Ludwigshafen. Eine begrünte Hochstraße mit Gärten, Cafés und Geschäften klingt auch für die Hochstraße Nord verlockend. Doch das Beispiel aus Seoul zeigt zugleich die Grenzen einer solchen Idee: Der dortige Skygarden ist vor allem ein Fußgängerüberweg mit vielen direkten Anschlüssen. Eine vergleichbare Umgestaltung der Hochstraße Nord würde Ludwigshafen nach der vorliegenden Einschätzung nicht automatisch besser mit seinen Stadtteilen verbinden.

Was hinter dem Skygarden in Seoul steckt

Die Hochstraße Skygarden in Seoul wurde nach Plänen des niederländischen Architekturbüros MVRDV in eine begrünte Fußgängerbrücke umgewandelt. Das Bauwerk stammt ebenso wie die Hochstraße Nord aus den 1970er-Jahren. Beide Hochstraßen hatten laut dem Beitrag mit Planungsmängeln und Konstruktionsfehlern zu kämpfen.

Seoul entschied sich dennoch gegen Abriss und Neubau. Stattdessen entstand eine 16 Meter breite Brücke, deren Gestaltung sich aus verschiedenen Gartenlandschaften zusammensetzt. Auf dem Skygarden gibt es außerdem Cafés, Blumenläden, Straßenmärkte und Bibliotheken. Die Brücke verbindet Hotels, Gewerbe- und Einzelhandelszentren sowie den Bahnhof und erfüllt damit eine klare Fußgängerfunktion.

Warum die Übertragung auf Ludwigshafen schwierig wäre

Für die Hochstraße Nord sieht der Beitrag eine solche städtebauliche Wirkung nur eingeschränkt. Allenfalls ließen sich das Rheinufer und die Blies miteinander verbinden; auch die A650 wäre zu Fuß gut erreichbar. Die Anbindung des Bahnhofs über die Kulturspange Kaiser-Wilhelm-Straße, die durch das Zentrum führt, habe dagegen nicht funktioniert.

Ein „Skygarden Ludwigshafen“ würde den Weg zum Bahnhof nach dieser Einschätzung sogar verlängern. Damit wäre die begrünte Hochstraße zwar möglicherweise ein attraktiver Aufenthaltsort, aber keine gleichwertige Verbindung zwischen allen wichtigen Zielen der Stadt. Für die Verkehrsströme wäre zusätzlich eine ebenerdige dritte Rheinquerung nötig: die Kohl-Allee. Verkehrsplaner aus dem Bereich Stadtplanung und dem Bundesverkehrsministerium hätten diesen Bedarf ermittelt.

Bäume wachsen – aber nur begrenzt

Auch die Begrünung selbst bringt praktische Herausforderungen mit sich. Im Skygarden seien die Bäume nach zwei Jahren gewachsen. Weil in den Pflanzkübeln jedoch nur begrenzt Wasser und Platz zur Verfügung stehen, würden sie nicht besonders groß werden.

Das Beispiel Seoul liefert Ludwigshafen damit einen interessanten Impuls für die Diskussion über die Hochstraße Nord. Es zeigt, dass ein problematisches Bauwerk nicht zwingend abgerissen werden muss. Zugleich macht es deutlich: Eine Fußgängerbrücke mit Grün, Gastronomie und Handel ersetzt weder eine funktionierende Bahnhofsanbindung noch die zusätzliche Verkehrskapazität, die für Ludwigshafen nach der zitierten Planung erforderlich wäre.