Weniger Autoverkehr, mehr Bäume und kühlere Plätze: In Ludwigshafen soll ein Teil der City West in den kommenden 20 Jahren nach dem Prinzip des Superblocks umgestaltet werden. Auch die Neubebauung rund um die Kohl-Allee ist für dieses Modell vorgesehen. Das Konzept verbindet eine veränderte Verkehrsführung mit dem Schwammstadtprinzip.
Das Vorbild stammt aus Barcelona und wird inzwischen auch in Städten wie Leipzig und Stuttgart erprobt. In einem Superblock fahren Autos nicht mehr auf breiten, geraden Straßen durch das gesamte Wohnquartier. Stattdessen führen Einbahnstraßen meist in hufeisenförmigen Schleifen um einen Block. Innerhalb des Quartiers wird der Verkehr beruhigt; häufig gelten dort Geschwindigkeitsbegrenzungen von 10 oder 20 Kilometern pro Stunde.
Weniger Durchgangsverkehr, mehr Platz im Quartier
In vielen Ludwigshafener Quartieren verlaufen die Straßen zwischen den Blöcken heute noch zweispurig. Im Superblock soll der Autoverkehr dagegen auf einspurige Straßen gelenkt und verlangsamt werden. Dadurch könnten Flächen frei werden, die bislang für Fahrbahnen oder parkende Autos gebraucht werden. Vorgesehen sind dort unter anderem Begrünung, Bäume und entsiegelte Bereiche.
Studien aus Barcelona berichten laut dem Beitrag von Auswirkungen auf Lärm, Luftqualität, Gesundheit und das Zusammenleben. Bewohnerinnen und Bewohner schliefen demnach besser, weil der Lärm zurückging. Die Wahrscheinlichkeit und Schwere von Unfällen sei um 25 Prozent gesunken. Öffentliche Plätze würden häufiger genutzt, was die Quartiere belebe und Begegnungen zwischen Nachbarn erleichtere. Auch Joggen und andere sportliche Aktivitäten seien beliebter geworden.
Die Erfahrungen zeigen demnach zugleich, dass die Wirkung besonders dann eintritt, wenn Superblocks großflächig umgesetzt werden. Auf stark befahrenen Hauptstraßen blieben Fußgänger dagegen durch den dichten Verkehr belastet. Auch das Parken auf Gehwegen werde dort weiterhin als Problem wahrgenommen.
„Bewohner stiegen gerne aufs Rad um oder machten die Wege zu Fuß lieber. Das erlebten sie als weniger Stress als Autofahrten im ehemaligen autozentrierten Quartier, allerdings nur, solange in den Straßen kaum Autos unterwegs waren.“
Bismarckstraße und Ludwigstraße im Blick
Für die neue City West sieht der Rahmenplan bereits verkehrsberuhigte Bereiche vor. Teile der Innenstadt, darunter die Bismarckstraße, sollen danach komplett beruhigt bleiben. Außerdem wird in städtischen Gremien über eine vollständige Verkehrsberuhigung der Ludwigstraße diskutiert. Die S-Bahnlinie 7 soll den Platz weiterhin queren können.
Der Umbau ist allerdings kein kurzfristiges Verkehrsprojekt. Bis zur Umsetzung in der neuen City West werden nach dem Beitrag noch viele Jahre vergehen. Bis dahin dürfte die Forschung weitere Hinweise liefern, welche Elemente des Superblocks im Alltag funktionieren.
Superblock als Antwort auf die Hitze in der Innenstadt
Neben Verkehr und Aufenthaltsqualität geht es in Ludwigshafen auch um die zunehmende sommerliche Hitze. Die City wird bereits heute als Hitzeinsel beschrieben. Nach Angaben des Bereichs Klima leben dort besonders viele ältere Menschen und Menschen mit geringem Einkommen. Diese Gruppen könnten durch eine steigende Zahl von Hitzetagen gesundheitlich stärker belastet werden als jüngere Menschen mit höherem Einkommen.
Neue Grünflächen sollen deshalb nicht nur das Straßenbild verändern. Auf entsiegelten Flächen kann Regenwasser versickern, statt in die Kanalisation abzufließen. Verdunstet das Wasser nachts, kühlt es die Umgebung. Zugleich steht es Bäumen zur Verfügung, die durch ihre Verdunstungsleistung zusätzlich zur Abkühlung beitragen können.
Auch Fassadenbegrünung ist Teil des Ansatzes. Bodengebundenes Grün an Gebäuden kühlt laut dem Beitrag effektiver als wandgebundene Begrünung. So könnte das Schwammstadtprinzip nicht nur in Neubaugebieten, sondern langfristig auch in dicht bebauten Bestandsquartieren eingesetzt werden.