu einem Nachbarschaftsboulevard werden. Vorgesehen sind Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität, Nahversorgung und Freizeitangebote. Auch für Kinder und junge Menschen sollen konsumfreie Orte zum Spielen entstehen.

Mehr Grün und weniger versiegelte Flächen

Superblöcke sollen nicht nur den Verkehr beruhigen, sondern auch die dicht bebaute Innenstadt ökologisch aufwerten. Wo Straßenflächen entsiegelt werden, könnten Bäume gepflanzt werden. Das soll einzelne Straßen im Sommer abkühlen und neue Verbindungen zwischen den innerstädtischen Grünstrukturen schaffen.

Genannt werden Entsiegelungen am Europaplatz, am Ludwigsplatz, am Friedrich-Wagner-Platz, am Küblerplatz, am Bürgerhof und am Kornmarkt. Das Planungskonzept des Büros Adept sieht außerdem Bäume und Entsiegelungen unter anderem an der Ludwigstraße, der Berliner Straße und der Bismarckstraße vor.

In den Blöcken könnten geschützte, begrünte Gemeinschaftshöfe entstehen. Zusätzlich wäre im Straßenraum mehr Platz für Außengastronomie und soziale Treffpunkte. Die Vernetzung solcher Freiräume gilt laut Stadt als besonders wichtig, weil die Kohl-Allee eine Barriere zwischen den Nachbarschaften Hemshof und City bildet.

Erfahrungen aus Wien und Barcelona

Der Beitrag verweist auf Erfahrungen aus europäischen Städten. In Wien werden Superblöcke unter anderem mit ausreichend Parkraum und gemeinsam genutzten Straßen für Rad- und Fußverkehr verbunden. Das Beispiel des Viertels Josefstadt zeigt, dass eine gemeinsame Nutzung ohne Konflikte möglich sein kann.

Aus Barcelona werden Bewohnerumfragen angeführt. Demnach identifizierten sich Menschen nach der Umsetzung stärker mit ihrem Wohnquartier und nutzten verkehrsberuhigte Straßen und Plätze häufiger für Sport und Treffen mit Nachbarn. Weniger Lärm und eine bessere Luftqualität wirkten sich dort positiv auf Schlaf und Gesundheit aus.

Gleichzeitig ist Widerstand möglich. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen laut Beitrag, dass Superblöcke nur in einem engen und vermittelnden Dialog umgesetzt werden können. Besonders Gewerbetreibende und einzelne Anwohner hätten dort teilweise Bedenken geäußert, während sich andere Bewohner – darunter Radfahrer – ein besseres Radnetz wünschen.

Für Ludwigshafen bedeutet das: Die Superblöcke sind als langfristiges Stadtentwicklungskonzept angelegt, nicht als kurzfristige Verkehrssperre. Entscheidend wird sein, wie die Verkehrsführung, das Parken, die Erreichbarkeit von Geschäften und die Gestaltung der neuen Freiräume konkret ausgearbeitet werden.