In der Ludwigshafener Gartenstadt steht ein besonderes Kirchenjubiläum bevor: Die Siedlungskirche St. Hildegard wird 70 Jahre alt. Die Gemeinde erinnert am Sonntag, 1. November, mit einem Familiengottesdienst an die Weihe des Gotteshauses. Beginn ist um 11 Uhr, anschließend ist ein Umtrunk geplant. Eingeladen sind die Gemeinde und alle Menschen, die sich der Kirche auf ihre Weise verbunden fühlen.

St. Hildegard wurde am 4. November 1956 geweiht. Seit sieben Jahrzehnten kommen in der Kirche Menschen aus der Siedlung zusammen. Viele von ihnen haben das Gemeindeleben aufgebaut und über die Jahre mitgetragen. Der Gottesdienst soll deshalb nicht nur an die Geschichte zurückblicken, sondern auch den Blick auf die Zukunft der Gemeinde richten. Das teilt das Stadtdekanat mit.

Eine Kirche, die aus Eigenleistung entstand

Die Geschichte des Gotteshauses beginnt mit der Niederfeld-Siedlung, die ab 1932 entstand. Die Bewohner bauten ihre kleinen Siedlerhäuser weitgehend selbst. Eine eigene Kirche war zunächst bereits für 1939 vorgesehen. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs verhinderte dieses Vorhaben jedoch.

Nach dem Krieg griff Kaplan Bernardin Sahner die Idee wieder auf. Im Herbst 1946 schenkte die BASF der katholischen Gemeinde eine alte Gefangenenbaracke. Sie diente zunächst als Notkirche, wurde aber bald zu klein, weil die Gemeinde wuchs.

Am 19. Juni 1955 erfolgte der erste Spatenstich für den Neubau. Wieder halfen die Siedler selbst mit: Mehr als 7000 Stunden freiwilliger Arbeit flossen in das Projekt. Ihre Erfahrungen vom Bau der eigenen Häuser konnten sie dabei nutzen. St. Hildegard wurde schließlich das erste feste Gotteshaus der Siedlung.

Architektur mit Denkmalschutz

Entworfen wurde die Kirche vom Ludwigshafener Architekten Heinrich Hebgen. Anders als bei einer klassischen Kirche ist das Kirchenschiff fächerförmig angelegt und wird zum Altar hin schmaler. Der Stahlbetonkern ist mit gelblich-rotem Sandstein verkleidet. Einzelne Steine sind kreuzförmig in die Fassade eingesetzt.

Besonders auffällig ist der erhöhte Mittelteil mit seiner großen Fensterwand. Dort ist die heilige Hildegard, die Namenspatronin der Kirche, dargestellt. Im Innern zeigen zehn runde Fenster an den Längsseiten in gedämpften Grün- und Grautönen die Zehn Gebote. Im Altarraum finden sich Fenster mit Zeichen der Sakramente und ein großes Holzkreuz. Wird es beleuchtet, entstehen durch die Schatten an den Seiten die Umrisse einer Kreuzigungsgruppe.

Seit 1993 steht St. Hildegard unter Denkmalschutz. Heute gehört die Kirche zur Pfarrei Heilige Katharina von Siena.

Neuer Altar aus altem Kirchenholz

Ein jüngeres Kapitel der Kirchengeschichte begann 2023 in einer Garage neben der Kirche. Gemeindemitglied Frieder Metz baute dort ab Januar einen neuen Altar. Dafür verwendete er Holz aus ausgemusterten Kirchenbänken, Holz aus dem Kloster St. Hildegard in Eibingen sowie ein Stück aus dem Speyerer Dom, der als Mutterkirche des Bistums gilt.

Pfarrer Josef D. Szuba weihte den neuen Altar am 15. April 2023. Beim Jubiläumsgottesdienst verbindet sich damit die Erinnerung an die Anfänge der Siedlungskirche mit ihrer jüngeren Entwicklung.